[WestG] [AUS] Versteinerte Schaetze Westfalens, 02.06.2006-01.07.2007, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Jun 1 16:39:35 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 01.06.2006, 11:24


AUSSTELLUNG

Versteinerte Schätze Westfalens
Fossilien aus 450 Millionen Jahren im LWL-Museum für Naturkunde 

Ab dem 2. Juni präsentiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
in seinem Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster 500 versteinerte 
Schätze auf über 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Zahlreiche 
Versteinerungen lagern in den Magazinen des LWL-Naturkundemuseums 
und wurden bisher noch nie öffentlich ausgestellt. Die neue Ausstellung 
zeigt die Überreste tierischen und pflanzlichen Lebens aus 450 Millionen 
Jahren Erdgeschichte. 

Seit 1980 können in Nordrhein-Westfalen nach dem Denkmalschutzgesetz 
Fossilien als Bodendenkmäler geschützt werden. Die LWL-Forscher konnten 
viele Funde bei Ausgrabungen in allen Teilen Westfalen-Lippes vor der 
Zerstörung retten. Die Versteinerungen geben eine Übersicht über die
Entwicklung der Landschaft Westfalens und des Lebens in der Region.

Zu den Exponaten der Sonderausstellung "verSTEINerte SCHÄTZE 
Westfalens" gehören zum Beispiel die jüngsten Dinosaurier-Funde aus 
Westfalen (Kreis Minden-Lübbecke und Märkischer Kreis) und die weltweit 
einzigartigen Insekten-Funde aus Hagen-Vorhalle, die als die ältesten Flug-
insekten der Welt gelten. Internationales Aufsehen erregte etwa Namurotypus 
sippeli. Mit 32 Zentimetern Flügelspannweite ist sie die größte Libelle des 
Namur (vor zirka 319 Millionen Jahren). 

Bei vielen Urnetzflüglern, wie etwa den Lithomantis varius, hat sich die 
Farbfleckung der Flügel erhalten. Sie gehörten zu den Urnetzflüglern und 
konnten, im Gegensatz zu den meisten heute lebenden Insekten, die Flügel
nicht auf den Hinterleib zusammenlegen. 

Aus dem Steinkohlebergwerk in Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) zeigt das 
LWL-Museum Platten des Tausendfüßers Arthropleura, des größten 
Gliederfüßers der Erdgeschichte. Diese Tiere konnten eine Länge von über
zwei Metern erreichen. Pfeilschwanzkrebse, deren Nachfahren heute nur 
noch an der Atlantikküste Nordamerikas und an den Küsten Südostasiens 
vorkommen, lebten vor rund 310 Millionen Jahren auch in Ibbenbüren.

Auf einer Halde des Steinkohlebergwerks Auguste-Viktoria/Blumenthal in 
Marl-Sinsen (Kreis Recklinghausen) wurde ein Fragment eines Tausendfüßer 
gefunden. Auch dieses Fragment wird in der neuen Sonderausstellung zu 
sehen sein. Vertreter dieser Tiergruppe gehören im deutschen Karbon zu 
den großen Seltenheiten. Lediglich fünf Exemplare wurden bisher in den 
letzten 150 Jahren gefunden, davon zwei in Hagen-Vorhalle und das jüngste 
Exemplar in Marl-Sinsen. Dieser Tausendfüßer gehört zu der im Erdaltertum 
ausgestorbenen Gruppe der Archipolypoda, deren Kennzeichen Stacheln 
auf der Körperoberfläche sind. Aufgrund der langen Stacheln war diesen 
Tausendfüßern ein Leben im Boden nicht möglich. Diese Tiere haben vielmehr 
auf dem Boden oder kletternd an Pflanzen gelebt. 

In einem Massenkalksteinbruch in Warstein (Kreis Soest) entdeckten 1999 
Forscher eine fossilführende Spaltenfüllung und bargen die Funde mit einem 
Hubwagen aus der 14 Meter hohen Steilwand. Zu den herausragenden Funden 
zählen Knochen von Höhlenlöwen und Nashorn. Bereits im Foyer des LWL-
Museums finden die Besucher den größten Riesenammoniten (Kopffüßer) der 
Welt. Dieser versteinerte Kopffüßer hat einen Durchmesser von 1,80 Meter, 
wiegt zirka 3,5 Tonnen und wurde zum Wahrzeichen des Museums. Abgüße 
des Riesenammoniten sind in fast allen großen Naturkundemuseen der Welt zu 
sehen. Der Ammonit aus einem Steinbruch bei Seppenrade im südlichen Münster-
land ist bereits seit 1895 im Eigentum des Museums.

Eine über sechs Quadratmeter große Platte mit versteinerten Seelilien aus Bad 
Driburg (Kreis Höxter) zählt zu den Besonderheiten der neuen Ausstellung. 
Seelilien sind keine Pflanzen sondern Tiere und gehören zu den Stachelhäutern. 
Sie sind Verwandte der Seeigel und Seesterne.

Die größten Objekte der Ausstellung sind die 6,5 Meter große Rekonstruktion 
eines Allosaurus-Dinosauriers und eine über neun Quadratmeter große 
Gesteinsplatte mit Belemniten, die in Westerkappeln-Velpe (Kreis Steinfurt) 
geborgen wurde. Belemniten sind genau wie Ammoniten ebenfalls Kopffüßer 
und somit Verwandte der Tintenfische. Erhalten sind die keilförmigen Rostren 
der Belemniten, eine Art Innenskelett. Die gezeigten Exemplare stammen aus 
der Jura-Zeit.

Die kleinsten Objekte der Ausstellung sind auch die ältesten Fossilien Westfalens. 
Die Trilobiten (Dreilapperkrebse, Gliederfüßer) stammen aus dem Ordovizium 
des Sauerlandes und sind über 440 Millionen Jahre alt.

Bei einem Gang durch die Erdgeschichte - vom Ältesten zum Jüngsten, vom 
Erdaltertum bis zur Erdneuzeit - ergänzen Rekonstruktionen von ausgestorbenen 
Tieren und Abbildungen von Lebensräumen in der erdgeschichtlichen Vergangen-
heit die Sonderausstellung. 

Zur Sonderausstellung wird eine Führung für Erwachsene sowie museums-
pädagogische Programme für alle Altersgruppen, vom Kindergarten bis zur 
Jahrgangsstufe 13, angeboten.


INFO

Die Ausstellung läuft vom 02.06.2006 bis zum 01.07.2007 im 

Westfälischen Museum für Naturkunde
Sentruper Str. 285
48161 Münster

Informationen zur Ausstellung, Führung und Museumspädagogik unter 
Telefon (0251) 591-05. 

Das Begleitbuch (132 Seiten) zur Ausstellung kostet 14,80 Euro.

Das Museum ist dienstags bis sonntags von
9 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintritt: Kinder/Jugendliche 2,00 Euro,
Erwachsene 3,50 Euro, Familientageskarte 8,00 Euro.