[WestG] [AKT] Vortrag, W. Wette: Antisemitismus in der deutschen
Wehrmacht, Paderborn, 13.04.2005
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Apr 5 09:20:17 CEST 2005
Von: "Barbara Stenger" <barbara.stenger at web.de>
Datum: 04.04.2005, 20:17
AKTUELL
"Antisemitismus in der deutschen Wehrmacht"
Vortrag von Wolfram Wette
Zeit: am 13. April 2005, 19 Uhr
Ort: Räume der AWO, Leostr. 45, 33098 Paderborn
Eintritt: frei
Der Verein für Geschichte an der Universität Paderborn VfG freut sich, gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Paderborn zu diesem Vortrag einladen zu dürfen.
gez. Dr. Margit Naarmann, 1. Vors. VfG
Zum Vortrag:
Gab es in der deutschen Wehrmacht einen besonders ausgeprägten Antisemitismus, der die Beteiligung von Soldaten an den Judenmorden erklären kann? Weshalb konnten die Täter des Holocaust offensichtlich mit der aktiven Zustimmung oder zumindest mit dem klammheimlichen Wegschauen der Mitläufer rechnen, zu denen auch Soldaten der Wehrmacht gehörten? Richtig ist der Hinweis auf die Obrigkeit, in diesem Falle auf die militärischen Oberkommandos, die mit ihren zentralen Befehlen die Schleusen zu den Mordtaten öffneten und damit sicher stellten, dass die Judenmorde als Staatsverbrechen organisiert und durchgeführt werden konnten.
Aber die Ursachen dieses Verhaltens liegen tiefer. Es gab auch im deutschen Militär eine Tradition des Antisemitismus, die zumindest bis in die Zeit des deutschen Kaiserreiches zurückreicht. Sie ist bislang wenig thematisiert worden. In mehreren deutschen Publikationen wird das - an sich ehrenwerte - Ziel verfolgt, antisemitische Parolen früherer Jahrzehnte über die angebliche Drückebergerei von Juden im Ersten Weltkrieg zu widerlegen. Sie bestätigen, dass die Deutschen jüdischen Glaubens nicht minder patriotisch waren als die Deutschen anderer Konfessionen. Eine in den 70er Jahren im Auftrage des Bundesministeriums der Verteidigung erarbeitete Wanderausstellung "Deutsche jüdische Soldaten 1914-1945", die seitdem durch die Republik wandert, verfolgte das "staatspolitische Anliegen", so der damalige Bundestagspräsident Richard Stücklen, die deutschen jüdischen Soldaten zu rehabilitieren.
Man reibt sich die Augen - und erkennt, dass bei dieser Perspektive eine viel wichtigere Frage ungestellt bleibt und ausgeblendet wird: Die Frage nach dem Ausmaß und der Rolle des Antisemitismus im deutschen Militär vor Hitler und natürlich auch während der NS-Zeit. Der Tradition des Antisemitismus im deutschen Militär nachzugehen, ist der Gegenstand des Vortrages von Wolfram Wette, vormals (1971-1995) Historiker im Militärgeschichtlichen Forschungsamt Freiburg, jetzt Professor für Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In seinem Buch "Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden", das soeben im Fischer-Taschenbuch-Verlag erschienen ist, wird dieser Problemkreis ausführlich untersucht.