[WestG] [AKT] Die Mittelsteinzeit: Zeit der Innovationen und des kulturellen Wandels, 16.11.2006, Hagen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Nov 10 10:30:32 CET 2006
Von: "Ralf Blank" <ralf.blank at historisches-centrum.de>
Datum: 09.11.2006, 11:23
AKTUELL
Die Mittelsteinzeit: Zeit der Innovationen und des kulturellen Wandels
Hagener Diskussionen und Vorträgen
Datum: 16. November 2006, 19 Uhr
Referentin: Dr. Birgit Gehlen, Universität Köln
Veranstaltungsort: Historisches Centrum Hagen, Vortragssaal
2004 wurden in der Blätterhöhle bei Hagen die bisher ältesten Überreste
von
anatomisch modernen Menschen im Ruhrgebiet und in Westfalen entdeckt.
Die
Datierung der damals in der Höhle geborgenen Skelettreste in den
C14-Laboren
der Universitäten Kiel und Oxford ergab ein Alter von rund 10.700
Jahren.
Weitere Untersuchungen ermöglichten die Klärung der Fundumstände und
eine wesentliche Erweiterung des Fundmaterials.
Die ersten systematischen archäologischen Grabungen fanden im Frühjahr
und Sommer 2006 in der Höhle und auf dem Vorplatz statt und werden
auch
2007 fortgesetzt. Bei der Grabungskampagne 2006 wurde nicht nur die
ursprüngliche Situation und das Aussehen der Höhle geklärt. Vielmehr
konnten
auch auf dem Vorplatz in einem Fundhorizont zahlreiche weitere
archäologische
Funde,wie z.B. typische Jagdwaffenprojektile (die so genannten
Mikrolithen),
eine Feuerstelle und weitere Menschenreste, entdeckt werden, die
ebenfalls
in die frühe Mittelsteinzeit datieren. Darüber hinaus ergaben sich auch
erste
Hinweise auf eine möglicherweise ältere Nutzung der Höhle. Doch wie
sind die
Funde einzuordnen und welche Epoche der Menschheitsgeschichte
repräsentiert
die Mittelsteinzeit?
Mehr zur Blätterhöhle:
http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=121
Erst etwa 50 Jahre nachdem die Existenz einer altsteinzeitlichen und
einer
jungsteinzeitlichen Periode längst akzeptiert war, konnte auch die Zeit
zwischen
diesen so unterschiedlich erscheinenden Epochen zu Beginn des 20.
Jahrhunderts
in archäologischen Funden erkannt werden.
Als "Zwischenzeit" wurde diese Periode folgerichtig "Mittelsteinzeit"
oder
"Mesolithikum" genannt. Auch wenn es eine gewisse Berechtigung hat,
diesen Horizont als Epilog der Altsteinzeit und als
Transformationsphase
zwischen Paläo- und Neolithikum aufzufassen, gesteht man bei dieser
Einschätzung dem Mesolithikum aber keinen eigenständigen Charakter zu.
Die kulturellen Entwicklungen dieser immerhin etwa 4000-5000 Jahre
dauernden Periode sind auf diese Weise nur undeutlich zu erkennen und
werden weder vom Fachpublikum noch von der Öffentlichkeit in ihrer
Bedeutung adäquat wahrgenommen.
So spielt die Forschung zu Mittelsteinzeit trotz zahlreicher
Publikationen,
die vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten veröffentlicht wurden,
bisher in der europäischen Urgeschichtsforschung eine untergeordnete
Rolle.
Zu Unrecht: In dieser Periode werden zum ersten Mal alle
geographischen
Räume von den Menschen besiedelt und die natürliche Umwelt hat
regional
jeweils neue, angepasste Subsistenzstrategien verlangt und ermöglicht.
Dies hat zu technischen und sozialen Innovationen geführt, wodurch die
Einführung neuer Wirtschaftsformen befördert werden konnte.
Trotz großer Ähnlichkeiten zeigen sich im archäologischen Material
regional
zu unterscheidende Traditionen und deutlich voneinander abweichende
kulturelle .Entwicklungen, die als Grundlagen für die
gesellschaftlichen
Veränderungen am Übergang zur Jungsteinzeit verstanden werden können.
Referentin
Studium der Ur- und Frühgeschichte, Völkerkunde und Geologie in Köln.
Forschungsaufenthalte in der Ostsahara, in Australien und
Nepal.Leitungen
von Grabungen im Allgäu, an der Oberen Donau und der Ostsahara
(Ägypten).
Magister Artium in Köln 1988 über "Mesolithische Siedlungsplätze im
Landkreis
Ostallgäu". Danach zeitweise wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Institut für
Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln. Seit 1994 freiberuflich
tätig
als Archäologin, Graphikerin und Setzerin (Archäologie & Graphik).
Promotion
2005 an der Universität zu Köln "Innovationen & Netzwerke. Forggensee,
viereckige Mikrolithen und regelmäßige Klingen im spätmesolithischen
und
altneolithischen Kontext" (Prof.Dr. A. Zimmermann).
Derzeit tätig als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ur-
und Frühgeschichte der Universität zu Köln, DFG-Projekt "Die
Feuerstein-
artefakte der mesolithisch-neolithischen Moorfundstelle Friesack 4,
Lkr.Havelland,Land Brandenburg".
INFO
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