[WestG] [AUS] "Hut & Co" im Textilmuseum in Bocholt, 18.03.-17.06.2007
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 15 11:25:21 CET 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 14.03.2007, 17:09
AUSSTELLUNG
Samthut von Marilyn Monroe erstmals ausgestellt -
"Hut & Co" im Textilmuseum in Bocholt
Ein Samthut von Marilyn Monroe krönt die neue
Ausstellung "Hut & Co.", die der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag, 18. März, in seinem
Textilmuseum zeigt. Das schwarze Accessoire und eine
Hutschachtel aus dem Besitz der Filmdiva werden in Bocholt
(Kreis Borken) zum ersten Mal öffentlich ausgestellt. "Wir
freuen uns riesig über die beiden Stücke", sagt
LWL-Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp. Er nahm die
Raritäten heute (14.3.) aus den Händen der Leihgeberin Christine
Krogull entgegen. Sie stellt ihre Schätze aus zwei großen
Nachlass-Auktionen in New York und Los Angeles für die Dauer der
Ausstellung zur Verfügung. Bis zum 17. Juni präsentiert das
LWL-Industriemuseum in Kooperation mit dem Schauplatz Ratingen
des Rheinischen Industriemuseums in Bocholt "150 Jahre
Hutgeschichte(n)".
"Hüte können viel erzählen", ist Stenkamp überzeugt. Annähernd
200 Exemplare ermöglichen dem Ausstellungsbesucher in Bocholt
einen Streifzug durch die Modegeschichte. Um 1900 etwa trug die
"Dame von Welt" einen breitrandigen Hut, der üppig mit Federn
oder gar präparierten Vögeln besetzt war. Glocken- und Topfhüte,
verziert mit Nadeln aus Jade, Strass oder Galalith, waren in den
1920er Jahren modern. Vielfalt kennzeichnet auch die Geschichte
des Männerhutes - ob Zylinder, Bowler, Panamahut oder Canotier
(auch als Kreissäge bekannt), Eden oder Schirmkappe - das
Repertoire ist breit gefächert.
Aber Hüte können mehr erzählen als über die modischen Vorlieben
ihrer Trägerinnen und Träger. "In der Ausstellung in Szene
gesetzt, geben die Hüte einiges von sich preis", verspricht
LWL-Museumsleiter Stenkamp. Beim Kaffeeklatsch zum Beispiel
verharrten Hüte aus gutem Grund auf den Köpfen der Damen,
schließlich war der Frisörbesuch lange Zeit ein teures
Unterfangen. Und der Zylinder, uns bekannt allenfalls noch als
Accessoire, das zum Ball oder zur Beerdigung getragen wird, war
im 18. Jahrhundert ein Symbol für eine freiheitliche Gesinnung.
Der "Homburg" begleitete den Unternehmer zum wichtigen
Geschäftstermin, während die Schiebermütze die Arbeiter vor dem
allgegenwärtigen Staub und Schmutz z.B. in der Weberei schützte.
Der breitrandige Strohhut bewahrte die elegante Dame des 19.
Jahrhunderts vor einer unerwünschten Bräunung des Teints.
Hüte sind aber nicht nur Modeartikel und bieten Schutz vor Wind
und Wetter, sie haben ihre eigene Symbolik und
Zeichenhaftigkeit. Stenkamp: "Ob es um soziale Unterschiede oder
um das Spiel der Geschlechter geht, um Zugehörigkeit zu
bestimmten Berufsständen oder unterschiedlichen Jugendszenen *
immer wieder sind es Kopfbedeckungen, die unmissverständlich
Zeichen setzen. Hüte sind eingebunden in gesellschaftliche
Umgangsformen und Rituale. Das betrifft vor allem den Männerhut:
eine Geste der Höflichkeit, wenn der Herr zum Gruß den Hut
lüpft." Zahlreiche Redensarten zeugen noch heute von seiner
bedeutsamen Rolle: "Hut ab" - wird immer noch als Ausdruck von
Respekt und Hochachtung verstanden, auch von demjenigen, der
noch nie einen Hut getragen hat.
Neben Mode- und Symbolfragen geht es in der Bocholter
LWL-Ausstellung auch um die Hut-Herstellung. Zahlreiche Exponate
aus der Produktion wie unterschiedliche Hutformen und -dämpfer
sowie eine Fotostrecke von Lorenz Kienzle aus einer Hutfabrik in
Guben - einst ein Zentrum der deutschen Hutindustrie - geben
Einblicke in den Fertigungsprozess. Seidenbänder in allen
farblichen Schattierungen, Federn, Vögel, Blumen und Hutnadeln
aus 150 Jahren lassen die Kunst der Putzmacherin lebendig
werden. Manche Kopfbedeckung dürfen Besucher auch selbst
aufsetzen. Stenkamp: "Wer selbst einmal ausprobieren möchte, wie
ihm zum Beispiel ein Zweispitz im Stil Napoleons steht, hat bei
uns Gelegenheit dazu."
INFO
Hut und Co. 150 Jahre Hutgeschichte(n)
Zeit:
18.3. bis 17.6.2007
Geöffnet Di - So, 10 -18 Uhr
Ort:
LWL-Industriemuseum
Textilmuseum in Bocholt
Uhlandstraße 50
46397 Bocholt
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog