[WestG] ?Bilder, die aus dem Rahmen fielen?, Soest
Dr. Marcus Weidner
mw at jmr-weidner.de
Don Jun 8 12:22:12 CEST 2006
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 08.06.2006, 11:57
AUSSTELLUNG
„Bilder, die aus dem Rahmen fielen“: Ausstellung zieht Bilanz der
Hilfsaktion für Soester Kunst - Verein hat sich gebildet
Im Januar 2005 machten die Stadt Soest und der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) mit dem provokanten Ausstellungstitel „Bilder, die
aus dem Rahmen fallen“ darauf aufmerksam, dass viele Kunstwerke, die in
westfälischen Archiven schlummern, akut gefährdet sind, wenn sie nicht
bald restauriert werden. Die Ausstellungsmacher vom Soester
Wilhelm-Morgner-Haus und vom LWL-Museumsamt bewiesen Mut und zeigten
bewusst beschädigte Bilder - verbunden mit der Aufforderung an die
Besucher, Patenschaften für die Bilder zu übernehmen und so zu
verhindern, dass sie tatsäch-lich aus dem Rahmen fallen. „Das Experiment
ist gelungen, es kann Vorbildcharakter für andere Städte in Westfalen
haben“, urteilt Klaus Kösters vom LWL-Museumsamt.
Nach anderthalb Jahren ziehen die AusstellungsmacherBilanz – wieder in
Form einer Ausstellung. Denn die ersten Bilder sind restauriert und
können wieder gezeigt werden. Als Folge der Ausstellung bildete sich
sogar ein Verein engagierter Bürger in Soest, um langfristig Geld für
den Erhalt der wertvollen Bilder zu sammeln. Auch viele Privatleute und
Vereine nutzen die Möglichkeit der Patenschaften, um Geld zu spenden.
Insgesamt kam eine fünfstellige Summe zusammen, so dass mit zusätzlichen
Mitteln der Stadt Soest und den Zuschüssen des Westfälischen
Museumsamtes die ersten, dringenden Bilderrestaurierungen in Angriff
genommen werden konnten.
„Die Ausstellung war ein mutiges Experiment. Bisher hat sich niemand
getraut, unrestaurierte Bilder, die durch jahrelange falsche Lagerung
und unsachgemäße oder verpasste Restaurierungen Schaden genommen haben,
der Öffentlichkeit unrestauriert zu präsentieren. Die öffentliche
Aufmerksamkeit nicht nur in Soest war groß und die Ausstellung schlug
alle bisherigen Besucherrekorde“, lobt Kösters. Erstmals sei einer
breiten Öffentlichkeit bewusst geworden, dass es dringenden
Handlungsbedarf gebe, um den wertvollen Kunstbesitz der Stadt Soest in
einer Zeit zu sichern, in der die kommunalen Kassen leer seien, so
Kösters weiter.
Mit dem Erlös wurden unter anderem Bilder von Josef Albers und Otto
Modersohn restauriert, die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind.
Außerdem hat die Stadt Soest die Magazinräume saniert. So können die
Bilder nach der Ausstellung sachgerecht gelagert werden.
Eine Erfolgsgeschichte also? „Ja und nein. Vieles ist inzwischen in
Soest für den Kunstbesitz und das städtische Museum getan worden und dem
Engagement der Soester gebührt höchstes Lob. Aber die bisher getroffenen
Maßnahmen reichen noch nicht aus. Etliche Bilder müssen noch restauriert
werden und die dafür erforderlichen Geldsummen sind beträchtlich.
Insbesondere der weltweit einmalige Bilderbestand des Soester
Expressionisten Wilhelm Morgner erfordert eine weitere Pflege“, so
Kösters. Vor allem auch deswegen, weil Morgners Malweise komplizierte
Restaurierungsverfahren notwendig mache, die man nicht mehr allzu lange
hinauszögern dürfe, weil sonst die Schäden unwiderruflich sein würden,
betont LWL-Restaurator Eckhard von Schierstaedt. Der Soester
Stadtarchivar Dr. Norbert Wex sieht in der neuen Ausstellung Soester
Bilder zugleich „einen erfreulichen Rückblick auf das bisher Erreichte
und gleichzeitig einen erneuten Appell mitzuhelfen, dass diese
international bedeutende Kunstsammlung langfristig gerettet wird“.
Die Ausstellung zeigt neben den restaurierten Bildern auch viele
(unrestaurierte) Gemälde und Zeichnungen von Wilhelm Morgner, die alle
mit dem Thema „Soester Börde“ und Landwirtschaft zu tun haben, das im
Werk Morgners eine zentrale Stelle einnimmt. Zugleich konfrontiert die
Ausstellung Morgners Arbeiten mit frühen Fotografien der Soester Börde
und der hier arbeitenden Menschen, die aus dem Besitz des Soester
Stadtarchivs stammen.
Bilder, die aus dem Rahmen fielen
Übersichtsschau des Wilhelm-Morgner-Hauses
in Zusammenarbeit mit dem Westfälischen Museumsamt
Wilhelm-Morgner-Haus, Thomästraße 2 in Soest
11. Juni bis 30. Juli
Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr,
sonntags 10.30 bis 12.30 Uhr
Eintritt: frei