[WestG] [AKT] Kulthoehlen der Eisenzeit, Vortrag im Historischen Centrum Hagen, 01.09.2005, Hagen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Aug 18 11:34:11 CEST 2005
Von: "Historisches Centrum [Info]", <info at historisches-centrum.de>
Datum: 16.08.2005, 07:11
AKTUELL
Kulthöhlen der vorrömischen Eisenzeit
in Südwestfalen
Priv.-Doz. Dr. Hartmut Polenz
Westfälisches Museum für Archäologie, Münster
Die Höhlen des Sieger- und des Sauerlandes, die während der Altsteinzeit in
vielfältiger Weise von den urgeschichtlichen Menschen genutzt worden waren,
haben in der folgenden Jungsteinzeit sowie in der Bronzezeit, sieht man von
wenigen aussagekräftigen Funde ab, die bei im Lennetal bei Hagen und im
Grünetal bei Letmathe entdeckt wurden, anscheinend so gut wie keine
Bedeutung mehr für die Menschen gehabt. Erst mit dem Aufkommen des Eisens,
als man erneut begann, das Mittelgebirge intensiver zu besiedeln, um die
dort vorhandenen Erzvorkommen abzubauen und zu verhütten, kommen die Höhlen
wieder ins Blickfeld.
Die Ausgrabungen und Untersuchungen haben gezeigt, dass es in den Höhlen
während der letzten sieben Jahrhunderte vor Chr. immer wieder zu einer
vielfältigen Nutzung gekommen ist, in deren Verlauf offensichtlich auch
Menschenopfer dargebracht wurden. Wir haben es also bei diesen Höhlen, die
vor allem im Hönnetal zwischen Balve und Menden sowie im Lennetal zwischen
der Hohensyburg und Letmathe liegen, mit Naturheiligtümern zu tun, in denen
auch Kulthandlungen in fortlaufender Folge stattfanden.
Vermutlich sollten die Opfer in der Vorstellungswelt der eisenzeitlichen
Menschen erdverbundenen Mächten gelten, die die Fruchtbarkeit von Mensch,
Vieh und Feld gewährleisten sollten. Nach den Funden in den Höhlen zu
urteilen, haben in erster Linie Frauen an diesen Kulten teilgenommen,
offensichtlich sowohl als Opfernde als auch als Geopferte, wie die
Aufdeckung entsprechender Skelettreste beispielsweise in der "Leichenhöhle"
im Hönnetal gezeigt haben.
Dieser Opferbrauch in Höhlen in eine Erscheinung, die wir während der
vorrömischen Eisenzeit in ganz Mittel- und Südosteuropa nachweisen können.
Der Brauch als solcher ist vermutlich von ortsfremden Bevölkerungsteilen,
deren Heimat südlich der Alpen zu suchen ist, im Verlauf des 7.
vorchristlichen Jahrhundert nach Westfalen gebracht worden.
Angesichts der im Frühjahr 2004 in einer Höhle bei Hagen entdeckten
Skelettreste von mehreren Menschen aus der Mittel- und Jungsteinzeit besitzt
der Vortrag eine besondere Aktualität.
INFO
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Der Eintritt ist frei