[WestG] [AUS] Landesausstellung Herne zeigt spaete Funde aus der Balver Hoehle, Herne, 23.09.2005.-05.02.2006

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Aug 9 11:26:09 CEST 2005


Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 08.08.2005, 10:46


AUSSTELLUNG

Alter Westfale in alter Kiste
Späte Funde aus der Balver Höhle ab September in der 
Landesausstellung in Herne

Alle fünf Jahre präsentieren die Fossilienforscher und 
Archäologen in Nordrhein-Westfalen ihre aktuellen 
Forschungsergebnisse und die wichtigsten Funde der 
Öffentlichkeit. In der Landesausstellung "Von Anfang 
an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen" zeigt das 
Westfälische Museum für Archäologie in Herne ab dem 
23. September über 35.000 Objekte aus 320 Millionen 
Jahren. Einige der wichtigsten Exponate stellt der 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger 
des Museums in einer Serie vor.

Im Gegensatz zu den anderen Objekten in der 
Landesausstellung in Herne sind die Fundstücke aus der 
Balver Höhle (Märkischer Kreis) alles andere als neu: 
Bereits 1939 ausgegraben, lagen sie jahrzehntelang in 
Kisten in den Archiven des Westfälischen Museums 
für Archäologie in Münster und des Sauerlandmuseums in 
Arnsberg. Dass aber auch in alten Kisten noch so 
manche Überraschung verborgen sein kann, zeigen die 
neuen Untersuchungen an den über 80.000 Fundstücken 
aus der größten offenen Gebirgshöhle Deutschlands.

Um die Bedeutung dieses wichtigen Fundplatzes nach dem 
Umzug des LWL-Archäologiemuseums nach Herne angemessen 
darzustellen, wurde 2003 eine erneute Sichtung der 
alten Funde aus der Balver Höhle notwendig. Dabei 
haben die Wissenschaftler ein menschliches 
Schädelfragment datiert. Das Ergebnis ließ staunen: 
Statt der vermuteten 3.000 Jahre, ergab die so 
genannte Radiokarbondatierung ein Alter von etwa 
10.400 Jahren. Dieser Mensch war demnach schon in der 
frühen Mittelsteinzeit gestorben. In den alten 
Kisten verbarg sich damit einer der derzeit ältesten 
direkten Nachweise eines modernen Menschen (Homo 
sapiens) in Westfalen. 

Die Funde aus der ersten systematischen Grabung von 
1939 lagen fast 60 Jahre lang unbeachtet in den 
Archiven. Die Grabung war damals notwendig geworden, 
da in der Balver Höhle seit den 1830er Jahren der 
phosphatreiche Boden als Dünger für die umliegenden 
Felder abgebaut wurde. Dadurch waren viele 
archäologisch wichtige Schichten bereits zerstört, als 
die Forscher sich für diesen Fundplatz interessierten. 
Trotz der über einhundert Jahre dauernden Nutzung der 
Balver Höhle durch den Düngerabbau machten sie aber 
noch zahlreiche Funde: Insgesamt wurden 50.000 Knochen 
von Tieren und Menschen und 35.000 Steinwerkzeuge 
entdeckt.

Vor allem für Reste von eiszeitlichen Tieren ist die 
Höhle bekannt: von Mammut und Nashorn über 
Riesenhirsch, Wisent und Eisfuchs bis hin zu 
Pantherkatzen und Vögeln. Allein die 
Höhlenbärenknochen konnten über einhundert 
verschiedenen Individuen zugeordnet werden. Die Bären 
hielten ihren Winterschlaf in der Höhle. In dieser 
Zeit sind viele von ihnen verhungert oder an 
Krankheiten gestorben. Auf einigen Bärenknochen aus 
einer Schicht mit 60.000 Jahren alten Neanderthaler-
Steinmessern fanden die Forscher jetzt mit Hilfe von 
Mikroskopen Schnittspuren, die von der Zerlegung der 
Tiere zeugen. Dass Neanderthaler auch die großen und 
gefährlichen Höhlenbären jagten, war bis jetzt nur 
spärlich belegt.
 
Bereits die frühen Ausgräber bezeichneten eine 
Fundschicht als "Mammutschicht". In ihr fanden sich 
Knochen von ebenfalls mehr als einhundert Mammuts und 
Werkzeuge der Menschen, die vor 60.000 Jahren hier 
lebten. Aber auch Funde aus weit jüngerer Zeit 
stammen aus der Höhle, wie zum Beispiel die Reste 
eines Kult- moder Bestattungsplatzes aus der 
vorrömischen Eisenzeit, also aus den letzten 
Jahrhunderten v. Chr. 

LWL-Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschoff-Thale: "Die 
Balver Höhle war ein Ort, den Menschen und Tiere seit 
über 60.000 Jahren aus den verschiedensten Gründen 
immer wieder aufsuchten. Und dass der moderne Mensch 
sich nur schwer der Faszination einer solchen Höhle 
entziehen kann, beweisen die zahlreichen 
Veranstaltungen in der Höhle vom 
Klassik-Konzert bis zum Auftritt der Rapband 'Die 
Fantastischen Vier'."

Etwas "Höhlengefühl" gibt es auch für die Besucher im 
Archäologiemuseum in Herne: Aus originalen Materialien 
wurde hier die Balver Höhle für die Dauerausstellung 
inszeniert. In der Landesausstellung sind zusätzlich 
viele Funde aus der Balver Höhle zum ersten Mal für 
die Öffentlichkeit zugänglich.


INFO

"Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen"
23. September 2005 bis 05. Februar 2006
Westfälisches Museum für Archäologie in Herne, 
Europaplatz 1
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 bis 17 Uhr
Donnerstag 9 bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr
www.museum-herne.de