[WestG] [AKT] Kunstwerk des Monats September : "Tabakspott" im Art-Déco-Stil

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Sep 28 12:40:50 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.09.2006, 18:11


AKTUELL

Kunstwerk des Monats September : "Tabakspott" im Art-Déco-Stil 

Einen amüsant gestalteten "Tabakspott" präsentiert der Landschafts-
verband Westfalen-Lippe (LWL) im Westfälischen Landesmuseum für
Kunst und Kulturgeschichte in Münster als Kunstwerk des Monats 
September.

Die Keramik stammt von dem aus Krefeld stammenden Plastiker und 
Innenarchitekten Hans Dinnendahl (1901-1966). Der Künstler ist in 
Westfalen und am Niederrhein vor allem durch sein spät-
expressionistisch geprägtes Werk bekannt geworden, das er im 
Auftrag der katholischen Kirche anfertigte. Mit dem "Tabakspott", 
der 2004 dem Westfälischen Landesmuseum geschenkt und 
anschließend dort restauriert wurde, dokumentiert sich eine weitere, 
überraschende Facette im umfangreichen Werk des Künstlers. 

Dinnendahls souveräner Umgang mit den Werkstoffen Holz und
Metall findet in der Keramik des "Tabakspottes" ein exzellentes 
Gegenstück. Entstanden ist das knapp 30 Zentimeter hohe Gefäß 
um 1922 während der Ausbildung des Künstlers an der Münchener
Kunstgewerbeschule. Dinnendahl war ein leidenschaftlicher Raucher 
und fertigte es für seinen privaten Gebrauch an. 

Humorvoll zitiert er "klassische" Szenen des Tabakgenusses aus der
klassischen Zeit des Tabakkultes: Indianer und Orientalen in der 
Manier des 18. Jahrhunderts - wohl an Augsburger Ornamentstiche
des Johann Esaias Nilson angelehnt - entwaffnen durch Witz und
Ironie auch die hartgesottensten Tabakfeinde. Die Nähe zum 
18. Jahrhundert, zu verspielten Schmuckformen aus Bandlwerk 
und Rocaille, ist ein Kennzeichen der deutschen Variante des
international erst viel später als "Art Déco" bezeichneten Dekorstiles

der Zwischenkriegszeit. Daneben erstaunt der wagemutige Umfang
eines kaum 20jährigen Kunstgewerbeschülers mit den Tücken der
Keramik. Geradezu gespinstartig legte Dinnendahl die Genreszenen
auf das zylindrische Gefäß, wobei der rötliche Scherben durch eine 
sparsame Türkisglasur als Gegenfarbe raffiniert hindurchschimmert.