[WestG] [AKT] Vortrag: Ueber den Schwund des Plattdeutschen im Westmuensterland, 19.06.2007, Borken
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 15 11:37:43 CEST 2007
Von: "Kreis Borken" <info at presse-service.de>
Datum: 14.06.2007, 11:51
AKTUELL
Vortrag von Prof. Dr. Ludger Kremer:
"O Jung, nu praot men Platt met mi ... -
Über den Schwund des Plattdeutschen im Westmünsterland"
Gemeinsame Veranstaltung des Landeskundlichen Instituts
Westmünsterland und der Gesellschaft für historische
Landeskunde des westlichen Münsterlandes e.V. am 19. Juni 2007
im Kreishaus Borken
"O Jung, nu praot men Platt met mi ... - Über den Schwund des
Plattdeutschen im Westmünsterland" - So lautet das Thema eines
Vortrages, den Professor Dr. Ludger Kremer am 19. Juni 2007 um
19.30 Uhr im Borkener Kreishaus halten wird. Ausgerichtet wird
diese öffentliche Veranstaltung vom Landeskundlichen Institut
Westmünsterland und von der Gesellschaft für historische
Landeskunde des westlichen Münsterlandes e.V. Der Vortrag fußt
auf der neuen Veröffentlichung des Instituts mit dem Titel
"Dialektschwund im Westmünsterland". Verfasst wurde der Band vom
Referenten des Abends und von Veerle Van Caeneghem.
Seit vielen Jahren schon zeichnet sich in Norddeutschland ein
starker Schwund des Plattdeutschen ab, wenn auch mit gewissen
regionalen Unterschieden. Innerhalb des westfälischen Raumes
beispielsweise galt das Westmünsterland bisher als relativ
relativ dialektfreundlich. Dennoch haben frühere Untersuchungen
bereits einen kontinuierlichen Rückgang in der Beherrschung und
im Gebrauch des Plattdeutschen von etwa 30 Prozent pro
Generation erkennen lassen. Diese Tendenz wird nunmehr durch
Befragungen unter den Eltern der Viertklässler an den
Grundschulen des Kreises Borken bestätigt. Berücksichtigt wurde
bei dieser Studie der Einfluss von Alter, Beruf, Geschlecht und
Herkunft auf die Kenntnis des Plattdeutschen, auf seine
Verwendung und seine Wertschätzung - Fazit: Die Ablösung des
Plattdeutschen vollzieht sich innerhalb der Familie mit großer
Geschwindigkeit. Die jüngste Generation wächst kaum noch mit dem
Plattdeutschen auf. Eine gewisse passive Kompetenz erwerben nur
noch die Kinder, deren Eltern bzw. Großeltern im Gespräch
untereinander Platt sprechen.
Diesen in der Mitte des 20. Jahrhundert einsetzenden
Sprachwechsel vom Platt- zum Hochdeutschen nimmt Professor Dr.
Kremer in seinem Vortrag im Kreishaus auf ausgesprochen
anschauliche Weise in den Blick. Dazu präsentiert er
Einschätzungen von Zeitzeugen und die Ergebnisse früherer
Untersuchungen. So war im Alltagsleben des Westmünsterlandes vor
100 Jahren das Hochdeutsche in der Regel in familiären
Gesprächssituationen fehl am Platze. Gesprochen wurde es nur bei
offiziellen und formellen Anlässen. Bis zum Zweiten Weltkrieg
blieb das so beim größten Teil der Bevölkerung; der sprachliche
Alltagsverkehr verlief auf Plattdeutsch. Heute lassen die
sprachlichen Verhältnisse im westlichen Westfalen diese
Feststellung längst nicht mehr zu: Zum einen beherrscht nur noch
ein kleiner, stets weiter abnehmender Teil der Bevölkerung
Plattdeutsch. Zum anderen geht sein Gebrauch selbst bei aktiven
Sprechern beständig zurück - auch in Alltagsgesprächen wird mehr
und mehr Hochdeutsch verwendet. Und da die Eltern der heutigen
Viertklässler fast ausschließlich auf Hochdeutsch mit ihren
Kindern sprechen wollen bzw. können, sieht es inzwischen düster
um das Fortbestehen des Plattdeutschen im 21. Jahrhundert aus.
Professor Kremer ordnet in seinem Vortrag diese Entwicklung in
überregionale Zusammenhänge ein. Zudem befasst er sich mit
folgenden Fragen: Gibt es außer dem heimischen Plattdeutschen
auch andere sprachliche Möglichkeiten zum Ausdruck regionaler
Identität? Wie sind die Zukunftsaussichten des Plattdeutschen?
Kann es überleben? Wenn ja, auf welche Weise und in welcher Form,
und was müsste dazu geschehen? Der Eintritt zu dieser
Veranstaltung ist frei.
Mit dem Buch "Dialektschwund im Westmünsterland - Zum
Verlauf des niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsels im 20.
Jahrhundert" von Ludger Kremer und Veerle Van Caeneghem ist die
Diskussion über den Stand des Plattdeutschen als Alltagssprache
in Westfalen und in ganz Norddeutschland ein gutes Stück weiter
gekommen. Es wird auch in den nächsten Jahren noch Stoff zur
Auseinandersetzung und Anregungen für vertiefende Studien
liefern und ist sicherlich für einen großen Leserkreis in der
Region interessant. Erschienen ist es als Band 17 der Reihe
Westmünsterland, Quellen und Studien, Vreden, Landeskundliches
Institut Westmünsterland. ISBN 3-937432-15-9. Das Buch kostet 15
Euro. Es ist im Buchhandel, im Borkener Kreishaus, Burloer
Straße 93, sowie im kreiseigenen Hamaland-Museum in Vreden,
Butenwall 4, erhältlich.
INFO
Borkener Kreishaus
Burloer Straße 93
46325 Borken