[WestG] [AKT] "Mein 18. November": Volkskundler erhielten bisher 3.500 Zuschriften
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Dez 9 13:05:46 CET 2005
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum 09.12.2005, 11:55
AKTUELL
"Mein 18. November": Volkskundler erhielten bisher 3.500 Zuschriften
Die Aktion "Mein 18. November" in dessen Rahmen die Volkskundler des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und der Universität Münster
die Menschen in Westfalen gebeten haben, an diesem einen Tag Tagebuch
zu führen läuft zwar noch bis Samstag, 17. Dezember. Dennoch haben die
Volkskundler schon eine erste Bilanz gezogen: "Die über 3.500 Zuschriften
sind im Durchschnitt jeweils fast drei Seiten lang. Das heißt wir haben fast
10.000 Seiten Alltagskultur zugeschickt bekommen. Wir sind sehr zufrieden
mit der Resonanz", erklärt Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann, die Initiatorin
des Projekts.
Rund 70 Prozent kamen übrigens ganz althergebracht per Post, die
übrigen Zuschriften gingen als E-Mail oder Fax ein. "Zur Zeit archivieren wir
die Zuschriften", sagt Dr. Lutz Volmer, Projektmitarbeiter bei der
Volkskundlichen Kommission des LWL. "Wir haben uns natürlich erst einen
Teil der Einsendungen näher ansehen können: Diese Analyse der ersten
Briefe zeigt, dass die Einsendungen aus allen Teilen Westfalens und Lippes
kommen". Frauen haben sich stärker beteiligt als Männer, die nur mit gut
40 Prozent vertreten sind. In ähnlicher Weise gibt es auch bei den
verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Gewichtungen: Während nur
relativ wenig Menschen mittleren Alters geschrieben haben, sind häufiger
Briefe von Seniorinnen und Schülerinnen eingegangen.
Ihren Alltag beschrieben haben auch prominente Unterstützer, die ihre
Beteiligung im Vorfeld zugesagt hatten, zum Beispiel der Journalist Manfred
Erdenberger. Darüber hinaus gibt es auch Zuschriften von vielen
Bürgermeistern, Pastoren, Professoren, hochrangigen Vertretern des LWL
und sogar aus alteingessenen Adelsfamilien.
"Wir sind überrascht, wie sorgfältig die Teilnehmer ihre Berichte formuliert
haben", sagt Dr. Volmer. Fast alle Beiträge enthalten am Anfang die
Sozialdaten, nach denen die Volkskundler in Ihrem Aufruf gefragt haben.
"Die Inhalte der einzelnen Briefe sind sehr unterschiedlich und vielschichtig,
es gibt auf den ersten Blick kein Thema das besonders herausragt", sagt Volmer.
Die meisten Einsendungen sind chronologisch aufgebaut und beginnen
folglich mit dem morgendlichen Weckerklingeln. So schrieb eine zwölfjährige
Schülerin: "6.15 Uhr: Mein Vater kommt ins Zimmer gestürmt und weckt mich
aus meinem Traum, in dem ich gerade als erster Mensch den Mars besteige",
ein etwas älterer Schüler beklagt: "Zu lange geschlafen und kam mal wieder
nicht aus dem Bett".
"Bei Studenten fällt der nur wenig durchgeplante Alltag auf, der - entgegen
aller Klischees vom sorglosen Studentenleben - doch oft mit dem Lesen von
Büchern gefüllt ist. Jüngere Menschen thematisieren recht häufig
Freundschaften und auch schon mal Beziehungsprobleme. Die Berichte der
älteren Menschen handeln nicht selten von der Vergangenheit, aber auch
von Krankheiten oder Schlafstörungen", hat Volmer beim ersten Durchschauen
der Einsendungen herausgefunden.
Ein Buch mit 60 bis 100 Berichten, das die ganz unterschiedlichen Aspekte des
Materials widerspiegeln soll, wird in einem Jahr erscheinen, nämlich am
18. November 2006. Einige Zuschriften präsentieren die Volkskundler bereits
jetzt auf der Internetseite des Projektes unter www.mein18november.de.
INFO
Im Rahmen der Aktion "Mein 18. November" werden Berichte darüber gesammelt,
wie die Westfalen und Westfälinnen "ihren" 18. November 2005 verbracht haben.
Abgeschickt werden können Berichte noch bis zum 17. Dezember. Je ausführlicher
die Teilnehmer schreiben, umso ergiebiger ist das Projekt. Alle Berichte werden
im Archiv der Volkskundlichen Kommission für die Zukunft archiviert. Jeder Brief
sollte Geschlecht, Geburtsjahr, Geburtsort, Familienstand, Wohnort und Beruf
enthalten. Die Zuschriften gehen an: "Mein 18. November", Scharnhorststraße 100,
48151 Münster, per Fax an 0251 83-28393 oder per E-Mail an
briefe at mein18november.de. Weitere Informationen und einige der bereits
angekommenen Berichte finden sich auf der Internetseite des Projektes unter
www.mein18november.de.