[WestG] [AKT] Marleen Willemsen uebergibt die Materialien ihrer Flurnamenarbeit an das Stadtarchiv Hoexter
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Mai 2 11:12:47 CEST 2006
Von: "Pressestelle der Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 26.04.2006, 17:40
AKTUELL
Ostergeschenk an das Stadtarchiv Höxter
Marleen Willemsen übergibt die Materialien ihrer Flurnamenarbeit
In den 1980er und 90er Jahren hatte Frau Marleen Willemsen, heute
mit ihrer Familie in Antwerpen ansässig, die Recherchen zu ihrer
sprachwissenschaftlichen Dissertation durchgeführt. In deren Verlauf
bearbeitete sie intensiv die Bestände des kommunalen Archivs der
Stadt Höxter, des herzoglichen Privatarchivs in Schloss Corvey und
des nordrhein-westfälischen Staatsarchivs in Münster. Sie wurde
fündig in zahlreichen Akten und Urkunden und sammelte schließlich
mehr als 5.000 Flurnamen im Stadtgebiet mit weit über 40.000
Einzelbelegen.
Besonders häufig und bereits seit dem 14. Jahrhundert wird
"Galgenstieg" in Flurbezeichnungen genannt und zwar in
verschiedener Form, wie etwa "up duss syt dem Galchstige" (1365),
"uber dem Galgenstige" (1622) oder "vor dem Galgensteig" (1709)
- insgesamt über 140 Mal. Bis heute hat sich der Flurname erhalten:
als Straßenname im Petrifeld und als Wegebündel im Stadtwald. Der
"Galgenstieg" nimmt Bezug auf eine mittelalterliche Richtstätte, die
in der Regel an einer vielgenutzten Straße lag. Den Zeitgenossen
wurde gezeigt, dass in Stadt und Umland Recht und Ordnung
herrschten. Aufgrund ihrer Vielfalt und ihres Informationsgehaltes
ist die Bearbeitung der Flurnamen durch Frau Willemsen vorbildlich
für Höxter und die Oberweserregion und stellt einen großen Wert
für die Regionalgeschichte dar.
Ein neuer Kontakt wurde im vergangenen Jahr durch eine Studentin
der Fachhochschule in Höxter gebahnt, die im Rahmen ihrer
Diplomarbeit bei Frau Willemsen anfragte, ob ihr namenkundliche
Erkenntnisse über Hechtgräben im Umfeld der Stadt Höxter
vorlägen. Die prompte Beantwortung der studentischen Anfrage
ließ den Stadtarchivar Michael Koch, zugleich Betreuer der Diplom-
arbeit, auf den Plan treten. Bald kam er mit Frau Willemsen überein,
dass ihre Flurnamenarbeit nicht in Vergessenheit geraten und der
Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollte. Als beste Lösung
erschien die vertraglich geregelte Hinterlegung (Depositum) im
Kommunalarchiv. Die Arbeit wurde nun kurz vor Ostern, als Frau
Willemsen mit ihrer Familie zu Besuch in Höxter war, dem Stadtarchiv
übergeben. Das Depositum umfasst neben der umfangreichen
Belegsammlung die fortgeschrittene wissenschaftliche Bearbeitung
eines Großteils der vorliegenden Namen, deren kartographische
Darstellung sowie Aufzeichnungen von mundartlichen "Klangbildern"
der Flurnamen.
Besonderen Rückhalt erhielt Frau Willemsen vom damaligen Betreuer
des Stadtarchivs und des Corveyer Schlossarchivs Hans-Joachim
Brüning und der Bürgermeisterin Dorothee Baumgarten. Außer in der
Gemarkung von Höxter war Frau Willemsen auch in den zwölf
umliegenden Ortschaften des ehemaligen Amtes Höxter-Land, die
1970 mit der Stadt Höxter politisch vereinigt wurden, unterwegs.
Hier hatte sie Kontakte mit örtlichen Heimatpflegern und weiteren
Ortskundigen aufgenommen, um von ihrem Wissen zu profitieren.
An diese älteren Kontakte soll nun angeknüpft werden, um eine
möglichst umfassende und einheitliche Darstellung der Materialien
von Marleen Willemsen in Form einer Publikation auf die Beine zu
stellen. Für die Gemarkung der Stadt Höxter liegen hierzu bereits
erste Ansätze und Überlegungen von Dieter Siebeck vor. Rückfragen
und Anregungen richten Sie bitte an das Stadtarchiv im Stadthaus
am Petritor, Tel. 05271-963123 (Mo.+Di.), Mail: m.koch at hoexter.de.