[WestG] [AKT] Vortrag zur Nachkriegsgeschichte: Socken fuer den Westen, 24.02.2006, Hattingen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Feb 21 11:05:01 CET 2006


Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 20.02.2006, 10:16


AKTUELL

Socken für den Westen
Vortrag in der Henrichshütte zur Nachkriegsgeschichte

20 Millionen Frauen träumten nach dem Zweiten Krieg von "Nylons". 
Am Freitag, 24.2., zeigt Dr. Arnold Lassotta um 20 Uhr in seinem 
Bildvortrag im Westfälischen Industriemuseum Henrichshütte, ob 
und wie sich diese Nachkriegsträume erfüllten.

98 % aller gewirkten Nahtstrümpfe waren vor 1945 in Sachsen und 
im Sudetenland produziert worden. Von Vertreibung, Demontage 
und Enteignung bedroht, gingen die meisten Strumpffabrikanten mit 
Tausenden Fachkräften in den Westen, wo sie eine neue Industrie 
aufbauten.

Einen Neuanfang im Westen wagte auch Karl Rüger. Seine 
Strumpfstrickerei im sächsischen Kaufungen gehörte zu den zahlreichen 
kleinen Familienbetrieben. Der Betrieb wurde von der DDR-Regierung 
enteignet, Rüger selbst interniert. Nach seiner Entlassung kam der 
Geschäftsmann durch private Beziehungen nach Sprockhövel und 
begann dort 1950 in einer Steinbaracke mit der Produktion von 
rundgestrickten Strümpfen. Firmenname des Betriebes wurde "Ruka":
Ru für Rüger und Ka in Erinnerung an den Heimatort Kaufungen.

Mit der Umsiedlung seines Familienbetriebes in den Westen war Rüger in 
der Strumpfindustrie kein Einzelfall: "Unter den Neugründungen waren 
auch die ganz Großen der Branche - Kunert, Elbeo und Uhlmann", so 
Textilfachmann Dr. Arnold Lassotta vom Westfälischen Industriemuseum. 
Durch diese Entwicklung gab es in Westdeutschland nahezu alle 
Produktionsarten, die vor dem Krieg noch über ganz Deutschland verteilt 
waren.

"Ruka" produzierte in Sprockhövel bis zum Tod des Firmengründers 1972. 
Im Jahr 1999 erhielt das Westfälische Industriemuseum für seinen 
Textilstandort in Bocholt einen Strumpfformer des Unternehmens und 
dokumentierte die Betriebsgeschichte der Familie Rüger. Besucher der 
Zeche Zollern II/IV in Dortmund können das geschichtsträchtige Exponat 
noch bis zum 26. März 2006 in der Sonderausstellung "Aufbau West" sehen.

Das auffällige Ausstellungsstück ist eines von rund 300 Objekten, die der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Sonderausstellung "Aufbau 
West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder" im 
Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund präsentiert. 
Im Mittelpunkt der Schau stehen die Leistungen und Erfahrungen der 
Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten, die nach 1945 mit Arbeitskraft,
Know-how und Unternehmergeist zum Wiederaufbau hierzulande beigetragen 
haben. 

Der Vortrag von Dr. Arnold Lassotta beginnt um 20 Uhr im Westfälischen 
Industriemuseum Henrichshütte und ist kostenlos. Im Vorfeld startet um 
19 Uhr vom Foyer aus eine Fackelführung im Hattinger LWL-Museum 
(Erwachsene  3,50 €, Kinder 2 € )


INFO

Westfälisches Industriemuseum
Henrichshütte Hattingen
Werksstrasse 31-33
45527 Hattingen
Telefon: 02324 9247-0
Telefax: 02324 9247-112
E-Mail: birgit.schulz at lwl.org 

Geöffnet: Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr; Fr - 21.30 Uhr