[WestG] [AKT] Archaeologen beenden Ausgrabung in Dorpede

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Sep 23 09:44:32 CEST 2004


Von "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 21.09.2004, 08:40


AKTUELL

Wüstung mit Überraschung 
Archäologen beenden Ausgrabung in Dorpede

In der mittelalterlichen Wüstung "Dorpede" bei Marsberg-
Westheim (Hochsauerlandkreis) haben Archäologen des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ihre 
Ausgrabungen vom vergangenen Jahr fortgesetzt. "Die 
wichtigste Entdeckung war die Kirche, denn zum ersten Mal 
konnte in Westfalen die Kirche einer mittelalterlichen 
Wüstung zusammen mit einem Teil der umgebenden Besiedlung 
freigelegt werden", erklärt Stefan Eismann vom LWL-Amt für 
Bodendenkmalpflege. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte 
des 12. Jahrhunderts errichtet, die Wüstung selbst ist 
aber wesentlich älter. Denn unter dem Kirchenfußboden 
wurde Keramik geborgen, die aus dem 9. Jahrhundert stammt.

Das um 1400 aufgegebene Dorf Dorpede ist aus schriftlichen 
Quellen bekannt und seine genaue Lage im Flurnamen 
"Dörpeder Mark" bei Marsberg-Westheim erhalten. Die 
Ausweisung eines Gewerbegebietes durch die Stadt Marsberg 
auf dem denkmalgeschützten Areal zwang das LWL-Amt für 
Bodendenkmalpflege zur Untersuchung der betroffenen 
Fläche. Die 2003 begonnene Ausgrabung wurde 2004 in Form 
einer sechsmonatigen Kampagne mit einem Team von drei bis 
sechs Leuten fortgesetzt und geht in diesen Tagen zu Ende.

"Die Kirche ist eine typische Dorfkirche: ein kleiner 
überwölbter Saal mit einem rechteckigen Chor", beschreibt 
Stefan Eismann das Gebäude. Im unmittelbaren Umfeld der 
Kirche befindet sich neben mehr als 30 Gräbern auch ein 
gepflasterter Weg zur Kirche. Jenseits des Kirchhofs 
liegen die Wohngebäude der Dorfbevölkerung, die zum Teil 
aus der gleichen Zeit wie die Kirche stammen. Dunkle 
Verfärbungen im Boden zeugen von den Pfosten der 
Holzbauten. Aber die Grundmauern eines kleinen Speichers 
weisen wie andere Fundamentreste darauf hin, dass die 
Kirche nicht das einzige steinerne Gebäude im Ort war.

Besonders ein großes Gebäude westlich der Kirche hat es 
den Archäologen angetan. Denn die schriftlichen Quellen 
sagen aus, dass Dorpede seit dem Beginn des 15. 
Jahrhunderts verlassen war. Um so größer war die 
Überraschung, als aus dem Haus Keramik des späten 15. 
Jahrhunderts zu Tage kam. "Möglicherweise hat das Kloster 
Dalheim, dem Teile des Dorfes gehörten, eine Zeit lang 
versucht, hier wieder ein Wirtschaftsbetrieb aufzuziehen", 
versucht Stefan Eismann den Widerspruch aufzulösen. Neben 
der Größe des Gebäudes deuten bauliche Details wie ein 
massiver steinerner Anbau, verputzte Steine, ein 
Abwasserkanal und der Fund eines Reitersporns daraufhin, 
dass hier keine gewöhnlichen Bauern lebten. 

Die örtliche Überlieferung spricht zwar von einem Ende des 
Dorfes Dorpede in einer Brandkatastrophe, doch dürften 
vielmehr Überschwemmungen die Aufgabe der Siedlung 
eingeläutet haben. Denn große Teile der aufgedeckten 
Siedlungsreste waren von Schwemmschichten bedeckt. Ob die 
in der Nähe fließende Diemel oder zu ihr hinführende Bäche 
für diese Umweltkatastrophe verantwortlich waren, können 
die Archäologen zur Zeit noch nicht sagen.

Da im nächsten Jahr die Arbeiten an einer Zufahrtsstraße 
zum neuen Gewerbegebiet und die Vorbereitungen für eine 
Bachrenaturierung beginnen sollen, findet die von der 
Stadt Marsberg finanzierte Notgrabung in diesen Tagen ihr 
Ende. "Es sind nicht alle Fragen geklärt, aber dennoch 
sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Schließlich 
kam deutlich mehr ans Tageslicht, als wir erwartet 
hatten.", fasst Stefan Eismann die Grabung zusammen.