[WestG] [AUS] Canossa 1077 - Erschuetterung der Welt, 21.07.-05.11.2006, Paderborn

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jul 19 13:46:23 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.07.2006, 11:34


AUSSTELLUNG

Canossa 1077 - Erschütterung der Welt
Eine Ausstellung zur Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang 
der Romanik 

"Der Gang nach Canossa"  - ein historisches Ereignis, dessen 
Tragweite längst vergessen scheint, ein oft benutztes "geflügeltes 
Wort" - ein Ausstellungsthema? In Paderborn wird das Ereignis zum
Erlebnis, zur großartigen Inszenierung einer Epoche in drei Museen 
der Stadt. Rund 700 Kunstwerke aus Museen in aller Welt, einge-
bettet in eine Präsentation, die mit imposanten Bildern zu einer 
Reise ins Herz des Mittelalters einlädt. Am 21. Juli wird Bundes-
präsident Horst Köhler die Ausstellung eröffnen. Gut fünf Jahre
lang hat ein Kuratorenteam, beraten von Wissenschaftlern der 
unterschiedlichsten Fachrichtungen, das riesige Projekt vorbereitet.
Auf etwa 3.000 Quadratmetern sind kostbare Goldschmiedearbeiten 
und Elfenbeinschnitzereien, reich illustrierte Handschriften, darunter 
die imposanten Riesenbibeln, Architekturfragmente mit ungewöhnlicher 
Ausdruckskraft, Sarkophage, Waffen, Skulpturen und Gemälde zu
sehen. Modelle und moderne Medien verbinden sie zu einem sinnlich 
erfahrbaren Zeitbild des 11. und frühen 12. Jahrhunderts.   

"Für die Kirche war die Epochenschwelle vom 11. zum 12. Jahrhundert
von größter Bedeutung", begründete Generalvikar Alfons Hardt bei
der Pressekonferenz das Engagement des Erzbistums Paderborn für 
die kunst- und kulturhistorische Schau. "Uns liegt sehr daran, in der 
Ausstellung die religiösen Reformen und geistesgeschichtlichen 
Wandlungen jener bewegten Zeit herauszustellen."

Der Bußgang und ein Konflikt mit weit reichenden Folgen 
Was geschah damals wirklich? Papst und König standen sich erbittert
gegenüber. Mit scharfen Worten und schlagkräftigen Truppen trugen
sie einen Konflikt aus, der bis heute nachwirkt und der im sprichwörtlich
gewordenen "Gang nach Canossa" seinen Ausdruck fand. König 
Heinrich IV. und Papst Gregor VII. trafen sich am 25. Januar des 
Jahres 1077 vor der norditalienischen Burg Canossa. Der König kam 
als Büßer, der um Aufhebung der Exkommunikation, des Kirchenbanns, 
flehen musste. 

Der Papst, der sich zum alleinigen Oberhaupt der Christenheit erklärt 
hatte,  beschnitt die Rechte des Herrschers in Kirchenfragen. 
Heinrich IV. bestand auf den tradierten Rechten des sakralen Königtums,
doch Gregor VII. trieb unerbittlich eine grundlegende Reform der Kirche
und ihre Lösung von weltlichem Einfluss voran. In diesem Konflikt wurde
die überkommene Werteordnung der mittelalterlichen Gesellschaft 
grundsätzlich in Frage gestellt, der ganze römische Erdkreis  war 
erschüttert.  

Auf dem Weg zur Selbständigkeit von Kirche und Staat
In dieser ereignisreichen Zeit markiert "Der Gang nach Canossa" den 
Beginn einer Entwicklung, die letztendlich in der Trennung von Kirche 
und Staat gipfelte. Ein Thema, das in unserem Zeitalter der Globalisierung
neue, brisante Aktualität bekommt und das als roter Faden die riesige 
Paderborner Epochen-Ausstellung durchzieht. Die Ausstellung "Canossa 
1077 - Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang 
der Romanik" wird zeitgleich im Erzbischöflichen Diözesanmuseum, im 
Museum in der Kaiserpfalz und der Städtischen Galerie gezeigt. 

