[WestG] [AKT] Freitag der 13. gilt seit 50 Jahren als Pechtag

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jul 9 11:23:17 CEST 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.07.2007, 10:02


AKTUELL

Freitag der 13. gilt seit 50 Jahren als Pechtag

"Nicht daran denken", "auf keinen Fall autofahren" oder "am 
besten erst gar nicht aufstehen". Mit diesen Strategien 
versuchen am kommenden Freitag abergläubische Zeitgenossen über 
den Tag zu kommen. Denn dieser Freitag fällt auf den 13. Dr. 
Christiane Cantauw, Volkskundlerin beim Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, hat sich mit der Frage 
beschäftigt, warum so viele Menschen sich vor dem Freitag, den 
13. fürchten.

Schon einzelne Wochentage für sich gelten als Glücks- oder 
Pechtage: "Die Bedeutung, die ein bestimmter Wochentag für die 
Menschen innerhalb einer Region hatte, war jedoch sehr 
unterschiedlich: So galt der Freitag noch um 1930 im nördlichen 
Deutschland als Glückstag, der sich besonders zum Heiraten 
eignete. In der Mitte und im Süden Deutschlands glaubte man 
dahingegen eher an die Unglück verheißende Wirkung dieses 
Wochentags", weiß Cantauw. Übrigens sollen auch Napoleon und 
Bismarck an die Unglück verheißende Wirkung des Freitags 
geglaubt haben: Napoleon hat keine Schlacht an einem Freitag 
geschlagen und Bismarck an diesem Tag keinen Vertrag 
geschlossen.

Der Grund für den Glauben, dass einzelne Tage ein größeres 
Glücks- oder Unglückspotential hätten als andere, liegt 
wahrscheinlich bei dem Phänomen der "verworfenen Tage". "Dies 
waren Tage, die besonders viel Unglück bringen sollten. Sie 
werden in zahlreichen mittelalterlichen Handschriften erwähnt 
und wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein überliefert, wobei 
sich die Bedeutung einzelner Tage im Laufe der Jahrhunderte 
durchaus auch umkehren konnte", erklärt die Expertin der 
Volkskundlichen Kommission für Westfalen.

Der Glaube an eine Zahlen-Symbolik ist noch älter: Bereits die 
frühen Hochkulturen kannten ein ausgefeiltes Rechensystem. In 
jedem Zahlensystem sind einige Zahlen unweigerlich wichtiger als 
andere: Beim Dezimalsystem (wie wir es heute verwenden) ist es 
die zehn und beim Zwölfersystem eben die zwölf, die 
dementsprechend eine besondere Bedeutung hat: Es gibt zwölf 
Monate, zwölf Apostel, zwölf Tierkreiszeichen und das 
Zwölf-Götter-Regiment der Griechen und Römer. "Die Dreizehn 
überschreitet das geschlossene Zwölfersystem und ist als 
Primzahl nur durch eins und sich selbst teilbar, schon dadurch 
kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Deshalb wird ihr eine 
überschreitende Kraft nachgesagt, die durchaus nicht immer 
negativ sein muss", sagt Cantauw. So gelte die 13 in der 
jüdischen Tradition als eine ausgesprochene Glückszahl und als 
ein Symbol Gottes, weil sie über die zwölf regiere. Bei den 
Forschungen zum Atlas der deutschen Volkskunde in den 1930er 
Jahren habe sich herausgestellt, dass die 13 als Unglückszahl 
zwar weithin bekannt war, dass es aber auch zahlreiche Belege 
gäbe, in denen die 13 als Glückzahl bezeichnet wurde, so die 
LWL-Volkskundlerin weiter.

"Interessanterweise wurden die Wochentage und die Zahlen lange 
Zeit unabhängig von einander als glücksbringend oder vom Pech 
bedroht betrachtet. Erst in den 1950er Jahren begann man diese 
beiden Vorstellungswelten zu verknüpfen", hat Cantauw 
beobachtet.

Viele Ereignisse erhalten im Nachhinein eine ganz andere 
Bedeutung, wenn man sie unter dem Gesichtspunkt einer 
Zahlenmystik betrachtet. So startete die gescheiterte 
Raumfahrtmission Apollo 13 ausgerechnet um 13.13 Uhr Houstener 
Zeit. Außerdem enthielten angeblich viele Namens- oder 
Zeitangaben bei dieser Weltraummission die Zahl 13 - direkt oder 
als Quersumme.

Alles Zufall? "Leider spielt uns in Hinblick auf Freitag, den 
13. auch unsere Psyche oft einen Streich. Im festen Glauben an 
unser Unglück verhalten wir uns unsicherer: Die Kaffeetasse 
fällt vom Tisch, das hundert Mal geglückte Einparkmanöver endet 
in unschönen Schrammen oder das Faxgerät schickt einen Brief an 
die falsche Nummer. Die sich selbst erfüllende Prophezeihung 
(self fulfilling prophecy) macht es wahrscheinlich, dass das 
Unglück, dass wir heraufziehen sehen auch wirklich eintritt - 
wenn wir nur fest daran glauben", so Cantauw.