[WestG] [AUS] Schaetze der Seidenstraße, Bocholt, bis 29.10.

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Sep 12 10:10:01 CEST 2006


Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 31.08.2006, 13:12


AUSSTELLUNG

Schätze der Seidenstraße
LWL-Textilmuseum zeigt Textilien und Schmuck der Turkmenen

Samarkand und Taschkent - da denkt man an Silber und
Seide, schillernde Basare, teure Teppiche, wilde Reiter und fremde
Völker. Am bekanntesten darunter die Turkmenen. Das Westfälischen
Industriemuseum holt die Kultur dieses Völkerstamms in einer neuen
Ausstellung 2.500 Kilometer nach Westen: Unter dem Titel *Schätze der
Seidenstraße. Textilien und Schmuck der Turkmenen in Zentralasien"
zeigt das Textilmuseum Bocholt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL) vom 3. September bis 29. Oktober einzigartige Exponate aus
Privatsammlung von Günther und Ursula Hartmann (Berlin).

Die Stücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert geben vielfältige Eindrücke
aus der Welt der Turkmenen. Zu sehen sind farbenprächtige Kleider,
kunstvoll bestickte Decken und Objekte wie Satteltaschen, Wasserpfeifen
und Peitschen. Die wertvollsten Exponate sind aus Silber: Der Schmuck
der Turkmenen zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten Schmucktypen
der Welt.

Das ehemalige Nomadenvolk lebt heute nicht nur in der Republik
Turkmenistan, sondern auch im Norden Afghanistans sowie den Republiken
Usbekistan und Tadschikistan. Diese Region Zentralasiens ist seit
Jahrhunderten ein Schmelztiegel unterschiedlicher Völker und Kulturen.
Denn über wichtige Handelswege - am bekanntesten darunter die
Seidenstraße - wurden nicht nur Waren transportiert, auch Kunststile,
religiöses Gedankengut, handwerkliche Techniken und Informationen
breiteten sich so aus. Im 16. Jahrhundert drangen Turkmenenstämme in
dieses Gebiet vor - ursprünglich Vollnomaden, die sich teilweise als
Bauern niederließen. 

Ob umherziehend oder sesshaft: *Textilien spielen im Leben der
Turkmenen eine zentrale Rolle", weiß Museumsleiter Dr. Hermann Josef
Stenkamp. So zeigt das LWL-Industriemuseum einige der typischen Susanis
- bestickte Decken, die ursprünglich als Überwurf des Brautbettes
dienten und später als prunkvolle Wandbekleidung in den transportablen
Jurten oder festen Lehmhäusern den Wohlstand der Familie bekundeten.
Schon bei der Geburt eines Mädchens wurde mit der feinen Stickerei
begonnen. Schön und nützlich auch die Einschlagtücher, Abdeckborten und
Taschen, mit denen die Nomaden abgelegte Stapel, Wäsche und Gegenstände
jeder Art in ihren Jurten abdeckten. *Die Turkmenen können als
regelrechte Verpackungskünstler bezeichnet werden", so Stenkamp. 

Kleidung, Wandbehänge, Überwürfe, Decken aber auch Schmuck und
Alltagsgegenstände, Sättel, Schabracken und Babywiegen wurden in der
turkmenischen Kultur mit vielen Symbolen geschmückt. Stenkamp: *Sie
drückten Wünsche aus, hatten Schutzfunktionen und gleichzeitig eine
soziale Aufgabe. Mit ihren vielfältigen Ausprägungen stifteten sie in
Familien, Sippen und Stämmen Identität und Tradition." Das Tulpenmotiv
beispielsweise stellte ein wichtiges Symbol der Jungfräulichkeit und der
Fruchtbarkeit dar. Abgeleitet wurde es von Wildtulpen, die zu den ersten
Frühlingsblühern in den Steppengebieten Zentralasiens gehören. Mit ihnen
erwacht die Natur zu neuem Leben. 


INFO

Schätze der Seidenstraße. Textilien und Schmuck der Turkmenen
3.9. bis 29.10.2006, Eröffnung: So, 3.9., 11.15 Uhr
Textilmuseum Bocholt, Uhlandstraße 50
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr

Begleitprogramm: 
Führung und museumspädagogische Aktion für Kinder:
So, 10.9., und So, 29.10., jeweils von 14-17 Uhr: "Perlenschätze
weben"
Kosten pro Nachmittag: Eintrittsgeld 1,50 € zzgl. Materialkosten 3 €