[WestG] [KONF] Denkmalpfleger und Naturschuetzer suchen nach Schutzkonzepten, Muenster, 28.06.-01.07.2005
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jun 29 11:46:10 CEST 2005
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 28.06.2005, 13:31
TAGUNG
Zurück zu den Wurzeln: Denkmalpfleger und Naturschützer
suchen nach gemeinsamen Schutzkonzepten
"Zurück zu den gemeinsamen Wurzeln", das ist die Leitlinie
der rund 300 Teilnehmer der Jahrestagung der
Landesdenkmalpfleger, die der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) für die Vereinigung der
Landesdenkmalpfleger in diesem Jahr im Schloss Münster in
der Zeit vom 28. Juni bis 1. Juli ausrichtet. Die
Denkmalexperten beschäftigen sich mit den Konflikten,
die bisweilen entstehen, wenn Denkmalpfleger, Natur- und
Landschaftsschützer unterschiedliche Ziele verfolgen. "Wir
sollten uns auf unsere gemeinsame Vergangenheit in der um
1900 entstandenen Heimatschutzbewegung erinnern. Wenn wir
die damals erarbeiteten Schutzkonzepte nicht mit
fachlichen Scheuklappen betrachten, sondern
weiterentwickeln, können wir viele der heutigen
Gegensätze leichter überwinden", präzisierte Prof. Dr.
Gerd Weiß, der Vorsitzende der Vereinigung der
Landesdenkmalpfleger am Dienstag (28.06.) zu Beginn der
Tagung vor Journalisten.
Die Ziele von Denkmalpflegern und Naturschützern scheinen
auf den ersten Blick gelegentlich tatsächlich
gegensätzlich zu sein. Etwa wenn historische Wehre und
Schleusen für Denkmalpfleger wichtige Dokumente der
Wasserbautechnik sind, während sie für Naturschützer oft
schlichtweg Hindernisse darstellen, die der Renaturierung
von Bächen und Flüssen im Weg stehen.
Und wo die Einen gerne ungehemmten Wuchs sehen, greifen
die Anderen zur Säge und Hecken-schere, um Teile von
Gartenkunstwerken in Form zu halten. Oder sie würden
andernorts am liebsten zum Schutz alter Mauern alle
spontan angesiedelten Pflanzen aus den Fugen entfernen,
auch wenn sie sehr selten sein sollten. "Bei solchen
Gegensätzen im Detail dürfen wir die gemeinsamen
Interessen nicht aus den Augen verlieren, denn alle
Beteiligten wollen das kulturelle Erbe erhalten, zu dem
das Zusammenspiel von Denkmälern und Natur gehört. Ziel
unserer Tagung ist es deshalb, Wege zu finden, wie wir bei
Konflikten die unterschiedlichen Schutzziele ausgleichen
können. Wir müssen versuchen, mit gemeinsamen
Schutzkonzepten wie der Kulturlandschaft oder dem
historischen Ortskern (Denkmalbereich) eine gemeinsame
Plattform von Denkmal- und Naturschutz zu finden, von der
beide Seiten profitieren", so Prof. Dr. Eberhard Grunsky
vom Denkmalpflegeamt des LWL.
Neben der Landestagung richtet das Westfälische Amt für
Denkmalpflege des LWL in diesem Jahr auch den "73. Tag für
Denkmalpflege" aus, der am Samstag, 2. Juli, um 14 Uhr im
Schloss Münster beginnt. Bei dieser öffentlichen
Veranstaltung können Fachleute und interessierte Laien
etwas dar-über erfahren, wie Stiftungen dazu beitragen,
das kulturelle Erbe zu erhalten und das ehrenamtliche
Engagement zu fördern. Denn in Zeiten knapper öffentlicher
Mittel sind Stiftungen nicht nur wichtig, um Geld für
gefährdete Denkmäler, sowie für den Natur- und
Umweltschutz aufzubringen, sie bieten Interessierten auch
gute Möglichkeiten gesellschaftliche Verantwortung zu
übernehmen. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr stellen unter
anderem die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Nordrhein-
Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege,
die Stiftung Naturschutzgeschichte aus Königswinter und
die Lemgoer Staff-Stiftung ihre Projekte vor. Mit ihren
Engagement zeigen auch die Stiftungen, dass Denkmal- und
Naturschützer sehr erfolgreich zusammenarbeiten können,
auch wenn ihre Ziele gelegentlich scheinbar
entgegengesetzt sind.
Außerdem nutzen Stiftungen vielfach ihre finanziellen
Möglichkeiten dazu, für die Lösung alter Aufgaben neue
Wege ausfindig zu machen. Ihre Arbeit ist also für
Denkmal- und Naturschutz weit über finanzielle Beiträge
hinaus von großem Interesse.
Hintergrund:
Die Denkmalpflege erlebte um 1900 im Zuge der damals
aufkommenden Heimatschutzbewegung einen enormen
Aufschwung. Wichtige Etappen waren 1904 die Gründung des
Deutschen Bundes Heimatschutz, 1907 das "Gesetz gegen die
Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden" und
1911 der regelmäßig alle zwei Jahre veranstaltete
gemeinsame Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz. Ziel
der Heimatschutzbewegung war es, Altvertrautes, geschätzte
Traditionen und solide Handwerksarbeit als Ressourcen zu
bewahren, die durch die Industrialisierung und die Moderne
gefährdet schienen. In der Folgezeit, vor allem nach 1945
haben sich die einzelnen Schutz-Bestrebungen immer mehr
spezialisiert und eigenständige Schwerpunkte und Methoden
entwickelt.
INFO
73. Tag für Denkmalpflege
Samstag, 2. Juli, 14 bis 18 Uhr
Aula im Schloss
Schlossplatz 2
Münster