[WestG] [AUS] Westfaelisches Freilichtmuseum Detmold eroeffnet das Armenhaus aus Rinkerode

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Jul 1 13:44:35 CEST 2005


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 01.07.2005, 13:11


AUSSTELLUNG

"Ein Haus für arme Frauen" - Das Westfälische Freilichtmuseum Detmold eröffnet das Armenhaus aus Rinkerode

"Gedenkt, ihr Armen, eurer Wohltäter. Dieses Haus wurde zum Trost der Armen 1824 wiederaufgebaut." - so lautet die Übersetzung der Bauinschrift des Armenhauses aus Rinkerode (Kreis Warendorf), das ab dem 5. Juli im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold zu besichtigen ist. 1966 abgebaut, hat es der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt in seinem Museum wieder errichtet. Das Haus war in Rinkerode Nachfolgebau eines wegen Baufälligkeit abgerissenen ersten Armenhauses aus dem 17. Jahrhundert.

Die Armen, an die in der Inschrift appelliert wurde, waren alleinstehende Rinkeroder Frauen, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten. Sie erhielten im Armenhaus eine kostenlose Unterkunft und eine kleine finanzielle Unterstützung. Zu ihren Wohltätern zählte in erster Linie die Familie von Kerckerinck zur Borg, die das Armenhaus durch eine fromme Stiftung im Jahr 1628 ins Leben gerufen hatte. Die Bewohnerinnen des Armenhauses waren im Gegenzug verpflichtet, für das Seelenheil der verstorbenen und lebenden Mitglieder der Familie zu beten.

Bei der Präsentation des Armenhauses hat das LWL-Museum neue Wege beschritten. Projektleiterin Kirsten Bernhardt freute sich bei der Eröffnung:  "Statt wie gewohnt eine historischen Ausstattung anzu-treffen, begegnen Besucherinnen und Besucher hier modernen Inszenierungen, die über die Armenhausstiftung, die Bewohnerinnen und das Leben im Armenhaus informieren.
 
Das Gebäude war für das Museumsteam eine besondere Herausforderung: Es galt, ein neues Konzept für die Präsentation des Armenhauses im Museum zu erarbeiten, denn auf die übliche historische Möb-lierung und Einrichtung sollte in diesem Fall verzichtet werden, zudem stehen dem LWL-Museum nicht für alle Gebäude Hausbetreuungen für die persönliche Vermittlung zu Verfügung. Das Museum wollte etwas Neues bieten: Dazu hat das Museumsteam eine Darstellungsform entwickelt, die den Besucherinnen und Besuchern auf ungewohnte Weise Einblicke in die Geschichte des Armenhauses und seiner Bewohnerinnen gewährt - und dass ohne "Wandtapeten" voller Texte. 

Wesentliche Unterstützung leistete dabei das Büro Homann Güner Blum - Visuelle Kommunikation aus Hannover. Ergebnis der Kooperation ist eine Präsentation, die in ihren Inszenierungen in erster Linie auf das Sehen und Hören setzt, die Texte sind auf ein prägnantes Minimum reduziert. Vor dem Armenhaus geben drei moderne Stelen eine kurze Einführung ins Thema, sie bilden die Grundlage für das Verständnis der weiteren Präsentation. Das Gebäude selbst wurde in seinen ursprünglichen Zustand von 1824/25 zurückversetzt, so dass man hier beispielsweise die beengten Raum und auch die Lichtverhältnissse, unter denen die Frauen lebten, selbst nachempfinden kann. Die einzelnen Räume im Inneren (Flur, vier Kammern, Küche und Stube) widmen sich auf verschiedene Weise der Frage, wer hier im Laufe der Stiftungsgeschichte unter welchen Umständen lebte. Das Gebäude selbst wurde in seinen Originalzustand von 1824 zurückversetzt und ist Teil der Inszenierungen. 

Am Freitag, 5. Juli, findet um 14 Uhr unter dem Titel "Das Armenhaus aus Rinkerode und seine museale Präsentation" eine öffentliche Führung durch das neu eröffnete Gebäude statt.