[WestG] [AKT] LWL veröffentlicht Fuehrer über die 753 erstmals urkundlich erwaehnte Iburg, Muenster
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Feb 26 10:27:45 CET 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 20.02.2007, 09:21
AKTUELL
Die Iburg: Der LWL veröffentlicht Führer über die 753 erstmals
urkundlich erwähnte Burg
Westlich der Stadt Bad Driburg (Kreis Höxter) thront auf 380
Metern Höhe die eindrucksvolle Ruine der Iburg mit ihrem
mächtigen, weithin sichtbaren Bergfried. Archäologen des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die neue
Ausgrabungen an der Burgruine unternommen haben, präsentieren
ihre Ergebnisse in einem neuen 36-seitigen Burgenführer, den der
LWL am Donnerstag (15.02.) in Bad Driburg vorgestellt hat.
In den fränkischen Reichsannalen für das Jahr 753 wird das
"Castrum Iuburg" erstmals erwähnt. Reste dieser
frühmittelalterlichen sächsischen Burg sind vor der Anlage noch
als Erdwälle erhalten. Der Sage nach soll hier einst das
sächsische Nationalheiligtum mit der "Irminsul" gestanden haben.
Tatsache ist, dass im 10. Jahrhundert eine Einsiedelei mit
frommen Frauen von "vorbildlichem Lebenswandel" - so die
mittelalterlichen Quellen - bestanden hat. Vermutlich ist auch
die noch als Ruine erhaltene Peterskirche auf dem Berg
mindestens so alt. Die Einsiedlerinnen verließen den Berg aber
schon im 12. Jahrhundert wieder und siedelten sich im zwölf
Kilometer entfernten Gehrden an.
Unter Bischof Bernhard II. (1188-1204) wurde die Anlage stark
befestigt und ausgebaut, um die Herr-schaft der Paderborner
Bischöfe im Gebiet östlich des Eggegebirges zu sichern. Im Laufe
des 13. Jahrhunderts erlebte die Iburg so ihre Blütezeit. An
Bedeutung verlor sie erst, als Bischof Bernhard V. in der ersten
Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadt und die Burg Dringenberg
gründete. "Wann die Iburg endgültig zerstört wurde, liegt im
Dunkel der Geschichte. Wahrscheinlich wurde sie im Laufe des 15.
Jahrhunderts im Zuge der zahlreichen spätmittelalterlichen
Fehden niedergebrannt", vermutet Prof. Heinrich Rüthing, der
sich besonders mit der schriftlichen Überlieferung beschäftigt
hat.
Die frühmittelalterliche Wallburg hatte einst ein geschütztes
Areal von vier Hektar Fläche (etwa 300 mal 150 Meter). Die
spätere hochmittelalterliche Burg mit einer Fläche von etwa 160
mal 60 Metern und ihrem heute noch erhaltenen Bergfried, der
Ruine der Peterskirche und weiteren noch erhaltenen
Gebäuderesten ist in die frühmittelalterliche Wallanlage
hineingebaut worden.
Die Bedeutung der Iburg, die aus den mittelalterlichen Quellen
bereits eindrucksvoll hervorgeht, zeigt sich auch im Fundgut aus
der Burganlage: Ofenkacheln, eiserne Reitersporen, eine Kandarre
und ein Steigbügel sowie eine vergoldete Zierscheibe
verdeutlichen den herrschaftlichen und repräsentativen Charakter
der Burg. Dafür sprechen auch bemalte Stücke Wandverputz,
Scherben bemalter Fensterscheiben sowie Reste von Fensterkreuzen
aus Sandstein, Dachziegel und Schieferplatten.
Die archäologischen Funde aus der Iburg sind heute zu einem
großen Teil verloren. Sie stammen überwiegend aus Grabungen vom
Anfang des 20. Jahrhunderts und waren seit 1907 im
Kaiser-Karls-Turm auf der Iburg ausgestellt, dort wurden sie
1924 gestohlen.
Die Autoren des von der Altertumskommission für Westfalen (LWL)
herausgegebenen Burgenführers haben aktuelle Ausgrabungen auf
der Iburg durchgeführt und eingehend die alten
Grabungsunterlagen und die historischen Quellen gesichtet. Ihre
wichtigsten Erkenntnisse legen sie hier in Kurzform als
Burgenführer für eine breite Öffentlichkeit vor.
INFO
Werner Best und Heinrich Rüthing: Die Iburg bei Bad Driburg,
Kreis Höxter
Heft 26 der Reihe *Frühe Burgen in Westfalen“,
36 Seiten, 22 Abbildungen, ISSN 0939-4745
Bezug:
Altertumskommission für Westfalen
Rothenburg 30, 48143 Münster
Telefon: 0251 5907-270
E-Mail: altertumskommission at lwl.org