[WestG] [AKT] LWL kuert Ausstattung des muensterschen Schlosses zum Denkmal des Monats
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Mai 4 10:19:57 CEST 2006
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 03.05.2006, 11:25
AKTUELL
Formen der fünfziger Jahre in spätbarocker "Verpackung"-
LWL kürt Ausstattung des münsterschen Schlosses zum
Denkmal des Monats
Hans Malwitz, Leiter des Universitätsbauamtes, stand nach dem
Zweiten Weltkrieg vor einer schwierigen Aufgabe, als es darum
ging, das zerstörte Schloss in Münster wieder aufzubauen, um
es als Hauptgebäude der Universität zu nutzen. Während das
Äußere des Schlosses nur leicht verändert wieder aufgebaut
wurde, bekam das Innere des Schlosses entsprechend seiner
neuen Nutzung ein ganz neues Gesicht. "Das Konzept war bis ins
Detail durchdacht und verrät viel über das Repräsentations-
verständnis der ersten, von der Not gekennzeichneten Nachkriegs-
zeit und über das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und
Neuanfang", urteilt Joseph Lammers, Denkmalpfleger beim
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Deshalb hat der
LWL das Innere des Schlosses zum Denkmal des Monats Mai
gekürt.
Dass das Schloss in Münster ein bedeutendes Kulturdenkmal ist,
scheint sich von selbst zu verstehen. Schließlich gilt das letzte
Werk des westfälischen Stararchitekten Johann Conrad Schlaun
(1696 bis 1773) als Hauptschöpfung des norddeutschen Spät-
barock. Verglichen mit der prunkvollen Ausstattung des späten
18. Jahrhunderts erscheint die moderne Fassung des Inneren
zunächst sehr schlicht. "Vergleicht man sie aber mit den üblichen
Stilformen der 1950er Jahre, ist sie aufwändig und angesichts
der Not der Jahre sogar üppig. Sie ist ein typisches Zeugnis der
ersten Wiederaufbaujahre, in denen die mittlere, weitgehend
noch traditionell eingestellte Generation den Ton angab", so
Lammers.
Den Anstoß, das Schloss an Stelle des völlig zerstörten alten
Universitätszentrums in der Stadtmitte als Hauptgebäude der
Universität zu nutzen, hatte schon 1946 der Provinzialkonservator
Wilhelm Rave gegeben. Von ihm stammen auch die ersten
Entwürfe zur Gliederung des Inneren, auf denen Malwitz dann
aufbaute. Mit dem Wiederaufbau kamen Aula (Auditorium
Maximum), besonders ausgestattete Räume für die Universitäts-
leitung samt Vorzimmer, Büros, eine Kantine und natürlich Hörsäle
ins Schloss. "Repräsentative Treppenhäuser im schweren Stil der
klassizistischen Staatsbauten der 1930er Jahre führen vom Foyer
zur Aula. Die Aula selbst, die die Stelle des ehemaligen Großen
Saales in der Mitte des Schlosses einnimmt, ist eher einem festlichen
Theater- oder auch Kinosaal der 1920er Jahr nachempfunden,
doch zeigt der Vergleich mit dem Vorgänger, wie viel von diesem
in die neue Form übersetzt ist. Der von der Wandvertäfelung bis
zu den Möbeln inklusive Papierkorb und den Lampen einheitlich
gestaltete Raum des Rektors erscheint auf den ersten Blick
typisch fünfziger Jahre, doch zeigt er ebenfalls Bezüge zum
Ausbau des späten 18. Jahrhunderts und trägt dem Amtsinhaber
als Repräsentant der Universität Rechung", so Lammers, der
betont, dass dagegen die Hörsäle mit Ausnahme der ehemaligen
Kapelle sachlich schlicht gehalten sind.
Seinem eigentlichen Zweck als Residenz diente das Schloss, das
bei seiner Fertigstellung 1787 schon unzeitgemäß war, übrigens
nur 15 Jahre lang. Denn im Zuge der Säkularisation im Jahr 1803
wurden neben vielen Klöstern auch die Fürstbistümer aufgehoben.
Seine schweren Schäden erlitt das Schloss erst kurz vor Kriegsende,
als es am Palmsonntag (25. März) 1945 schwer getroffen wurde
und ausbrannte. Dabei ging nahezu die gesamte prunkvolle
Ausstattung verloren.