[WestG] [LIT] Niebur, Josef: Buch der Erinnerung, Juden in Bocholt von 1938 - 1945"
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Dez 5 12:57:20 CET 2007
Von: "Stadt Bocholt - Virtuelles Rathaus NRW 2006" <info at presse-service.de>
03.12.2007, 16:30
LITERATUR
"Der Erinnerung ein Gesicht geben"
Josef Niebur legt "Buch der Erinnerung, Juden in Bocholt von
1938 - 1945" vor
Übergabe am 10. Dezember 2007
Beim Gedenken an die Verbrechen der Pogromnacht 1938 werden sie
genannt: die Namen der aus Bocholt deportierten 34 Juden. Doch
kaum jemand verbindet 62 Jahre nach der Befreiung Bocholts von
der NS-Diktatur noch etwas mit ihnen.
Um dies zu ändern, legt Josef Niebur für den VHS-Arbeitskreis
Synagogenlandschaften jetzt das "Buch der Erinnerung. Juden in
Bocholt 1938 – 1945" in zunächst einem Exemplar vor.
Im "Buch der Erinnerung. Juden in Bocholt 1938 – 1945" sind
Leben, Leidensweg und - wo bekannt – der Tag der Ermordung der
jüdischen Bocholter festgehalten.
Die Gedenkseiten, 35 sind jetzt fertig, sind gleich aufgebaut.
Sie enthalten ein Foto des Ermordeten. Da nur sehr wenige Fotos
überliefert sind, wurden historische Zeitungsausschnitte zu den
Einzelnen, wo auch die nicht vorhanden sind, Fotos der Häuser
eingefügt, in denen sie vor der 1939 erfolgten Einweisung in ein
Judenhaus wohnten. Für die Gedenkseiten sind alle derzeit
bekannten Informationen aus der Einwohnermeldekartei, den
Zeitungen "Bocholter Volksblatt" und "Grenzwarte" und
Zeitzeugeninterviews ausgewertet worden. Die Daten der Ermordung
wurden dem Gedenkbuch des Bundesarchiv Koblenz und des
Internationalen Suchdienstes in Arolsen sowie dem
niederländischen Werk "Gedenk" entnommen. Oft steht auch dort
nur "unbekannt".
Das Gedenkbuch enthält neben Geleitworten von Sharon Fehr, dem
Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Münster, und von Bocholts
Bürgermeister Peter Nebelo eine kleine Zeitgeschichte zu
"Entrechtung und Ermordung der Bocholter Juden" sowie ein
Verzeichnis aller bislang bekannten Juden, die in Bocholt
geboren wurden, hier lebten oder von hier deportiert und
ermordet wurden. Hier sind derzeit 124 Namen verzeichnet, bei
elf weiteren Namen recherchiert Niebur derzeit noch, ob die
Wohnortangabe "Bocholt" zutrifft.
Der älteste der Ermordeten ist Salomon Goedhart, Jahrgang 1860,
der schon 1911 nach Aalten verzog. Von dort noch 83 jährig
deportiert, wurde er am 14. Mai 1943 im Vernichtungslager
Sobibor ermordet. Das jüngste Opfer ist Leo Landau, 1938 in
Bocholt geboren. Er wurde am 10. Dezember 1941 in das Ghetto
nach Riga deportiert und dort umgebracht.
Trotz über 20 jähriger Forschungstätigkeit ist Niebur nicht
sicher, ob er bereits alle ermordeten Juden, die einmal in
Bocholt wohnten, in seinem Verzeichnis aufgeführt hat. So werden
jetzt im Buch die Gedenkblätter der 34 direkt aus Bocholt
deportierten Juden und von Amalia Marcus sein, die aus Angst am
9. Dezember 1941 Selbstmord beging. Das Erinnerungsbuch wird
nach Angaben des Arbeitskreises 2008 ergänzt werden. Bei der
Zusammenstellung der Dateien und Fotos sowie dem Layout des
Buches halfen ihm Vanessa Freitag und Bruno Wansing vom
Fachbereich Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.
Der Tag der ersten Deportation aus Bocholt, der 10. Dezember
1941, jährt sich am Montag zum 66. Male. An diesem Tag wird
deshalb das "Buch der Erinnerung Bocholter Juden 1938 – 1945" an
Bürgermeister Peter Nebelo übergeben. Stellvertretend für den
VHS-Arbeitskreis "Synagogenlandschaften" wird es von Benno
Simoni überreicht. Simoni stammt aus Berlin und ist dort
stellvertretender Vorsitzender der Synagogengemeinde Berlin -
Sukkat Schalom -. Er ist der Großneffe der am 24. Januar 1942
von Bocholt nach Riga deportierten und dort ermordeten Regina
Seif. Nebelo wird dieses Buch weiterreichen an Werner Koop, dem
Regionaldirektor der Vereinigten IKK. In der dortigen
Schalterhalle im Haus des Handwerks, Europaplatz 17, wird das
"Buch der Erinnerung" ab Dienstag, 11. Dezember 2007, für jeden
zur Ansicht ausliegen. Auf dem Grundstück stand bis 1942 die
Synagoge der israelitischen Gemeinde Bocholt.
INFO
Die Stunde der Erinnerung zur Übergabe des Erinnerungsbuches
beginnt am Montag, 10. Dezember 2007 um 16 Uhr im Ratssaal des
neuen Rathauses am Berliner Platz.