[WestG] [KONF] Buchzensur durch roemische Inquisition und Indexkongregation, Muenster, 29.11.-1.12.2005
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Nov 22 09:33:00 CET 2005
Von: "Pressestelle Uni Münster", <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 22.11.2005, 09:11
SYMPOSION
Bücher vor dem Tribunal der römischen Glaubenswächter
Symposion über "Buchzensur durch römische Inquisition und
Indexkongregation" an der Universität Münster, 29.11.-1.12.2005
Brennende Scheiterhaufen, zu Tode gequälte Folteropfer,
psychopathische Glaubenswächter mit irrem Blick - das verbindet man
landläufig mit dem Begriff "Inquisition". Dass eine der
Hauptaufgaben der 1542 gegründeten "Heiligen Römischen und
Universalen Inquisition" und der 1571 errichteten "Indexkongregation"
die Totalkontrolle des Buchmarktes war, ist hingegen nicht im
öffentlichen Bewusstsein. Kaum ein Werk, dass die römischen
Zensoren nicht untersuchten.
Erst seit 1998 ist es überhaupt möglich, die Akten zur römischen
Buchzensur, die im Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre im
Vatikan aufbewahrt werden, zu benutzen. In dem von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Langzeitprojekt "Römische
Inquisition und Indexkongregation" wird dieses einmalige Archiv
neuzeitlicher Wissenskultur an der Universität Münster erforscht.
Das Projekt von Prof. Dr. Hubert Wolf und seinen Mitarbeitern hat sich
zum Ziel gesetzt, die gesamte römische Buchzensur von 1542 bis 1966,
dem Ende des "Index der verbotenen Bücher", zu untersuchen.
In dieser Grundlagenforschung geht es zunächst um eine Edition aller
"Bandi", der Urteilsplakate von Indexkongregation und Inquisition, die
alle Titel und Ausgaben der Werke, die in Rom verboten wurden,
präzise identifiziert. Zum zweiten wird ein vollständiges Inventar
der für die Buchzensur relevanten Akten erarbeitet. Dieses
"Systematische Repertorium" bietet einen Überblick über alle
Sitzungen der beiden Zensurkongregationen und ihrer Teilnehmer, über
alle verhandelten Bücher, über alle Gutachten und Zensuren und
letztlich über alle römischen Entscheidungen in Sachen Buchzensur.
Drittens werden die Mitarbeiter von Inquisition und Indexkongregation,
namentlich die Gutacher, und ihre konkrete Tätigkeit als Zensoren
erstmals in der "Prosopographie", einer bio-bibliographischen
Datenbank, erschlossen. Die Forschungen zum 19. Jahrhundert sind
abgeschlossen, die Ergebnisse soeben in sieben Bänden im Verlag
Ferdinand Schöningh (Paderborn) erschienen.
Im Rahmen eines Symposions vom 29. November bis 1. Dezember 2005 in
Münster präsentieren Prof. Dr. Hubert Wolf und sein Team ihre
Forschungen, die von internationalen Experten diskutiert werden. Beim
öffentlichen Festakt am 29. November im Schloss zu Münster haben
sich unter anderem angesagt Kardinal Tarcisio Bertone, Erzbischof von
Genua und Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre, Prof. Dr.
Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der DFG, und Prof. Dr. Andreas
Pinkwart, Minister für Innovation, Forschung und Technologie des
Landes Nordrhein-Westfalen.
Der Leibniz- und Communicator-Preisträger Prof. Wolf hält den
Festvortrag zum Thema "Bücher vor dem Tribunal der römischen
Glaubenswächter: Vom 'Knigge' über 'Onkel Toms Hütte' zu Hitlers
'Mein Kampf'". Anhand von drei ausgewählten Fällen beantwortet der
Kirchenhistoriker die Frage, was die Kardinäle der Inquisition alles
gelesen haben, warum sie welches Buch verboten und vor allem, warum
auch zahlreiche Werke unbeanstandet blieben und freigesprochen wurden.
Dadurch werden dem geheimsten aller Archive seine wichtigen
Geheimnisse entrissen.
INFO
Link: Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte
http://egora.uni-muenster.de/fb2/mnkg/sp_auto_35594.shtml