Um das gigantische Unternehmen realisieren zu können haben sich die
Stadt und das Erzbistum Paderborn sowie der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) partnerschaftlich zusammengeschlossen. "Die 
Kaiserpfalz in Paderborn ist immer ein Ort internationaler Kontakte 
gewesen. Dies bewährt sich auch in der Gegenwart", lobte LWL-Direktor 
Dr. Wolfgang Kirsch den Ausstellungsort. "Seit der großen Karolinger-
ausstellung von 1999 sind hier zahlreiche Forschungskontakte gewachsen, 
mehrere internationale Symposien haben das Ausstellungsthema vertieft 
und erheblich erweitert - für eine Ausstellung von europäischer Dimension."

Vom Ereignis zum Mythos  
Die Ausstellung spannt in mehr als 20 thematischen Einheiten den Bogen
vom geschichtlichen Ereignis bis zum polemischen Disput über Glaubens-
sätze und Machtansprüche und spürt dem Mythos vom "Gang nach Canossa"
bis in der Kunst und Kultur des 19. Jahrhunderts nach. Es werden der
Einfluss der Klöster und die Position der Fürsten zum Thema gemacht, es 
geht um das Seelenheil im Jenseits und die Angst vorm Fegefeuer, die 
Sachsenkriege, das erstarkende Bürgertum in den mittelalterlichen Städten, 
um wegweisende Impulse für die Kunst und Architektur der Romanik und
die Bedeutung des "geflügelten Wortes" in der Bismarck-Zeit. "Wir wünschen
uns, dass durch diese Ausstellung Geschichte auch jenseits der romanhaften 
Verarbeitung für viele weiter spannend bleibt, und dass die Kenntnis 
historischer Entwicklungen auch die Wahrnehmung für die Notwendigkeiten
der Gegenwart fördert", unterstrich Paderborns Bürgermeister Heinz Paus 
die Bedeutung des Kulturprojekts. 

Paderborn - ein geschichtsträchtiger Ort
Nicht ohne Grund findet die facettenreiche  Canossa-Ausstellung in Paderborn 
statt: Die Auswirkungen der geschichtlichen Ereignisse manifestierten sich 
hier in der Präsenz von gleich zwei Bischöfen. Den einen bestätigte der
Papst, dem anderen sprach der König das Bistum zu. Zudem erlebten die 
Stadt und die Kirche im Hochmittelalter eine zweite Blüte. Noch heute ist 
das Stadtbild geprägt von Bauten aus dieser Epoche, neben der Kaiserpfalz 
sind darunter die imposante Klosterkirche Abdinghof, das Busdorf-Stift oder
die Bartholomäuskapelle mit ihrer einzigartigen Akustik. Wichtige Kunstgegen-
stände befinden sich im Domschatz und im Diözesanmuseum. 

Gemeinsamer Kraftakt für eine gute Idee 
Das Paderborner Großprojekt ist mit einem Etat von fünf Millionen Euro
ausgestattet. Zahlreiche Stiftungen und viele Förderer aus der Wirtschaft 
unterstrichen mit ihrem Engagement die Bedeutung der Ausstellung. Allein 
die Unternehmen der Region steuerten eine Million Euro hinzu. "Als Mann 
der Wirtschaft reizt es mich, die Erwartungen an die Canossa-Ausstellung in 
die Sprache der Wirtschaft zu übersetzen", sagte Hans Behringer, der 
Vorsitzende des Paderborner Kulturfonds und führte fort: "Die Geldgeber 
haben angemessen investiert und sind von der Ertragkraft, vom 
gesellschaftlichen Nutzen des Projekts überzeugt. Das Produkt - die 
Ausstellung - ist von erstklassiger Qualität und trifft auf einen 
aufnahmebereiten Markt, denn es melden sich Besucher aus dem ganzen 
Bundesgebiet an. Eine gute Idee wurde zur Marktreife geführt und die
Markteinführung steht unmittelbar bevor."


INFO

AusstellungCanossa 1077 - Erschütterung der Welt.
Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik«
21.7.-5.11.2006 in Paderborn. 

Informationen zu Ausstellung und Rahmenprogramm,
Anfragen von Besuchern:

Ausstellungsbüro Canossa 2006
Marienplatz 2a
D-33098 Paderborn
Tel.: +49 5251 88-29 88
Fax.: +49 5251 88-28 99
canossa2006 at paderborn.de 

Weitere Informationen: www.canossa2006.de 

Pressekontakt:
Waltraud Murauer, Tel. 052 51- 1051-22, presse at canossa2006.de 
presse at lwl.org