[WestG] [AKT] Jodocus-Hermann-Nuenning-Preis 2006 geht an Dr. Volker Tschuschke aus Vreden
Alexander Schmidt
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Die Mai 23 11:18:34 CEST 2006
Von: "Pressestelle der Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 22.05.2006, 17:03
AKTUELL
Jodocus-Hermann-Nünning-Preis 2006 geht an Dr. Volker Tschuschke
aus Vreden
Landeskundliches Institut Westmünsterland würdigt wissenschaftliche
Arbeit zur Geschichte des westfälischen Adels im Mittelalter
Der Jodocus-Hermann-Nünning-Preis geht in diesem Jahr an Dr. Volker
Tschuschke aus Vreden. Mit der alle drei Jahre verliehenen Auszeichnung
würdigt das Landeskundliche Institut Westmünsterland des Kreises
Borken zusammen mit der "Sparkassenstiftung für den Kreis Borken" seit
1996 wissenschaftliche Arbeiten über das Westmünsterland. Einstimmig
hat die Jury, bestehend aus der wissenschaftlichen Kommission im Beirat
des Landeskundlichen Instituts, jetzt Dr. Tschuschkes Untersuchung
"Die Edelherren von Ahaus. Ein Beitrag zur Geschichte des westfälischen
Adels im Mittelalter" als beste von insgeamt vier eingereichten Arbeiten
ausgewählt.
Dr. Volker Tschuschke überzeugte mit seiner im Winter-Semester 2005/06
der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster vorgelegten Dissertation, die an der Hochschule mit dem Prädikat
"magna cum laude" bewertet worden war. Die übrigen drei beim Landes-
kkundlichen Institut zur Bewerbung für den Jodocus-Hermann-Nünning-Preis
eingereichten Untersuchungen beschäftigten sich mit den Landtagen des
Fürstbistums Münster als Mittel politischer Partizipation, einem Vergleich
der niederdeutschen Mundart von Heiden/Reken mit dem Dialekt von
Haltern/Lippramsdorf sowie mit dem Werdegang und der überregionalen
Bedeutung des Borkener Bahnhofs.
"In der westfälischen Geschichtsforschung fehlt es nicht an Arbeiten zur
Geschichte des Adels, der in dieser Region bis in die Gegenwart hinein eine
bedeutende Rolle gespielt hat", erklärt Dr. Timothy Sodmann, Leiter des
Landeskundlichen Instituts Vreden. Für das Mittelalter klafften jedoch
einige fühlbare Lücken in der Kenntnis früh ausgestorbener, aber denn
dennoch bedeutsamer Geschlechter. Dazu gehören laut Dr. Sodmann
die Herren von Ahaus aus dem westlichen Münsterland zwischen 1100
und 1467, mit denen Dr. Tschuschke sich in seiner eingereichten
Untersuchung beschäftigt hat. "Für sie lagen bislang lediglich völlig
veraltete und wenig übersichtliche Arbeiten aus der Frühzeit der
westfälischen Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert vor", berichtet
der Leiter der Landeskundlichen Instituts.
"Mit Herrn Tschuschkes Dissertation liegt eine außerordentlich gelungene
Forschungsleistung vor", fasst Dr. Sodmann die Entscheidung der Jury
zusammen. Ihr Verdienst liege vor allem in der sorgfältigen und
kenntnisreichen Erschließung und Verarbeitung des primären, insbesondere
archivarischen Quellenmaterials: "Scharfsinnig im Zugriff und nüchtern
im Urteil hat der Verfasser die 'Spreu vom Weizen' geschieden, die ältere
Forschung häufig berichtigt und in großer Selbständigkeit ein zuverlässiges
Bild der Territorienbildung eines wichtigen Adelsgeschlechts gezeichnet."
Dieses Bild stehe einerseits in einer großen Forschungstradition, habe
aber andererseits auch die neueren Ansätze der Adelsforschung übernommen.
Der nach dem vor allem in Vreden und Borken tätigen barocken
Historiographen Jodocus Hermann Nünning (1675-1753) benannte
Jodocus-Hermann-Nünning-Preis wird in erster Linie für unveröffentlichte
Arbeiten aus den Gebieten Geschichte, Archäologie, Geographie,
Volkskunde, Kunstgeschichte bzw. Sprach- oder Literaturwissenschaft
des Westmünsterlandes oder für interdisziplinäre Studien aus diesen
Bereichen verliehen. Es können Examensarbeiten (Magister-, Diplom-,
Staatsexamensarbeiten), Dissertationen, Habilitationsschriften oder
andere wissenschaftliche Untersuchungen eingereicht werden. Die
Arbeit soll zum Zeitpunkt der Vorlage in der Regel nicht älter als fünf
Jahre sein. Das Preisgeld in der Gesamthöhe von 2.500 Euro wird auf
Beschluss der Jury als Ganzes für eine umfassende Studie oder in
Teilbeträgen für mehrere kleinere Arbeiten vergeben. Die mit dem
Preis ausgezeichneten Untersuchungen sollen nach Möglichkeit in einer
der Schriftenreihen des Landeskundlichen Instituts Westmünsterland
veröffentlicht werden.
Bislang wurde der Jodocus-Hermann-Nünning-Preis insgesamt viermal
vergeben: 1997 teilten sich Josef Barnekamp aus Velen und Dr. Erhard
Mietzner aus Bocholt mit ihren Arbeiten zur Ausbreitung des National-
sozialismus im Landkreis Borken beziehungsweise zur Flurnamen-
überlieferung der Gemeinde Südlohn den Preis. 2000 ging die Auszeichnung
an den Volkskundler Dr. Peter Theißen aus Kirchhellen für dessen
Untersuchung zu den Mühlen und Müllern im Münsterland. 2003 wurde
der Preis Hendrik Schulze Ameling aus Ahaus für dessen Arbeit zu den
Schützenvereinen im westlichen Münsterland während der NS-Zeit
zugesprochen.