[WestG] [AUS] Sonderausstellung zur Kulturgeschichte der privaten Feiern nach 1945, 17.06.-02.09.2007, Guetersloh
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Jun 20 11:04:24 CEST 2007
Von: "Martin Wedeking" <infos.wedeking at arcor.de>
Datum: 14.06.2007, 15:06
AUSSTELLUNG
"Heut' laden wir uns Gäste ein" Sonderausstellung zur
Kulturgeschichte der privaten Feiern nach 1945.
Jetzt geht die Party richtig los: Hausbar, Käseigel und
Ordnungsverfügung -
Wen lade ich ein? Was biete ich zu essen und zu trinken an? Und
welche Musik passt am besten? Die Fragen, die sich ein Gastgeber
vor einer mehr oder weniger spontanen Party stellt, sind immer
wieder die gleichen. Doch die Antworten haben sich in den
letzten 60 Jahren sehr verändert. Das zeigt die
Wanderausstellung "Heut' laden wir uns Gäste ein", die der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in acht westfälischen
Museen präsentiert, anhand von 200 Exponaten von der
Einladungskarte über Ratgeberliteratur und Partygeschirr bis hin
zur Hausbar aus den 1950er Jahren.
Zweite Station der Ausstellung ist das Stadtmuseum Gütersloh
(17. Juni bis 2. September 2007). Über ein Jahr lang hat
LWL-Ausstellungsmacherin Anke Wielebski Suchaufrufe gestartet,
in Partykellern gestöbert, Bowle-Schalen begutachtet,
Einladungskarten studiert und Interviews geführt. Dabei haben
ihr viele Menschen in ganz Westfalen geholfen und ihr nicht nur
viele Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt, sondern ihr
auch Fotoalben gezeigt und viele Party-Geschichten erzählt.
Dabei hat Wielebski herausgefunden, was in welcher Form
zubereitet auf Partys gegessen und getrunken wurde, wie die
Westfalen gefeiert haben und dass sie gar nicht immer zum Lachen
in den (Party-) Keller gegangen sind. Ergebnis ihrer Arbeit ist
eine Ausstellung, die "einen intimen Blick durchs Schlüsselloch
auf ganz individuelle Lebengeschichten erlaubt und
schlaglichtartig die Geschichte des privaten Feierns in
Westfalen erhellt", so die Ausstellungsmacherin.
Die Ausstellung startet in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre
und endet in der Gegenwart. Nach einem kurzen Einblick in die
Lebensumstände der unmittelbaren Nachkriegszeit gilt für die
frühen 1950er Jahre: "Man benimmt sich wieder." Eine Fülle von
Ratgebern zeugt von dieser weit verbreiteten Einstellung. Dabei
weist beispielsweise 1954 ein Ratgeber der jugendlichen
Gastgeberin klar ihre Rolle zu: "...jeden einzelnen deiner Gäste
glücklich zu machen, und zwar den ganzen Menschen, nicht nur den
Magen mit der bewussten Torte, nicht nur das Herz mit vielen
guten Worten, nicht nur den Geist mit brillanter Unterhaltung,
sondern alles miteinander."
Während nur zwei Jahre später ein weiteres Buch rät, der Mutter
eine Kinokarte zu schenken, "als Dank für die Hilfe, aber
gleichzeitig auch als freundschaftlicher Stups, weil man alleine
feiern möchte", sagt ein peppig aufgemachtes Buch 1979
überraschender Weise, man könne von den Eltern nicht verlangen,
dass "sie ins Kino gehen, wenn die Party steigt. Sie sollen zwar
nicht die ganze Zeit mitfeiern, aber als gute Geister im
Hintergrund können sie dir helfen, mit unvorhergesehen
Situationen fertig zu werden". "Hier schlagen sich wohl
Erfahrungen mit aus dem Ruder gelaufenen Party der 1970 Jahre
nieder", vermutet Wielebski.
In den 1950er Jahren ging es nicht nur um das Benehmen, auch die
wirtschaftlichen Fortschritte wirkten sich auf die Feierkultur
aus: "In dieser Zeit kam eine schier unglaubliche Menge von
Gebrauchsgegenständen für Partys auf den Markt:
Salzstangenhalter, Serviettenhalter, Abbieteschalen, Gläsersets,
Cocktailspieße und das Ganze in sehr bunten Formen und Farben",
so Wielebski. Mit dem steigenden Wohlstand in den 1960er Jahren
rückte das Essen immer mehr in den Mittelpunkt der Party. Dabei
empfiehlt die zeittypische Kochbuchliteratur den Gastgebern vor
allem das kalte Büffet. "Das hat sich bis heute kaum verändert",
hat Wielebski festgestellt. "Es galt zu zeigen was man hat, dazu
bediente man sich auch gerne neuer Formen der Bewirtung mit
Fondue oder Raclette. In den 1970er Jahren gingen die Westfalen
dann zum Feiern in den Keller: Die kleine Hausbar im Wohnzimmer
genügte den Ansprüchen nicht mehr, bei vielen Neubauten der
1960er und 1970er Jahre wurde die Kellerbar gleich mitgeplant.
