[WestG] [LIT] Molkenthin, Ralf / Gundelach, Bodo (Hrsg.): Neues Licht auf alten Lettern
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Mär 12 10:41:34 CET 2007
Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 09.03.2007, 13:31
LITERATUR
"Farbtupfer aus dem Sperrschrank"
Buch mit mittelalterlichen Handschriften erschienen
RUB-Studierende heben Schätze aus der Geschichtsbibliothek
"Wir waren immer wieder erstaunt, welche bibliophilen Schätze
sich in den Sperrschränken unserer Bibliothek fanden und von
einem breiteren Publikum gar nicht wahrgenommen werden", sagt
Dr. Ralf Molkenthin (Fakultät für Geschichtswissenschaft der
Ruhr-Universität Bochum). Nachdem die Studierenden im Rahmen
einer praktischen Übung eine kleine Ausstellung der schönsten
Faksimilia im Sommersemester 2006 konzipiert und gezeigt haben,
hat er nun zusammen mit Bodo Gundelach ein Buch herausgegeben,
das einen Teil der rund 60 Faksimilia aus der Bibliothek der
Fakultät in besonderer Weise präsentiert: "Neues Licht auf alten
Lettern - Faksimilia der Historischen Bibliothek der
Ruhr-Universität Bochum". Das Buch ist ab sofort im Handel oder
über den Skriptorium-Verlag erhältlich.
Vom "Bestiarium" zu den "Medicina Antiqua"
Das Buch, dessen Texte die Studierenden geschrieben haben, ist
in vier Themenkomplexe gegliedert: Neben Auszügen und Bildern
aus liturgischen Büchern wie den "Books of Kelts" finden sich
kontinentale Buchkunst, Rechtsbücher sowie nichttheologische
Fachbücher und Stundenbücher. Es gibt eine bebilderte Anleitung
zur Selbstmedikation im 13. Jahrhundert: Die "Medicina Antiqua"
erläutern, wie Menschen damals Urin oder Speichel gegen
Sehschwäche, Hundebisse oder Blasensteine einsetzten. Der
Begleitband vermittelt auch mit Blick auf das mittelalterliche
Tierlexikon "Bestiarium von Peterborough" einen Eindruck, wie
doppeldeutig Tiere gesehen wurden. Einmal unter
biblisch-moralischen Kategorien, so etwa wenn das Rebhuhn als
"hinterlistig" dargestellt ist. Auf der anderen Seite machen die
farbigen Darstellungen der Tiere deutlich, dass die Menschen im
Mittelalter auch Fabelwesen wie Sirenen zu den real
existierenden Lebewesen gezählt haben. Da alle Abbildungen
überaus eindrucksvoll und farbenprächtig sind, meist aber in den
Bibliotheksschränken verborgen bleiben, haben die Studierenden
ihrer Ausstellung mit Recht den Untertitel "Farbtupfer aus dem
Sperrschrank" gegeben.
Historiker müssen Handschriften lesen können
Im Zeitalter des Computers kann kaum jemand noch alte
Handschriften lesen. Für Historiker ist diese Fähigkeit jedoch
unerlässlich. So entstand aus einer Übung nun ein Buch, das
unter anderem Antworten gibt auf Fragen wie "Wie sehen
mittelalterliche Handschriften aus?" Aber auch: "Welches
Medizin- und Naturverständnis hatten die Menschen damals und was
ist eigentlich ein Faksimile?" Der Begleitband zur gleichnamigen
Handschriften-Ausstellung der Fakultät präsentiert 29
ganzseitige Farbabbildungen mit erläuternden und weiterführenden
Texten. Er gibt einen Einblick in die prächtige Gestaltung
mittelalterlicher Handschriften, die meist mit Ornamenten sowie
bunten Initialen versehen sind. Die Herausgeber wurden bei der
Ausstellung unterstützt vom Museum für Kunst und
Kulturgeschichte in Dortmund und dem Ruhrland Museum in Essen,
die die benötigten Vitrinen zur Verfügung stellten.
INFO
Titelaufnahme:
Molkenthin, Ralf und Gundelach, Bodo (Hrsg.): Neues Licht auf alten
Lettern. Begleitband zur Ausstellung "Neues Licht auf alten Lettern -
Faksimilia der Historischen Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum".
Morschen, Skriptorium-Verlag 2007, 80 Seiten, 22,80 Euro, ISBN
978-3-938199-14-5. Auch erhältlich unter: http://www.retrobooks.de
Dr. Ralf Molkenthin
E-Mail: ralf.molkenthin at rub.de
Bodo Gundelach
E-Mail: bodo.gundelach at rub.de