[WestG] [AKT] Stadtgeschichte: Roburit-Katastrophe ist Thema beim Archivforum, 17.01.2007, Witten

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jan 16 10:58:53 CET 2007


Von: "Universitätsstadt Witten" <info at presse-service.de>
Datum: 11.01.2007, 11:27


AKTUELL

Stadtgeschichte: 
Roburit-Katastrophe ist Thema beim Archivforum 
Veranstaltung am 17. Januar - Eintritt ist frei

"Am Abend des 28. November 1906 bricht im Mischgebäude 
der Wittener Roburitfabrik ein Feuer aus. Kurze Zeit später 
erschüttern zwei gewaltige Explosionen den Stadtteil: Die Fabrik,
die Sprengstoffe für den Bergbau herstellt, ist in die Luft 
geflogen. 41 Menschen kommen ums Leben, mehrere hundert werden 
verletzt und über 2000 obdachlos." Mit diesem Thema beschäftigt 
sich das 12. Wittener Archivforum am kommenden Mittwoch (17.1.) 
um 19 Uhr in der Hauptwache der Feuerwehr Witten an der 
Dortmunder Straße 17.

Dr. Martina Kliner-Fruck, Historikerin und Leiterin des 
Stadtarchivs Witten, lädt zu diesem kostenfreien Vortrags- und 
Diskussionsabend alle interessierten Wittenerinnen und Wittener 
herzlich ein. "Mit dem Veranstaltungsort in der 
Feuerwehrhauptwache möchten wir darüber hinaus an die 
zahlreichen Hilfskräfte erinnern, die von der Katastrophe und 
ihren Folgen ebenfalls betroffen waren", so die Archivchefin mit 
Blick auf die hoffentlich gut besuchte Veranstaltung. Bereits um 
18 Uhr gibt es darum eine Führung durch die Feuer- und 
Rettungswache der Stadt Witten, um den Besuchern einen Überblick 
über die heutige Ausstattung und die aktuellen Möglichkeiten 
effizienter Rettungsarbeit zu geben.

Unglück erschüttert das Vertrauen

Die Explosion der Roburit-Fabrik erregte zu Beginn des 20. 
Jahrhunderts reichsweite Aufmerksamkeit: Insbesondere das 
Bürgertum zeigt sich schockiert. Es war, im Unterschied zu den 
zahlreichen Grubenunglücken, unmittelbar betroffen. Für die 
Opfer der Katastrophe wurde darum auch großzügig gespendet. Aber 
das Unglück verunsicherte die Menschen in der Region tief und 
erschütterte ihr Vertrauen in den technischen Fortschritt.

"In vielerlei Hinsicht ist es bis heute exemplarisch für den 
Umgang mit technischen Katastrophen in der 
Industriegesellschaft", so die beiden Historiker Dr. Frank 
Ahlandt und Stefan Nies, die sich seit einiger Zeit intensiv mit 
dem Thema beschäftigen und auch die aktuelle Roburit-Ausstellung 
im Westfälischen Industriemuseum Zeche Nachtigall mit konzipiert 
haben.

Spannender Abend

Auch in ihrem Vortrag am 17. Januar behandeln sie die 
Nachwirkungen der Katastrophe: technisch, legislativ, 
sozialpolitisch, religiös, sozial, mental. Nach welchen 
Kriterien wurden die eintreffenden Spendengelder verteilt? Warum 
kam es zu Vorwürfen des Antisemitismus? Wie reagierten die 
Behörden auf das Unglück? Was ergab das eingeleitete 
Strafverfahren gegen die Roburitfabrik? Was ergaben die 
Entschädigungsprozesse? Wie wurde die Katastrophe psychisch 
verarbeitet? Und schließlich: Welchen Stellenwert nimmt die 
Katastrophe im kollektiven Gedächtnis der Stadt ein? Dr. Martina 
Kliner-Fruck: "Auf die Besucherinnen und Besucher warten am 17. 
Januar nicht nur vielen Sachinformationen zum Thema, sondern 
vielmehr ein rundherum spannender Abend."

Mit seiner Vortragsreihe "Archivforum" will das Stadtarchiv 
Witten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, 
Heimatforschern sowie Schülerinnen und Schülern Gelegenheit 
geben, ihre Forschungsergebnisse zur Wittener Stadtgeschichte 
der Öffentlichkeit vorzustellen. Im Anschluss an die jeweilige 
Präsentation der Referenten bietet sich die Möglichkeit zur 
öffentlichen Diskussion und Aussprache. Die Archivforen finden 
an wechselnden Orten in Witten statt, wobei die Wahl der 
Veranstaltungsorte am jeweiligen Thema orientiert ist.


INFO

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Stadt Witten 
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58449 Witten
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