"Die Vorteile liegen auf der Hand: Lärm, Rauch und die
Feierreste werden aus dem unmittelbaren Wohnbereich verbannt",
erklärt Wielebski. Diese Entwicklung schlägt sich natürlich in
besonderen Einrichtungsgegenständen wie Erdnuss-Spendern und
besonderen Tapeten nieder."Ein bisschen Spaß muss sein!" oder
"Let's Party", tönte es in den 1980er Jahren durch die
Partykeller. Jetzt stand die Musik im Vordergrund. Je nach
Musikgeschmack animierten Stimmungslieder, Party-Sound oder
Feten-Hits zum Mitsingen und -tanzen. Die immer
leistungsstärkeren Musikanlagen sorgen dann allerdings auch für
die eine oder andere Störung ruheliebender Nachbarn. Das
thematisiert die Ausstellung in Form von Anzeigen und
Bußgeldbescheiden. Doch bevor die in der Ausstellung gezeigten
Anzeigen kommen, gilt es am "Tag danach" mit dem Kater fertig zu
werden. Dazu präsentiert die Ausstellung einige Tricks und
Mittelchen und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Beispielweise
mit dem wirkungslosen "Stützbier", das besagt, dass man mit dem
Getränk weitermachen soll, mit dem man aufgehört hat.
Neben einer Fülle an Gebrauchsgeschirr und Partyutensilien zeigt
die LWL-Ausstellung Schallplatten, CDs, Kofferplattenspieler,
Einrichtungsgegenstände für die Kellerbar und Hilfsmittel für
die Zubereitung eines kalten Büffets. Zahlreiche Kochbücher,
Ratgeber für die richtige Gestaltung einer Feier und Privatfotos
von Feiern ergänzen die Sammlung.
Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog erschienen, der
die Themen der Ausstellung vertieft. Er ist für 12,-- Euro an
der Museumskasse erhältlich oder kann unter wma.info at lwl.org
bestellt werden.
Spezielles Begleitprogramm Das LWL-Museumsamt für Westfalen in
Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Gütersloh bietet ein
museumspädagogisches Programm an: Jüngere Besucher können in der
Ausstellung ihren Kindergeburtstag feiern, für Erwachsene gibt
es ebenfalls spezielle Programme.
Veranstaltungsprogramm und weitere Termine "Heut’ laden wir uns
Gäste ein" Kulturgeschichte der privaten Feiern nach 1945. Eine
Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen vom 17.
Juni bis 2. September.
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 17. Juni, 11.00 Uhr.
Eine Ausstellungseröffnung als musealer Frühschoppen mit
Hans-Jörg Kühne (Saxophon) und William A. Morris (Gitarre,
Gesang), darin um 11.30 Uhr die Eröffnung mit einer Einführung
durch die Kuratorin Anke Wielebski, LWL-Museumsamt Münster.
Eintritt frei!
- 50er-Jahre-Party!
Stadtmuseum, Heimatverein und Museumscafé Gütersloh laden ein zu
einer nostalgischen Party im zauberhaften Ambiente des
Museumshofes. Am 23. Juni um 19.30 Uhr gastiert das Duo "Zarter
Anschlag" im Stadtmuseum aus Anlass der Sonderausstellung "Heut'
laden wir uns Gäste ein". Peter Lorke und Ralf Zartmann sind
vielseitige Sänger und Musiker, denen mit ihren Stimmen, der
Gitarre, dem Cajón und dem Xylophon stets ein "zarter Anschlag"
auf die Herzen der Zuhörer gelingt. Immer reagiert das Publikum
mit großer Begeisterung auf die Darbietungen der jungen Musiker
aus Essen. Im Museumshof präsentieren sie ihr Programm "Mozart
goes to Graceland" - Klassik trifft auf Rock.
Eintritt zum 60er-Jahre-Preis von 5 Euro (Vorverkauf im
Stadtmuseum und Abendkasse).
Vorweg bietet Martin Wedeking um 15.00 Uhr eine öffentliche
Führung durch die Party-Ausstellung an.
INFO
Kontakt:
Dr. Rolf Westheider
Stadtmuseum Gütersloh
Kökerstraße 7-11a
33330 Gütersloh
Tel.: 05241/26685
Fax: 05241/29072
E-Mail: info at stadtmuseum-guetersloh.de
URL: www.stadtmuseum-guetersloh.de