[WestG] [AKT] 50 Jahre Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Muenster
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Jul 27 10:33:46 CEST 2006
Von: "Pressestelle der Uni Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 26.07.2006, 12:02
AKTUELL
Philosoph hinterließ 15.000 Briefe
50 Jahre Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Münster
Die Leibniz-Forschungsstelle der Westfälischen
Wilhelms-Universität wird 50 Jahre alt. Seit einem halben
Jahrhundert werden in Münster in chronologischer Folge die
philosophischen Schriften und Briefe von Gottfried Wilhelm Leibniz
(1646-1716) im Rahmen der zu Anfang des letzten Jahrhunderts
begründeten historisch-kritischen Leibniz-Akademieausgabe
herausgegeben. Die münstersche Forschungsstelle erschließt damit
neben drei weiteren Arbeitsstellen in Hannover, Potsdam und Berlin
einen der größten Nachlässe der Geistesgeschichte.
Der glückliche Umstand, dass fast der gesamte handschriftliche
Nachlass von Leibniz erhalten geblieben ist, macht es möglich, die
Gedanken des Universalgelehrten bis zu ihrer Entstehung zu verfolgen.
Für Prof. Dr. Martin Schneider wird damit die Arbeit an der Edition
aber auch zu einer "besonders mühsamen und akribischen Aufgabe", die
den Wissenschaftlern neben Sprachkompetenz auch "detektivische
Fähigkeiten" bei der Texterstellung der überwiegend in Latein und
Französisch geschriebenen Texte abverlange.
Insgesamt sind bisher acht, teilweise über 1000 Seiten starke
Bände erschienen, eine beachtliche Leistung angesichts der
schwierigen Aufgabe und der begrenzten Zahl von zur Zeit drei
wissenschaftlichen Mitarbeitern. Sieben der acht vorliegenden Bände
enthalten die philosophischen Schriften von 1663 bis 1690 sowie im
Vorgriff eine wichtige, sich mit Locke auseinander setzende Schrift
aus den Jahren 1703 bis 1705. Rechtzeitig zum Jubiläum ist ein
weiterer Band erschienen, die Neuauflage des bislang einzigen
Briefbandes der philosophischen Korrespondenz von Leibniz aus den
Jahren 1663 bis 1685. Dieser Band, dessen erste Auflage 1926 als reine
Textausgabe erschienen war, liegt nun in erweiterter und vollständig
neu bearbeiteter Auflage vor und erfüllt alle wissenschaftlichen
Ansprüche.
Gerade dieser Briefband ist für Prof. Schneider von besonderem
Interesse, "weil hier der junge Leibniz - der am Ende seines Lebens
auf 15.000 Briefe mit 1.100 Briefpartnern zurückblicken kann - die
ersten Beziehungen zu berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit
knüpft". Auch der sich zeitlich anschließende zweite Briefband
über die Korrespondenz zwischen 1686 und 1694 soll noch im laufenden
Jubiläumsjahr abgeschlossen werden. Dieser Band wird unter anderem
den wichtigen Briefwechsel von Leibniz mit dem Theologen Arnauld
über seine "Metaphysische Abhandlung" führte.
2006 verspricht damit ein besonders erfolgreiches Jahr in der
Geschichte der Leibniz-Forschungsstelle in Münster zu werden, die
1956 von Prof. Dr. Erich Hochstetter als Institut der Westfälischen
Wilhelms-Universität gegründet wurde. Nach Hochstetters Tod
übernahm Prof. Dr. Heinrich Schepers 1969 die Leitung und behielt
sie auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1990 kommissarisch bis
1997, als Prof. Dr. Thomas Leinkauf ihm nachfolgte und Prof. Dr.
Martin Schneider die Leitung der Edition übernahm. Das lange Zeit
überwiegend aus Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen
finanzierte Projekt wurde 1988 als Langzeitvorhaben in das
Akademienprogramm aufgenommen und wird seitdem von der Akademie der
Wissenschaften zu Göttingen finanziert.
Die Leibniz-Forschungsstelle wird ihr 50jähriges Bestehen am 5. und
6. Oktober in Münster mit einer Festveranstaltung und einem
Kolloquium feiern. Dabei wird Prof. Dr. Hans Poser (Berlin) dem
langjährigen Leiter Prof. Dr. Heinrich Schepers nachträglich zur
Vollendung seines 80. Lebensjahres in einem abendlichen Festvortrag
über "Leibniz' dreifaches Freiheitsproblem" die Ehre erweisen.
INFO
Link: Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Münster
(http://www.uni-muenster.de/Leibniz/Welcome.html)