[WestG] [AKT] Stadtarchiv Bielefeld uebernimmt "Gedaechtnis Gumbinnens" als Depositum
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Apr 18 11:09:21 CEST 2007
Von: "Ingrid Ruhnke" <jorubi at web.de>
Datum: 17.04.2007, 19:06
AKTUELL
Stadtarchiv Bielefeld übernimmt "Gedächtnis Gumbinnens" als
Depositum
Seit 1961 schreitet der "Gumbinner Elch" durch den Bürgerpark
und erinnert weithin sichtbar an den ehemaligen Kreis Gumbinnen.
Dagegen ist das im früheren Ankergebäude an der Rohrteichstraße
befindliche Kreisarchiv Gumbinnen vor allem den Spezialisten als
Gedächtnis und Ort des kulturellen Erbes des ostpreußischen
Kreises bekannt.
Seit mehr als 50 Jahren pflegt Bielefeld eine Patenschaft über
den Kreis Gumbinnen, indem er die Arbeit der Kreisgemeinschaft
fördert und inzwischen auch das heutige Gusev (Russland) durch
die Lieferung von ausrangierten Materialien - Fahrzeuge,
Straßenlaternen - unterstützt. Oberbürgermeister Dr. Hermann
Kohlhase unterzeichnete 1954 die Urkunde, in der die Stadt sich
verpflichtete, den Heimatvertriebenen des Kreises Gumbinnen eine
Stätte zu bieten, "an der sie das Andenken an ihre verlorene
Heimat lebendig erhalten" können. Jetzt hat Oberbürgermeister
Eberhard David der Patenschaftsverpflichtung Bielefelds an
wichtiger Stelle weiter dauerhaften Bestand gegeben, als er
gemeinsam mit Eckard Steiner, dem Vorsitzenden der
Kreisgemeinschaft Gumbinnen, einen Depositalvertrag für das
Kreisarchiv unterzeichnete. Die umfangreiche Sammlung wird ab
sofort als Bestand des Stadtarchivs an der Rohrteichstraße
geführt und nach einer Bearbeitung dort zugänglich gemacht,
Eigentümer bleibt je doch die Kreisgemeinschaft.
Über Jahrzehnte aus Privatbesitz übergebene, gesammelte und
angekaufte Dokumente, Bücher und Fotos zur Geschichte des
Kreises können danach im Stadtarchiv durch Interessierte
eingesehen werden: Wissenschaftler, Heimatforscher, Genealogen
und Journalisten. Das Stadtarchiv bewahrt die Unterlagen
dauerhaft auf, erschließt diese in einem Findbuch, das die
Dokumente in einer Datenbank verzeichnet, und macht sie während
der ausgedehnten Öffnungszeiten für das Publikum zugänglich. Von
wertvollem Nutzen für die Erschließung sind die umfangreichen
Vorarbeiten von Dietrich Goldbeck, der die Sammlung als bester
Kenner seit 1967 in Bielefeld intensiv betreut, und von Peter
Bahl, der 1989/90 übersichtliche Findbücher für einige Bestände
anlegte.
Das Kreisarchiv umfasst drei Hauptabteilungen: 1. Akten der 1955
gegründeten Kreisgemeinschaft Gumbinnen, 2. Akten anderer
Herkunft: Vereine (darunter vor allem der Vereinigung ehemaliger
Angehöriger der Friedrichsschule und Cecilienschule), Firmen und
Personen (u.a. der Nachlass des letzten Gumbinner Landrates
Roderich Walther), 3. Sammlungen mit Plakaten, Zeitungen,
Druckschriften, Urkunden, Manuskripten und Lebensberichten,
Karten und Plänen, Fotos, Filmen, Museumsgut, Biographien und
Familienforschung.
Für die Erforschung des Kreises Gumbinnen sind die Unterlagen
nach Einschätzung von Stadtarchivar Dr. Jochen Rath umso
wertvoller, da die amtlichen Unterlagen des alten Landratsamts
Gumbinnen, der Regierung Gumbinnen und der Provinz Ostpreußen
gegen Ende des Zweiten Weltkrieges größtenteils untergegangen
sind. Splitterüberlieferung vor allem für das 19. Jahrhundert
bewahrt das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in
Berlin auf. Das Stadtarchiv wird bislang unverzeichnete
Unterlagen in den Bestand einarbeiten und insbesondere
Neuzugänge in das Kreisarchiv aufnehmen. Nach dem Abschluss der
umfangreichen Erschließungsarbeiten ist eine online-Schaltung
der Archivdatenbank geplant.
INFO
Kontakt:
Dr. Jochen Rath
Stadt Bielefeld, Institut Stadtarchiv und Landesgeschichtliche
Bibliothek
Rohrteichstr. 19
33602 Bielefeld
Tel.: 0521 512469
Fax: 0521 516844
E-Mail: stadtarchiv at bielefeld.de
URL: www.bielefeld.de/de/biju/stadtar/