[WestG] [LIT] LWL- Flurnamenatlas

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 22 11:49:59 CET 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 22.03.2007, 11:41


LITERATUR

Was haben "Nacken" und "Haar" mit Berg und Tal zu tun? LWL- 
Flurnamenatlas erklärt Bezeichnungen für Hügel und Wasserläufe

Wenn sich Fachleute über "Nacken" und "Haar" unterhalten, 
fachsimpeln nicht unbedingt Friseure über Frisurentrends. Es 
können auch Mundartforscher sein, die sich über Flurnamen 
austauschen. Denn Nacken steht auch für einen Berg oder Gipfel, 
und Haar kann auch einen höher gelegenen Landstrich wie den 
Haarstrang bezeichnen. Erklärungen für Namen von Hügeln und 
Wasserläufen gibt der "Westfälische Flurnamenatlas", dessen 
vierte Lieferung der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
jetzt herausgegeben hat.

Der Atlas zeigt anhand von über 90 Karten nicht nur, wo welche 
Flurnamen verbreitet sind. "In den ausführlichen Kommentaren zu 
allen Karten erklären wir auch, welchen Ursprung und welche 
Bedeutung die einzelnen Namen haben", so Autor Dr. Gunter Müller 
von der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. 
Denn die Bedeutung von Flurnamen erschließt sich heute oft nicht 
mehr auf den ersten Blick. "Meist waren es vor etlichen hundert 
Jahren Bauern, die Äcker, Wiesen, Wälder, Hügel, Bäche, Seen, 
aber auch Wege oder auffällige Bäume und Steine mit 
altniederdeutschen Namen versehen haben. Während diese Wörter in 
der heutigen Sprache ausgestorben sind, leben viele Flurnamen 
noch heute als Straßen- oder Stadtteilnamen weiter", erklärt 
Prof. Dr. Jürgen Macha, Vorsitzender der LWL-Kommission.

Der Westfälische Flurnamenatlas erklärt beispielsweise, mit 
einem kleinen "Aha-Erlebnis", was es mit dem in Westfalen weit 
verbreiteten Namen Aa für einen kleinen Fluss auf sich hat. Denn 
Aa leitet sich vom altniederdeutschen "Aha" ab, das wiederum mit 
dem lateinischen "aqua" zusammenhängt und schlicht "Wasser" 
bedeutet. Im Mittelpunkt der vierten und vorletzten Lieferung 
des Flurnamenatlas stehen aber Namen, die kleine Erhebungen, 
Hügel, Täler und Berge bezeichnen. Während im Münsterland der 
Flurname "Knapp" nicht etwa auf einen Mangel hinweist sondern 
für einen Hügel steht, bezeichneten die Menschen in Ostwestfalen 
kleine Erhebungen eher als "Brink", die Menschen im Westen 
Westfalens nannten Hügel dagegen meist "Bült".

Der "Hasenknüll" beschreibt zum Beispiel einen Hügel auf dem es 
Hasen gibt, dem Flurnamen "Molthoop" liegt das alte Wort Molt 
für Maulwurf zugrunde und er bedeutet also nichts anderes als 
Maulwurfshügel und bezeichnet entsprechend eine eher kleinere 
Erhebung.

Bei ihrer Arbeit am Flurnamenatlas haben sich die Mundart- und 
Namenforscher in erster Linie auf rund 170 Jahre alte Daten des 
Preußischen Grundsteuerkatasters verlassen. "Denn dieses 
Urka-taster zeichnet noch ein Bild der westfälischen Landschaft 
mit ihren ursprünglichen Namen. Danach haben landwirtschaftliche 
Veränderungen, die Industrialisierung und die Ausweitung der 
Städte große Teile der Landschaft und damit auch ihres 
Namenschatzes völlig verändert", erklärt Prof. Dr. Hans Taubken, 
Geschäftsführer der LWL-Kommission, warum der Atlas auf so alten 
Daten aufbaut.

Der erste Teil des "Westfälischen Flurnamenatlasses" erschien im 
Jahr 2000. Er enthält neben einer Einleitung und einem 
Literaturverzeichnis vor allem Karten und Kommentare zu 
Flurnamen für Ackerland. Schwerpunkt der 2001 erschienen zweiten 
Lieferung waren Bezeichnungen für Gemeinschaftsland, für 
Grünland und für das hofnahe Gelände. Die dritte Lieferung (2004)
 beschäftigt sich vor allem mit Namen für Bereiche, die erst 
spät intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden. Im Mittelpunkt 
der fünften und letzten Lieferung werden Themen wie Moor und 
Sumpf, Wald und Bäume sowie Wildtiere stehen.


INFO

Westfälischer Flurnamenatlas 
Im Auftrag der Kommission für Mundart- und Namenforschung 
Westfalens 
bearbeitet von Gunter Müller, Lieferung 4
Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 
Großformat DIN A 3, 167 Seiten, 94 zweifarbige Karten 
ISBN 3-89534-604-7
Preis: 49 Euro