[WestG] [AKT] Auf der Suche nach Meinwerks Steinbruch, Fuehrungen durch Paderborns Geschichte

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Mai 24 11:00:42 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 23.05.2006, 15:04


AKTUELL

Auf der Suche nach Meinwerks Steinbruch
Führungen durch Paderborns Geschichte in fünf Meter Tiefe

Seit Frühjahr 2005 gräbt sich ein Archäologenteam des Westfälischen 
Museums für Archäologie in der Paderborner Innenstadt zwischen 
Kötterhagen und Grube in die Tiefe. Das gute Wetter der vergangenen 
Wochen begünstigte den Fortgang der Ausgrabung sehr: Auf der 
4000 Quadratmeter großen Fläche haben die Archäologinnen des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Siedlungsspuren aus 
der frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) und aus dem Spätmittel-
alter (14./15. Jahrhundert) untersucht und abgetragen. Zur Zeit 
werden in vier bis fünf Meter Tiefe die Ruinen von massiven Häusern 
aus dem 12./13. Jahrhundert freigelegt. Sie entstanden, als die 
Bürger auf einem zugeschütteten Steinbruch neues Bauland an 
zentraler Stelle der mittelalterlichen Stadt gewannen. 

An einigen Stellen zeigen sich nun mächtige Mauern mit Fenster-
öffnungen, die zu großen Bauten, so genannten Steinwerken, 
gehörten. Dass hier, gleich hinter dem Rathaus, keine kleinen 
Krämer wohnten, zeigt sich auch im Fundmaterial: Die Ausgrabungs-
leiterinnen Dr. Andrea Bulla und Marianne Moser M.A. freuen sich 
über Funde aus dem 13. Jahrhundert wie eine bronzene Feinwaage, 
einen Ohrlöffel als Teil eines Toilettenbestecks und diverse, gut 
erhaltene Silbermünzen. Zur Überraschung der Forscher haben 
sich auch Funde aus organischen Materialien erhalten. 

Dazu gehören Holzfunde und Lederfunde wie eine vollständige 
Schuhsohle aus dem 15. Jahrhundert. "So etwas erhält sich nur
in sehr feuchter Umgebung", weiß Stadtarchäologe Dr. Sven
Spiong zu bestätigen. "Vermutlich befinden wir uns hier in 
ehemaligen Hinterhofbereichen, in denen sich ursprünglich ein
Gewässer befand." Mehrere Holzpfähle und -bretter ragen aus 
dem modrigen Lehm heraus. Die Wissenschaftler werden klären, 
ob es sich dabei um einen Tümpel oder um ein fließendes Gewässer 
handelte.

Teilweise stößt das Grabungsteam bereits auf den anstehenden, 
festen Kalkstein. Dieser ist letzten Endes das Ziel der Ausgrabung, 
denn die Archäologen suchen den Steinbruch, aus dem die Menschen 
auf Geheiß Bischof Meinwerks im 11. Jahrhundert die Steine für 
den Dom und die Kaiserpfalz gewannen. Zur Ausstellung "Canossa 
1077" in Paderborn sollen Teile dieses einmaligen technischen Denkmals 
für die Besucherinnen und Besucher wieder sichtbar sein. 


INFO

Schon jetzt kann man sich über den Fortgang der Grabung informieren: 
Jeden Dienstag um 17 Uhr gibt es eine kostenlose öffentlich Führung 
über die Grabung. Treffpunkt ist das Eingangstor zur Grabung an der 
Grube 6.