[WestG] [AKT] Plettenberger haben mit Tabakladen ein Stueck Lokalgeschichte gerettet

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Mär 14 10:24:38 CET 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.03.2007, 11:52


AKTUELL

Plettenberger haben mit Tabakladen ein Stück Lokalgeschichte 
gerettet - LWL kürt das Haus zum Denkmal des Monats

Wer die bescheidene Doppelhaushälfte an der Wilhelmstraße Nr. 33 
in Pletten-berg (Märkischer Kreis) mit seinen niedrigen Decken 
und der schmalen Stiege betritt, glaubt, die Zeit wäre um 1950 
stehen geblieben. Mit seinem bescheidenen Komfort hatte das Haus 
eigentlich keine Zukunft mehr. Doch drei engagierte 
Plettenberger kauften es mit Ausstattung und Mobiliar und 
restaurierten das mittlerweile denkmalgeschützte Haus mit dem 
Tabakladen "Matta Heynes". Deshalb zeichnet der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das in der Mitte des 
19. Jahrhunderts errichtete Haus jetzt als Denkmal des Monats 
März aus.

"Lars Niggemann, Dr. Peter Vieregge und Thomas Großheim haben 
das Haus als lebendes Geschichtszeugnis in seiner gewachsenen 
Umgebung erhalten. Das kleine Haus hätte man nur mit großem 
Verlust an historischer Substanz zeitgemäß umnutzen können. Die 
drei bekennenden Plettenberger haben es samt Einrichtung 
liebevoll und behutsam gesichert und somit ein Stück 
Plettenberger Lokalgeschichte gerettet. Das ist ein absoluter 
Glücksfall für die Denkmalpflege", lobt LWL-Denkmalpfleger Dr. 
David Gropp.


Donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 
bis 12.30 Uhr öffnen die drei Eigentümer wie in alten Zeiten den 
Tabakladen. Die ebenfalls erhaltenen Wohnräume im Obergeschoss 
bieten Zigarrenrauchern die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft zu 
frönen: "Diese Räume mit ihrem etwas angestaubten Charme der 
1950er Jahre dienen heute als Rauchersalons. Vielleicht können 
sie ja in Zukunft den aus öffentlichen Gaststätten vertriebenen 
Rauchern eine adäquate Herberge bieten", so Gropp.

Zwischen den hohen Brandmauern der um 1900 entstandenen 
Nachbargebäude wirkt die Doppel-haushälfte noch kleiner, als sie 
ohnehin schon ist. Die übrigen Nachbarhäuser wurden ebenso wie 
die andere Haushälfte am Anfang des 20. Jahrhunderts ein Opfer 
der Modernisierungswelle, als sich die Willhelmstraße zu einer 
städtischen Geschäftsstraße entwickelte. Von der guten 
Geschäftslage profitierte auch der Zigarrenmachermeister Curt 
Heyne, der im Erdgeschoss des Hauses einen kleinen Laden 
einrichtete.

Im Obergeschoss wohnte seine Familie, unter dem Dach richtete 
Heyne den Tabak zu und wickelte die Zigarren. Die Ladeluke mit 
dem Lastenaufzug zeugt heute noch von den ehemaligen 
Werkstatträumen unter dem Dach. Das Geschäft lief gut, die 
Zigarren von Heyne waren beliebt. Als er mit nur 37 Jahren starb,
übernahm seine Frau die Zigarrenproduktion, um sich und die 
sechs Kinder durchzubringen. Den schon geplanten Umbau des 
Hauses verhinderte nach dem Ersten Weltkrieg die einsetzende 
Inflation. Im Laufe der Zeit ersetzten Marken-Zigarren den 
Verkauf selbsthergestellter Ware.

1949 übernahm Martha Heyne das Geschäft von ihrer Mutter. Kurz 
danach wurde es zum letzten Mal modernisiert, so dass es jetzt 
den Charme der 1950er-Jahre ausstrahlt. Nur das große 
Schaufenster weist auf das Geschäft hin, das man durch den 
separaten und unscheinbaren Hauseingang erreicht. "Martha Heyne 
hat über 50 Jahre tagein, tagaus in ihrer an das Ladenlokal 
angrenzender Küche auf Kunden gewartet. Hier konnte sie sehen 
und hören, wenn jemand in den Laden kam und hinter den 
Verkauftresen treten, um den Kunden die gewünschte Ware zu 
verkaufen", so Gropp.