[WestG] [AUS] Wanderausstellung des Westfaelischen Museumsamtes, 21.05.-03.09.2006, Bielefeld
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Mai 18 12:22:55 CEST 2006
Von: "Günter Bernhardt" <guenter.bernhardt at lwl.org>
Datum: 16.05.2006, 15:04
AUSSTELLUNG
Wetter - verhext - gedeutet - erforscht
Eine Wanderausstellung des Westfälischen Museumsamtes, LWL,
in Zusammenarbeit mit dem Bauernhaus-Museum Bielefeld. Erst-
eröffnung am 21. Mai, 11 Uhr 30. Laufzeit bis einschließlich
3. September 2006. Zur Ausstellung erscheint reich illustrierter
Katalog im Umfang von 240 Seiten (12,50 € + 2,00 € Porto;
Bestellung: wma.info at lwl.org).
Alle reden vom Wetter. Wir auch. Kaum ein Thema eignet sich
besser für ein kurzes Gespräch unter Menschen, die sich
möglicherweise darüber hinaus wenig zu sagen haben. Das
Wohlbefinden jedes Einzelnen ist abhängig von der Zahl der
täglichen Sonnenscheinstunden, unser hochtechnisiertes
Verkehrssystem kann in Folge heftiger Schneefälle völlig
zusammenbrechen. Wertvolle Sendeminuten in den modernen
Medien widmen sich diesen Wetterphänomenen in tricktechnisch
perfekt aufbereiteten Wetterberichten und -vorhersagen.
All dies verdeutlicht nicht zuletzt unsere Abhängigkeit von
diesem Umweltphänomen. Besonders gilt dies für agrarisch
geprägte Gesellschaften, deren Abhängigkeit vom Wetter
existenziell ist.
Das, was wir als "chaotisches System Wetter" wahrnehmen,
besteht aus einer Vielzahl von Einzelphänomenen, denen wir
heute mit Hilfe der Wissenschaft "Meteorologie" auf die Schliche
zu kommen versuchen. So ist selbstverständlich die moderne
Erforschung und die Vorhersage der Wetterereignisse Thema
von Ausstellung und Katalog des Westfälischen Museumsamtes.
Aber die Ereignisse darauf zu reduzieren, hieße die Komplexität
der Zusammenhänge und der menschlichen Reaktionsweisen zu
leugnen. Das Phänomen Wetter wird in dieser Ausstellung nicht
auf die Meteorologie allein reduziert. Auch die Dimensionen
"Erfahrung" und "Glaube" - gemeint sind damit auch Volksglaube
und Aberglaube - werden betrachtet. Selbst wenn der Glaube
bei der Erklärung von Wetterphänomenen heute gegenüber der
Wissenschaft in den Hintergrund getreten ist - verschwunden
ist er nicht.
Die Zeitreise durch die Entwicklung der Vorstellung vom Wetter
und den Wettervorhersagen beginnt im Hohen Mittelalter, zieht
sich über Absolutismus und Aufklärung bis in die heutige Zeit.
Es beginnt mit den wissenschaftlichen Anfängen der Wetter-
beobachtungen zu einer Zeit, als das Weltbild der Antike noch
Gültigkeit besaß und die Menschen Gott für das Wetter
verantwortlich machten. Unterschiedliche Handlungsstrategien
werden vorgestellt, welche die Menschen jener Zeit entwickelten,
um nahendes Unwetter zu beeinflussen, abzuwenden oder sich
davor zu schützen. Den Anklagen wegen Wetterzauberei wird
die intensive Verehrung von Wetterheiligen gegenübergestellt.
Blitz und Donner wurden noch im 17. Jahrhundert als Zeichen
des göttlichen Zorns betrachtet. Zur gleichen Zeit begann in
den Wissenschaften das große Experimentieren. Mithilfe von
Versuchsanordnungen gelang es den Naturwissenschaften,
bestimmte Rätsel zu lösen und dabei wurden die für die
Meteorologie wichtigsten Messinstrumente - wie Barometer,
Thermometer und Hygrometer - entdeckt.
Die Erfindung der Telegraphie ermöglichte die Vernetzung von
Daten: Die Entwicklung der Messtechnik sowie der Aufbau der
Verwaltungsstrukturen verschafften der Meteorologie einen
nie dagewesenen Boom. Die öffentliche Wettervorhersage ist
unverzichtbarer Bestandteil des Alltags und meteorologische
Daten werden einem immer größeren Kreis von Interessenten
zugänglich. Blitz und Donner gelten nicht mehr länger als
Strafinstrument Gottes, sondern werden als Güte und Weisheit
des Schöpfers empfunden. In Publikationen werden Tiere und
Pflanzen glaubhaft als "Wetterpropheten" vorgestellt.
Unwetterbedingte Missernten und Hungerkrisen in der
Landwirtschaft Westfalens forderten Lösungen, um die Risiken
zu mindern. Es entstand unter anderem die Einrichtung einer
"Wetter-Casse", die den Gedanken der eigenverantwortlichen
Selbsthilfe durch solidarische Gefahrentragung aufnahm
("Einer für alle").
Zum Schluss geht es um die Erforschung der hohen Atmosphäre,
die Anfänge der numerischen Wettervorhersage mit Hilfe
"elektronischer Rechner" und die ganze Welt umspannende
Vernetzung mit Wetterdaten heute.
Was wird zu sehen sein? Neben einer Wetterstation und
meteorologischen Messinstrumenten sowie Wetterfahnen
sind Objekte zum Wetter(aber)glauben wie Wettersegen,
Wetterkreuze, Agnus Dei Devotionalien, Gewitterglocken,
Gebetbücher und Abbildungen von Wetterheiligen zu sehen.
Schulwandbilder, Satellitenbilder und Hundertjähriger Kalender
runden das Thema ab.
INFO
Neben der Ausstellung und dem reich illustrierten Katalog im
Umfang von 240 Seiten (12,50 € + 2,00 € Porto; Bestellung:
wma.info at lwl.org) wird ein durch das Westfälische Museumsamt
angebotenes museumspädagogisches Programm für Schulklassen
aller Altersstufen mit praktischen Versuchsanordnungen in die
"Geheimnisse" der Wetterforschung einführen.
Ansprechpartnerin: Verena Burhenne M. A.,
Westfälisches Museumsamt
Tel. 0251-591/4753
E-Mail: verena.burhenne at lwl.org
Dr. Rosa Rosinski
Bauernhaus-Museum Bielefeld
Tel. 0521-521/8550
E-Mail: bauernhausmuseum at owl-online.de
Bielefelder Bauerhausmuseum gGmbH
Dornberger Straße 82, 33619 Bielefeld
Telefon: 0521/ 5 21 85 50
Fax: 0521/ 5 21 85 52
e-mail: bauernhausmuseum at owl-online.de
Weitere Stationen:
Museum Heimathaus Münsterland und Krippenmuseum, Telgte: 10.09 bis 5.11. 2006
Museum Bünde. Dt. Tabak- und Zigarrenmuseum, Bünde: 12.11. 2006 bis 07.01. 2007
Museum für Naturkunde der Stadt Dortmund: 14.01. bis 11.03. 2007
Stadtmuseum Gütersloh: 18.03. bis 13.05. 2007
Mindener Museum: 19.05. bis 15.07. 2007
Münsterlandmuseum Burg Vischering: 22.07 bis 16.09. 2007
Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo: 23.09. bis 18.11. 2007