[WestG] [AKT] Universität Oxford bestaetigt Datierung des "aeltesten Westfalen" aus Hagen

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Mai 20 14:07:48 CEST 2005


Von: "Ralf Blank", <ralf.blank at historisches-centrum.de>
Datum: 20.05.2005, 13:55


AKTUELL

Universität Oxford bestätigt Datierung des "ältesten Westfalen" aus Hagen

Rund 10700 Jahre ist der in einer Höhle in Hagen vom Arbeitskreis
Kluterthöhle e.V.  im Frühjahr 2004 gefundene ca. 35-40 Jahre alte Mann.
Diese sensationelle Datierung eines Menschen aus der älteren Mittelsteinzeit
hatte das Leibniz-Labor der Universität Kiel vorgenommen.

Es handelt sich bei den menschlichen Überresten aus der engen und tief in
einen großen Kalkfelsen führenden Höhle bei Hagen nicht nur um den bisher
ältesten Hagener, sondern zugleich um den bisher frühesten Nachweis von
anatomisch modernen Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet.

Aufgrund der hohen Bedeutung des Fundes beauftragte das Historische Centrum
Hagen das Radiokarbon-Laboratorium der Universität Oxford ebenfalls mit der
Datierung der gleichen Proben der menschlichen Überreste. Die nun
vorliegenden Ergebnisse  des C14-Labors der Universität Oxford bestätigen
die von Professor Grootes an der Universität Kiel gewonnen Radiokarbondaten.

Sie entsprechen zum Teil bis auf das Jahr genau den dort ermittelten
Befunden. Normalerweise weichen die Daten von unterschiedlichen Laboren
immer ein wenig ab. Bei vielen anderen Proben beträgt die Abweichung sogar
mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte. Insofern ist die zeitlich fast
genaue Übereinstimmung der Daten aus Oxford und Kiel etwas besonderes.

Weitere Funde aus der Hagener Höhle, die derzeit von international
renommierten Wissenschaftlern des Neanderthal-Museums und der Universität
Hamburg ausgewertet werden, wurden vom Kieler Institut auf 5600 Jahre
datiert.

So lebte eine junge Frau, deren Skelett relativ vollständig rekonstruiert
werden konnte, zwischen 17 und 22 Jahren im so genannten Jungneolithikum,
d.h. rund 5000 Jahre später als der älteste Westfale wurde sie in der
Felshöhle bei Hagen bestattet.

Für die Archäologen ist auch der Fund von jungsteinzeitlichen Menschen von
großer Bedeutung; es handelt sich ebenfalls um einen sensationellen Fund aus
einer bisher wenig erforschten Epoche in Mitteleuropa. Auch diese Datierung
konnte von der Universität Oxford nun bestätigt werden.

Prof. Grootes von der Universität Kiel ist sehr zufrieden mit den
statistisch hervorragenden Ergebnissen, die die beteiligten Wissenschaftler
mit der ausgezeichneten Erhaltung der Jahrtausende alten menschlichen
Überreste und den offensichtlich außergewöhnlich guten  Sedimentbedingungen
in der Fundhöhle erklären.

So blieb in der Höhle vieles von dem erhalten, was zum Beispiel in Gräbern
im Freiland längst vergangen ist. Davon konnten sich mehrere Wissenschaftler
in den letzten Wochen bei Begehungen der durch Stadt und Polizei aufwendig
gesicherten Höhle überzeugen.

Für die zukünftige Untersuchung der archäologischen Funde aus der Höhle
sowie der gesamten Fundregion ergeben sich aus den an der Universität Oxford
gewonnenen Daten wertvolle Hinweise. Nicht zuletzt steht es nun das Alter
der Funde mit absoluter Sicherheit fest, da die an der Universität Kiel
ermittelten Daten den Ergebnissen eines weiteren Labors entsprechen. Das
wiederum unterstreicht den außergewöhnlichen Charakter und die hohe
überregionale Bedeutung der Hagener Funde.

Und es bleibt spannend, denn es liegt das Ergebnis einer weiteren Datierung
vor, die der wissenschaftlich fundierten Analyse und Interpretation bedarf:

Das Historische Centrum Hagen koordiniert einen Arbeitskreis von
Wissenschaftlern zur Erforschung der Hagener Höhle, zu dem auch Herr Dr.
Volker Wrede vom Geologischen Dienst NRW gehört.

In seinem Auftrag hatte das Institut für Geowissenschaftliche
Gemeinschaftsaufgaben  in Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Frechen eine
Holzkohlenprobe aus der Höhle ebenfalls einer Radiokarbonuntersuchung
unterzogen. Diese Holzkohlenprobe wurde datiert auf ein Alter von ca. 9535 -
9375 Jahre.

Für die vorläufige Auswertung der Datierung kann dieses Ergebnis unter
Umständen bedeuten, dass es vielleicht einen sogenannten dritten Horizont in
der Hagener Höhle geben könnte. Das würde bedeuten, dass die Höhle nicht nur
vor 10.700 und vor 5600 Jahren von Menschen aufgesucht wurde, sondern
eventuell auch in der Zeit um ca. 9400 Jahren.

Um dazu eine vertretbare Aussage zu treffen, sind weitere Forschungen
notwendig, denn auf welche Weise die Holzkohle in die Höhle kam, und ob es
überhaupt Zusammenhänge zwischen den in der Höhle bisher gefundenen
insgesamt mindestens sieben Individuen und den vielen Holzkohlstückchen
gibt, müssen die zukünftigen Grabungen zeigen. Bisher wurde jedenfalls noch
keine Feuerstelle ausgemacht, die mit den menschlichen Überresten und der
Holzkohle in Zusammenhang stehen könnte.

Es bleibt spannend bei den Forschungen um die Funde in der Hagener Höhle.


INFO

Weitere Informationen:
http://www.museum-werdringen.de/hoehle.php 

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