[WestG] [AUS] Barbara in der Ausstellung "Aufbau West" auf Zollern, Dortmund, 18.09.2005-26.03.2006
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Dez 2 12:14:25 CET 2005
Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 02.12.05, 10:32
AUSSTELLUNG
Die Heilige mit der Grubenlampe
Barbara in der Ausstellung "Aufbau West" auf Zollern
Traditionell in langem Gewand, einen Kelch in der Hand haltend und
aufgestützt auf einen Turm, so erscheint die Heilige Barbara rund
um ihren Gedenktag am 4. Dezember in vielen klassischen Darstellungen.
In der Ausstellung "Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und
Wirtschaftwunder", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
derzeit auf der Zeche Zollern II/IV zeigt, lernen Besucher die Barbara
als Schutzheilige der Bergleute kennen: mit einer Grubenlampe statt
des Kelches in der Hand. Barbarastatuen und -reliefs gehören zu den
insgesamt 300 Objekten der Sonderausstellung im Westfälischen
Industriemuseum in Dortmund.
Die Heilige Barbara wurde nach dem Übertritt zum Christentum durch
ihren heidnischen Vater verfolgt, in einem Turm gefangen gesetzt und
starb schließlich den Märtyrertod, so berichten es die Legenden. Vor
diesem Hintergrund wird sie traditionell mit den Attributen Turm und
oftmals auch einem Kelch abgebildet, der als Zeichen für die letzte
Wegzehrung vor dem plötzlichen Tod dient.
Im Ruhrbergbau breitete sich die Barbaraverehrung erst nach dem
Zweiten Weltkrieg in größerem Umfang aus. Flüchtlinge und Aussiedler
aus Oberschlesien, wo die Barbaraverehrung besonders populär war,
brachten sie zunächst nach Bochum mit. Über die Landschaftsmann
verbreitete sich der Brauch der Barbarafeiern - nicht zuletzt mit Hilfe
des damaligen Direktors des Bergbaumuseums, Dr. Henrich Winkelmann -
im ganzen Revier. Seit der Mitte der 1950er Jahre verwandelte sich die
Barbara hier von einer katholischen Heiligen zur ökumenischen
Schutzpatronin des Bergbaus. Passenderweise ändert sich dabei auch
ein Attribut: Der Kelch wurde durch eine Grubenlampe ersetzt.
"Der Modernisierung der Heiligen Barbara im Bergbau folgte dann
bald die weitere Verweltlichung: Die neue Rolle der Barbara wurde
vor allem im Arbeitsschutz deutlich, der mit der Schutzfunktion der
Heiligen aber nur noch spielte", erklärt Dr. Dagmar Kift, Expertin für
Bergbau aus dem Ausstellungsteam. So wurde das Unfallverhütungsplakat
"Barbsi" Anfang 1970 in allen RAG Betriebsstätten aufgehängt und zeigt
einen angeseilten Bergmann sowie eine Frau namens "Barbsi" mit
Schutzhelm. Der Plakattext lautet: "Auf diesen Engel ist Verlaß: Anseilen!"
Schutz bot in diesem Fall also nicht mehr die Heilige, sondern das
Einhalten der Unfallverhütungsvorschriften.
Der traditionelle Gedenktag der Heiligen Barbara, Sonntag, 4. Dezember,
bietet sich vor diesem Hintergrund gut für einen Besuch der Zeche
Zollern II/IV an. In der Ausstellung "Aufbau West" wird die Entwicklung
der Heiligen Barbara zur Schutzpatronin des Bergbaus anhand von
verschiedenen Statuen und Reliefs anschaulich. Ausgesuchte
Werbeprospekte und Plakate verdeutlichen außerdem ihre neue Rolle
im Arbeitsschutz des Bergbaus.
INFO
Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder
18.09.2005 bis 26.03.2006
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5
Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr
Offene Führung für Einzelbesucher (nur Museumseintritt): sonn- und feiertags 15 Uhr