[WestG] [AKT] Erinnerung an juedische Mitbuerger und Mitbuergerinnen, "Stolpersteine" in Guetersloh
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Mar 17 10:35:59 CET 2006
Von: "Pressestelle der Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 16.03.2006, 18:06
AKTUELL
Stolpersteine erinnern an jüdisches Leid
Inne halten in der Erinnerung an jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen
"Stolpersteine" auf eingefahrenen Gedankenpfaden - aufmerken, inne
halten im alltäglichen Trott, nachdenken, sich erinnern. Das ist das Ziel
der bundesweiten Aktion des Künstlers Gunter Demnig, der sich inzwischen
bereits 97 Städte angeschlossen haben, darunter Köln, Essen, Münster,
Höxter und Bünde: Die Steine - eingelassen in das Straßenpflaster und
mit einer Messingplatte und Namen versehen - erinnern an jüdische
Mitbürger und Mitbürgerinnen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.
Rund 5500 dieser "Stolpersteine" sind inzwischen verlegt worden, 26 sind
nun in Gütersloh dazu gekommen. Die ersten neun verlegte der Kölner
Künstler am 11. Mai unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, die
restlichen Steine wurden jetzt in das Pflaster eingelassen. Die Kosten
für die Aktion wurden durch Patenschaften von Gütersloher Bürgern und
Institutionen getragen.
Unter anderem hatte Noemi Zell bei Bürgermeisterin Maria Unger die
Aktion angeregt. Zell ist die Tochter Jehuda Barlevs, der - selbst hier
geboren und mit der Familie vor dem Naziterror geflüchtet - die
Geschichte der jüdischen Gemeinde in Gütersloh erforscht und
dokumentiert hat. Die Namen aus seinem Buch sind Grundlage für das
lokale Projekt. Auf den Messingschildern sind neben dem Namen auch
die Lebensdaten der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen eingraviert,
die "Stolpersteine" selbst werden vor ihren oder an der Stelle ihrer
ehemaligen Wohnhäuser eingelassen.
Zwei von ihnen waren Emmi und Benjamin Eisenstein, Inhaber des
Kaufhauses Eisenstein, das von 1913 -1937 bestand. Vor ihrem
ehemaligen Haus in der Berliner Straße 50 (dem jetzigen H&M-Gebäude)
liegen ebenso zwei Messingsteine wie vor den Häusern Bismarckstraße 16
und Kahlertstraße 24. Sie wurden zu sogenannten "Ghetto-Häusern"
umfunktioniert, für einige Güterloher Juden die letzte Station vor der
Deportation. An diesen beiden Stellen finden sich insgesamt zehn
Steine, unter anderem auch für Grete und Ludwig Kaufmann. Grete
Kaufmann war eine geborene Steinberg, Tochter des Inhabers der
Rosshaar-Spinnerei an der Mauerstraße. Die letzte Station der
Erinnerung an dem verschneiten März-Samstag ist das Haus
Eickhoffstraße 21. Dort wohnte die Klavierlehrerin Lina Stern, die
nach Theresienstadt deportiert wurde.