[WestG] [AUS] LWL-Industriemuseum zeigt Ausstellung in historischer Spinnerei, 19.08.-07.10.2007, Bocholt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 1 11:38:53 CEST 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 31.05.2007, 15:38
AUSSTELLUNG
100 weiße Hemden für 100 Jahre Herding
LWL-Industriemuseum zeigt erstmals Ausstellung in historischer
Spinnerei
30 Jahre nach der Stilllegung öffnet der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) im Sommer erstmals die Tore der ehemaligen
Spinnerei Herding für Besucher. Zum 100. Geburtstag des Gebäudes
zeigt das LWL-Textilmuseum in Bocholt dort die Ausstellung "100
Jahre Herding - Kunst.Visionen.Geschichte" (19.8.-07.10.2007)
und stellt das eindrucksvolle Baudenkmal in seiner neuen
Funktion als Ort der Kultur vor.
Sieben renommierte Künstlerinnen werden textile Installationen
in den historischen Spinnsälen zeigen. Eine von ihnen ist
Christa Maria Kirch. Die Bocholterin plant ein "soziales
Kunstwerk" und spielt dabei mit dem Straßennamen "Hemdener Weg",
wo früher vor allem Textilarbeiter wohnten. Kirch, die vor
kurzem selbst in den Hemdener Weg zog, bittet ihre männlichen
Nachbarn um Leihgabe oder Spende weißer, klassischer Hemden.
"Gleich einem Festzug werden die gebügelten und gefalteten
Hemden im großen Spinnsaal als Straßenzug arrangiert. Die
Objekte, die vielfach aus Familien mit enger historischer
Verbindung zur örtlichen Textilindustrie stammen,
versinnbildlichen so die 100-jährige Geschichte des
Spinnereigebäudes", erklärte Christa Maria Kirch
bei der Vorstellung Ihres Projektes in Bocholt.
Die Ausstellung von Textilkunst und Textilgeschichte bietet
einen Vorgeschmack auf das große Potential des historischen
Komplexes "Herding", der neben Ausstellungsflächen in Zukunft
auch Räume für Veranstaltungen und Ateliers für kreative
Textiler bieten wird. "Unsere Vision ist es, in einem
gewachsenen Gebäudeensemble ein Museum zu integrieren, das
gestalterisch, didaktisch und denkmalpflegerisch nationalem wie
internationalem Standard genügt", erläutert Dirk Zache, Direktor
des LWL-Industriemuseums, zu dessen Verbund das Textilmuseum in
Bocholt gehört.
Wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die Schauproduktion. So
sollen in der Spinnerei Herding künftig wieder Fasern gesponnen,
gewebt und gefärbt werden. Die in den letzten 25 Jahren zusammen
getragene Sammlung bildet dafür die Grundlage. Sie gilt als
einzigartig auf dem europäischen Festland. Im Depot des
LWL-Industriemuseums befinden sich allein 300 Großmaschinen aus
allen Bereichen der Textilherstellung. Museumsleiter Dr.
Hermann-Josef Stenkamp: "Ob es sich um ein kostbares
Damastgewebe aus feinem 'Bielefelder Leinen', Möbelplüsch,
T-Shirts, Reißverschlüsse, Borten oder Etiketten handelt, vieles
könnte in Bocholt wieder im Schaubetrieb produziert in den
historischen Qualitäten verkauft werden."
Nach den Vorstellungen der Museumsmacher soll der authentische
Ort darüber hinaus Arbeits- und Präsentationsraum für Kreative
aus dem Bereich Kunst, Kunstgewerbe und Design werden - "eine
Baumwollspinnerei, in der auch die verschiedenen Fäden der
Kultur gesponnen werden und damit ein Netz weit über die Stadt
Bocholt hinaus entstehen lassen", schwebt Museumsdirektor Zache
vor.
Außerdem lernen Ausstellungsbesucher die Geschichte der
Spinnerei Herding und des Fabrikgebäudes kennen, dessen
Grundstein im Jahr 1907 gelegt wurde. Firmenchef Max Herding
baute damit seine 1870 gegründete Handweberei an der
Industriestraße zu einem zweistufigen Textilbetrieb mit großer
Weberei und eigener Spinnerei aus. Mit über 500 Beschäftigten
gehörte Herding in den 1950er Jahren zu den größten
Textilfabriken Bocholts. Vor drei Jahren konnte der LWL den
viergeschossigen Backsteinbau nach langen Bemühungen für die
Erweiterung seines bestehenden Textilmuseums in Bocholt kaufen.
Hemden-Leihgaben aus dem Hemdener Weg nimmt das LWL-Textilmuseum
bis zum 24. Juni (Di - So 10-18 Uhr) entgegen. Auf Wunsch werden
sie auch abgeholt.
Christa Maria Kirch - Biographisches
Ihr Studium der bildenden Kunst schloss Christa Maria Kirch mit
dem Diplom der Bildhauerei ab. Vor allem Konzeptkunst,
Installationen und die Entwicklung und Organisation von
interdisziplinären Projekten beschäftigt die vor kurzem nach
Bocholt gezogene Künstlerin. Mit Beiträgen ist sie seit 1998 bei
zahlreichen Ausstellungen in den Niederlanden und im Münsterland
vertreten. Sie ist Mitglied im KünstlerinnenForum Münsterland
und der niederländischen Künstlergruppe M Plus. Die Gründung des
Ahauser Kunstvereins "ArtHAUS e.V." geht auf ihre Initiative
zurück.
INFO
100 Jahre Herding - Kunst.Visionen.Geschichte
19.8.-7.10.2007
LWL-Industriemuseum
Textilmuseum in Bocholt
Ehemalige Spinnerei Herding
Industriestraße 6
46395 Bocholt
geöffnet Do bis So, 10-18 Uhr sowie nach Vereinbarung