[WestG] [AKT] Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger erhält Leibniz-Preis

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Mar 1 12:43:06 CET 2005


Von: "Pressestelle der Uni Muenster", <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 01.03.2005 12:10


AKTUELL

Symbolische Kommunikation belohnt
Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger erhält Leibniz-Preis

Als einzige Geisteswissenschaftlerin unter insgesamt zehn
Preisträgern erhält Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger vom
Lehrstuhl für die Geschichte der frühen Neuzeit der Universität
Münster am 2. März in Berlin den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis.
Mit dem höchst dotierten deutschen Forschungspreis ist ein Preisgeld
in Höhe von 1,55 Millionen Euro verbunden.

Prof. Stollberg-Rilinger wird ausgezeichnet für ihre Arbeiten zur
Geschichte des juristischen und politischen Denkens im 17. und 18.
Jahrhundert, zur Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation in der frühen Neuzeit und zur symbolischen
Konstituierung von Stand und Rang in der frühneuzeitlichen
Gesellschaft. Wie ein Mensch sich kleidet, spricht, bewegt, ob er
Turnschuhe trägt oder Krawatte, sagt einiges über ihn aus. Nicht
nur über ihn als Individuum, auch über seine soziale Rolle und
gesellschaftliche Stellung. Die Wahl der Mittel geschieht oft
unbewusst, doch sind sie deswegen nicht weniger aussagekräftig in
unserer von Schrift bestimmten Welt.

Umso bedeutungsvoller waren Symbole für Gesellschaften, deren
Kommunikation noch nicht in demselben Maße von Schrift abhängig
war wie heute. "Bisher wurden Symbole immer als Zierat, als
Ausschmückung verstanden. Doch die jüngste Forschung zeigt, dass
Symbole die Realität konstituieren", erläutert Stollberg-Rilinger
ihren Ansatz, den sie auch als Sprecherin des
Sonderforschungsbereiches "Symbolische Kommunikation vom Mittelalter
bis zur frühen Neuzeit" in Münster verfolgt. Das Preisgeld, das
über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgezahlt wird, will die
Historikerin unter anderem dazu verwenden, eine Verfassungsgeschichte
des Heiligen Römischen Reiches als Symbolgeschichte zu schreiben.

Barbara Stollberg-Rilinger studierte in Köln Mittlere und Neuere
Geschichte und schloss dort ihre Promotion mit einer Arbeit zur
politischen Metaphorik des absoluten Fürstenstaates ab. Sie
habilitierte sich 1994 und wurde 1996 als Hochschuldozentin an die
Universität zu Köln berufen. Seit 1997 hat sie an der
Universität Münster den Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit
besonderer Berücksichtigung der Frühen Neuzeit inne. Sie ist
stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Historikerinnen und
Historiker Deutschlands, Mitglied in der Deutschen Gesellschaft zur
Erforschung des 18. Jahrhunderts, in der Vereinigung für
Verfassungsgeschichte, im DFG-Senatsausschuss für die
Graduiertenkollegs und Mitherausgeberin der "Zeitschrift für
Historische Forschung".

Der Leibniz-Preis, offiziell "Förderpreis für deutsche
Wissenschaftler im Gottfried Wilhelm-Leibniz-Programm", wird von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft jährlich für besonders
herausragende Leistungen vergeben. Mit ihm sollen die
Arbeitsmöglichkeiten einzelner Spitzenforscher und hervorragender
Forschergruppen verbessert und die Mitarbeit besonders qualifizierter
jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erleichtert
werden. Von der Universität Münster wurde im vergangenen Jahr
bereits der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf mit einem
Leibniz-Preis ausgezeichnet. Insgesamt lehren und forschen an der
Universität Münster sechs Leibniz-Preisträger.


INFO

Link: Lehrstuhl für Geschichte der frühen Neuzeit
(http://www.uni-muenster.de/Geschichte/hist-sem/NZ-G/L1/)