[WestG] [AKT] Vortrag: "100 Jahre Nordseewerke in Emden", Henrichenburg, 21.09.2004

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Mon Sep 13 13:17:51 CEST 2004


Von: Geschichtskultur Ruhr, <geschichtskultur at hclist.de>
Datum: 13.09.2004, 12:14
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "Geschichtskultur Ruhr"


AKTUELL

"100 Jahre Nordseewerke in Emden" - Diavortrag im Industriemuseum Altes
Schiffshebewerk Henrichenburg
21. September 2004, 19.30 Uhr

Mit der Gründung der Nordseewerke Emder Werft & Dock AG im Jahre 1903
begann der industriell betriebene Eisen-, Stahl- und Dampfschiffbau. Seit
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mit  dem Ausbau des Emder Seehafens sowie
des Straßen-, Schienen-, und Kanalnetzes Voraussetzungen für die
Industrialisierung in der nordwestlichen Region Deutschlands(Ostfriesland)
geschaffen. Mit der Fertigstellung des Dortmund-Ems-Kanals, der Vollendung
der Hafenerweiterung in Emden und der Vertiefung der Ems war eine
verkehrstechnische Anbindung an das östliche rheinisch-westfälische
Industriegebiet gegeben. Somit konnte sich Emden als Seehafen für Kohle-,
Erz- und Getreideexporte etablieren.

Nach Überwindung von Anfangsschwierigkeiten konnte der Werft- und
Dockbetrieb im Emder Hafen weiter ausgebaut werden. Die Große Seeschleuse
und der Neue Binnenhafen (1913) schufen Voraussetzungen für den neuen
Großschiffbau. Die Boomphase nach dem Ersten Weltkrieg, in dem die Werft im
Kriegsschiffbau tätig war, brachte den Nordseewerken viele Aufträge.
Es referiert der Industriearchäologe Dr. Dirk J. Peters, Wissenschaftler
beim Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, über die 100-jährige
Geschichte der Nordseewerke Emden (1903-2003). Der Referent geht auch auf
die Krisenjahre des deutschen Schiffbaus (1926 bis 1936), auf die
Entwicklung während der Nazizeit, auf die schwierige Zeit seit Beginn  des
Zweiten Weltkrieges (Kriegsproduktion; U-Boote; Produktion mit
Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern) sowie auf die unmittelbare
Nachkriegszeit ein (Schiffbauverbot).

In den 50er und 60er Jahren wurden die Nordseewerke als Tochterfirma des
Rheinstahl-Konzerns zu einem der führenden Schiffbaugroßbetrieben in der
Bundesrepublik mit einer vielseitigen Produktionspalette. In den 70er und
80er Jahren musste die Emder Werft, die inzwischen zu Thyssen gehörte, sich
dem rücksichtslosen Konkurrenzkampf aus Japan und Südkorea stellen.
Heute beschäftigen sich die etwa 1400 Mitarbeiter der Nordseewerke, die zur
Unternehmensgruppe Thyssen/Krupp Technologies gehören, mit Neubau und
Reparatur von Containerschiffen, Saugbaggern, Gas- und Chemikalientankern
sowie Eisbrechen. Daneben spielt der Marineschiffbau (U-Boote, Fregatten,
Korvetten und Forschungsfahrzeuge) eine wichtige Rolle. Die leistungsfähige
und innovative Werft in Emden ist für die nächsten Jahre gut ausgelastet
und kann trotz der geplanten Zusammenlegung des Militärschiffbaus mit Blohm
+ Voss in Hamburg und den Kieler Howaldtswerken optimistisch in die Zukunft
blicken.

Wer bei dieser spannenden Reise in die Geschichte des Schiffbaus dabei sein
möchte, ist herzlich willkommen. Der Eintritt ins LWL- Industriemuseum ist
frei.


INFO

Altes Schiffshebewerk Henrichenburg
Am Hebewerk 2
45731 Waltrop