[WestG] [LIT] Goedden, Walter (Hg.): Peter Hille. Werke zu Lebzeiten
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jan 18 10:54:28 CET 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 12.01.2007, 10:52
LITERATUR
LWL gibt neue Hille-Edition heraus
Zum Doppeljubiläum des Dichters Peter Hille 2004 (150.
Geburtstag und 100. Todestag) erschienen Hille-Monografien,
-Lesebücher und gleich mehrere Audiobooks. Eine Möglichkeit,
Hilles Schriften neu zu entdecken, bietet der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL): Die Literaturkommission für Westfalen des
LWL hat eine Werkausgabe des Dichterbohemiens herausgegeben,
der um 1900 in Berlin Literaturgeschichte schrieb.
Im Gegensatz zu früheren Hille-Editionen und -Anthologien
verzichtet die neue Ausgabe darauf, durch ihre Gliederung eine
bestimmte Interpretation vorzugeben. Statt dessen bietet sie
eine chronologische Textwiedergabe anhand der Erstdrucke. "Die
Edition befreit", so Herausgeber Dr. Walter Gödden, "das
Hille-Bild vom Ballast einer Wirkungsgeschichte, die den Autor
einseitig religiös und pädagogisch vereinnahmte. Die Werkausgabe
lenkt den Blick auch auf Texte, die bisher abseits des
Interesses standen, beispielsweise Hilles literaturkritische
Beiträge, die am Anfang seiner Laufbahn stehen. Auf diese Weise
wird Hilles publizistischer Werdegang sichtbar, der unmittelbar
mit literarischen Strömungen seiner Zeit korrespondierte."
Ziel der vorliegenden Edition sei es, neues Interesse für das
Werk Hilles zu wecken, eines Schriftstellers, der epochen- und
gattungsspezifisch nur schwer einzuordnen ist. "Fern aller
weltanschaulichen Debatten über den Autor soll das Augenmerk
wieder auf die Texte selbst gelenkt werden, deren literarische
Qualität neu zu bewerten ist", so Gödden weiter.
Hille wurde 1854 in Erwitzen bei Nieheim (Kreis Höxter) geboren.
Wanderungen führten den ewig mittellosen Dichter durch ganz
Europa, bevor er Berlin zu seinem Hauptwohnsitz auserkor. Im
Berliner Weinlokal "Dalbelli" hatten Freunde ihrem Idol ein
literarisches Kabarett eingerichtet. Auf dem Podium stand damals
unter anderem Else Lasker-Schüler. Sie verehrte Hille wie einen
Dichterguru und stilisierte ihn in ihrem "Peter Hille-Buch" zu
einem Heiligen der Dichtkunst. Auch von anderer Seite (Erich
Mühsam, Otto Julius Bierbaum) wiederfuhr Hille bis in die
heutige Zeit höchste Wertschätzung. Unzweifelhaft zählt der im
Ostwestfälischen geborene Lehrersohn zu den wichtigsten Autoren
seiner Zeit.
Vor allem die Universität Paderborn machte sich um die
Erforschung seiner Werke verdient. Hier wurde 2004 eine
Peter-Hille-Forschungsstelle eingerichtet, die eng mit den
Münsteraner Forschern zusammenarbeitet. Gemeinsam streben sie
nun eine Peter-Hille-Briefausgabe an, die die weitverzweigten
literarischen Kontakte des Autors aufzeigen soll.
INFO
Peter Hille. Werke zu Lebzeiten. Hg. von Walter Gödden. 2 Bände,
802 Seiten. Bielefeld: Aisthesis-Verlag 2007. 68 Euro, ISBN