[WestG] [AKT] Medienpraesentation fuer das Museum Waeschefabrik in Bielefeld vorgestellt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Aug 4 11:14:43 CEST 2006
Von: "Bärbel Sunderbrink" <baerbel.sunderbrink at FernUni-Hagen.de>
Datum: 04.08.2006, 09:44
AKTUELL
Medienpräsentation zur Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Juhl
für
das Museum Wäschefabrik in Bielefeld vorgestellt
Als am 27. Juli die Medienpräsentation "Zur Geschichte der jüdischen
Unternehmerfamilie Juhl" im Bielefelder Spinnereiviertel vorgestellt
wurde,
befand sich unter den zahlreichen Gästen auch der
nordrhein-westfälische
Bauminister Oliver Wittke. Er lobte das jahrelange Engagement des
gemeinnützigen Fördervereins Projekt Wäschefabrik, der die ehemalige
Bielefelder Wäschefabrik "Juhl & Helmke", später "Gebr. Winkel", an
der
Viktoriastraße 48a betreut, und stellte heraus, dass durch dessen
Einsatz
ein Stück jüdischer Geschichte der Vergessenheit entronnen sei.
In den vergangenen Jahren gestaltete der Verein die Fabrik zu einem
über die
Region hinaus bekannten Museum um. Nun verwirktlicht das kleine Museum
ein
großes Vorhaben: Es erweitert die interaktive Medienpräsentation "Zur
Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Juhl" die ständige
Ausstellung
des Museums.
Hugo Juhl ließ das Gebäude als Fabrik inklusive Wohnung 1912/1913
errichten.
Dort lebte er mit seiner Ehefrau Clara und den Töchtern Mathilde und
Hanna.
Hugo Juhl führte die Wäschefabrik sicher durch die Höhen und Tiefen
der
bewegten 1920er Jahre, aber den antijüdischen Maßnahmen der
Nationalsozialisten konnte er nichts entgegensetzen. Diesem großen
Druck
nachgebend verkaufte die Familie schließlich 1938 die Fabrik und die
dazugehörigen Immobilien an die Dresdner Brüder Georg und Theodor
Winkel.
Hugo Juhl starb wenig später in Bielefeld. Seiner Ehefrau Clara und
der
ältesten Tochter Mathilde gelang noch die Flucht nach Amsterdam, wo
die
jüngere Tochter bereits seit 1933 mit ihrem Ehemann Fritz Bender
wohnte. Der
deutschen Besetzung der Niederlande entkam jedoch nur Fritz Bender,
die
Frauen nahmen sich das Leben.
"Als wir vor Jahren erfuhren, dass Fritz Bender in Kanada lebt, haben
wir
ihn gefragt, ob er bereit wäre, uns im Museum ein Filminterview zu
gegen",
erinnert sich Rüdiger Uffmann, Vorstandsmitglied des Fördervereins.
"Und er
ist 1994 und 2000 tatsächlich mit 88 bzw. 94 Jahren nach Bielefeld
gereist
und hat uns seine Lebensgeschichte erzählt." Benders Schilderungen vom
Leben
der Familie Juhl in Bielefeld und Amsterdam, ihrem tragischen Schicksal
nach
dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und seiner eigenen dramatischen
Flucht
über die Nordsee nach England bilden die Grundlage und den roten Faden
der
Medienpräsentation.
Fritz Benders Erinnerungen sind die wichtigste Brücke in die
Vergangenheit
zur Familie Juhl. Denn in Bielefeld und in der Wäschefabrik gibt es
kaum
noch Spuren ihres Lebens. Deshalb wird ihre Geschichte im Museum in
den
Worten des einzigen Familienmitglieds erzählt, der die Zeit des
Nationalsozialismus überlebte. Die Medienpräsentation bündelt die
Spuren der
Vergangenheit und entreißt die bisher unsichtbare Geschichte der
Familie
Juhl der Vergessenheit.
INFO
Das Museum Wäschefabrik, Viktoriastraße 48a, 33602 Bielefeld, ist
sonntags
von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen, auch mit Vorführung der
Medienpräsentation, können auch außerhalb dieser Zeit gebucht werden:
0521/60464.