[WestG] [AKT] ArcheoInf: Bochum und Dortmund planen übergreifendes Informationssystem
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Mar 2 12:31:08 CET 2006
Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 22.02.2006, 13:13
AKTUELL
Ein gewichtiger Partner im Boot
Mehr Durchblick und Vernetzung mit "ArcheoInf"
Bochum und Dortmund planen übergreifendes Informationssystem
Einen gewichtigen Partner auf dem Weg, ein Leistungszentrum für
Feldarchäologie aufzubauen, begrüßen die Universitäten Bochum und
Dortmund sowie die FH Bochum: Das Deutsche Archäologische Institut,
Berlin, ist dem Netzwerk "ArcheoInf" beigetreten. Ziel ist, sich mit
einem gemeinsamen Antrag im Wettbewerb "Leistungszentren für
Forschungsinformation" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
durchzusetzen. "Mit dieser Partnerschaft verstärken wir unser
fachübergreifendes Team enorm", sagt Prof. Dr. Johannes Bergemann vom
Institut für Archäologische Wissenschaften der RUB, der das Projekt
federführend koordiniert. "Wir sind zuversichtlich, eines der
Leistungszentren ins Ruhrgebiet zu holen."
"Open Access" auch in den Geisteswissenschaften
Im Projekt "ArcheoInf" soll ein semantisches Netz ("semantic Web")
entstehen, das für alle Archäologen zugänglich ist. Erstmals würde
damit die so genannte Open-Access-Initiative der Naturwissenschaften
auch auf die Geisteswissenschaften übertragen werden: "ArcheoInf" soll
aktuelle Forschungsergebnisse mit existierendem Wissen verknüpfen, zum
Beispiel mit Daten aus anderen Projekten oder aus
Sekundärpublikationen, die mit einem laufenden Feldforschungsprojekt
inhaltlich zusammenhängen.
Aktuelle Projekte und Daten
"Das Ergebnis wird ein Werkzeug sein, ein integriertes
Informationsangebot, das archäologische Feldprojekte von ihrer
Konzeption über die Durchführung und wissenschaftliche Auswertung bis
zur Veröffentlichung begleiten kann", sagt Prof. Bergemann. Das
Deutsche Archäologische Institut ist die größte außeruniversitäre
Forschungseinrichtung der Geisteswissenschaften in Deutschland und
bringt als Partner eine Reihe aktueller archäologischer Projekte in die
Kooperation ein, z.B. das Grabungsprojekt in der hellenistischen
Metropole Pergamon in der Türkei, die Erforschung der antiken Großstadt
Baalbek im Bekaa-Tal im Libanon, genau wie die der saudi-arabischen
Karawanenstadt Tayma. Die Forschungen an den Palästen der römischen
Kaiser auf dem Palatin in Rom sollen genauso integriert werden wie die
an keltischen Fürstensitzen in Süddeutschland, der Schweiz, Frankreich
und Tschechien - die Daten dieser laufenden Forschungsarbeiten können
so unmittelbar in die Entwicklung von "ArcheoInf" einfließen.
Insellösungen überwinden
Frühzeitig haben Archäologen ihre Feldforschungen digital verwaltet.
Das Problem sind heute die nicht kompatiblen Informationssysteme, die
zum Beispiel die projektübergreifende Daten- und Ergebnisrecherche und
die langfristige Bereitstellung der Daten erschweren. Hier setzt das
Bochum-Dortmunder Projekt an: Exemplarisch wollen die Partner die
Software-Insellösungen überwinden, um die nachhaltige Publikation
solcher Feldforschungsdaten für die Wissenschaft und die interessierte
Öffentlichkeit zu ermöglichen. Ein Mediatorenkonzept und die
Entwicklung einer fachspezifischen Systematik und Ordnung gewährleisten
dabei die Autonomie der beteiligten Feldforschungsprojekte und ihrer
Datensammlungen. Zugleich sollen die grundlegenden archäologischen
Kategorien des Fundkontextes und des Raumes über eine graphische
Benutzungsoberfläche (GIS) dargestellt werden. Das Konzept vernetzt
somit zugleich Geographie, Ökologie, Geomorphologie, Klima, Flora und
Fauna historischer Räume mit den archäologischen Daten.
Der Wettbewerb
Bereits im Oktober 2005 konnte sich "ArcheoInf" erfolgreich beim ersten
Durchgang des Wettbewerbs "Leistungszentren für Forschungsinformation"
der DFG (Bibliotheksreferat) durchsetzen. Vier aus über 20
eingereichten Projektvorschlägen unterstützt die DFG in der ersten
Runde. Bis Ende Februar 2006 haben die Wettbewerber Zeit, ein
überzeugendes Konzept zu erarbeiten. Die DFG wird daraus maximal zwei
"Hauptprojekte" auswählen und für fünf Jahre fördern. Das
Bochum-Dortmunder ArcheoInf-Konsortuim hat soeben seinen Antrag
eingereicht.
Die Projektpartner
Die Projektpartner in Bochum und Dortmund sind: das Institut für
Archäologische Wissenschaften der RUB (Prof. Dr. Johannes Bergemann),
der Lehrstuhl für Softwaretechnologie der Universität Dortmund (Prof.
Dr. Ernst-Erich Doberkat), der Fachbereich für Vermessungswesen und
Geoinformatik der FH Bochum (Prof. Dr. Alfred Mischke, Prof. Dr.-Ing.
Franz-Josef Lohmar), die Universitätsbibliothek Bochum (Dr. Erdmute
Lapp), die Universitätsbibliothek Dortmund (Marlene Nagelsmeier-Linke)
und das Deutsche Bergbaumuseum Bochum, dass Projekte in Deutschland,
Österreich, Georgien, Jordanien und im Iran betreut. Weitere
archäologische Projektpartner in Berlin, Marburg und Tübingen arbeiten
zudem an unterschiedlichen Projekten in Griechenland, Italien und der
Türkei. Bereits im Dezember 2005 traf sich dieser exklusive
Teilnehmerkreis zu einer Tagung an der RUB, wo sich die Projektpartner
auf die zukünftige Kooperation einigten.
INFO
Prof. Dr. Johannes Bergemann
Institut für Archäologische Wissenschaften der RUB
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Tel. 0234/32-23893
E-Mail: johannes.bergemann at rub.de
Internet: www.archeoinf.de