[WestG] [AKT] Weihnachtsvorlesung: Geschichte der Pyrotechnik,
Siegen, 01.12.2004
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Nov 16 10:56:28 CET 2004
Von: "Barbara Stambolis", stambolis geschichte.uni-siegen.de
Datum: 16.11.2004, 07:54
AKTUELL
Feuerwerke.
Geschichte der Pyrotechnik und Auffassungen
ueber Verschwendung im geschichtlichen Wandel
PD Dr. Barbara Stambolis
Weihnachtsvorlesung der Faecher Geschichte und Chemie an
der Universitaet Siegen am 1. Dezember 2004 (17.00 Uhr,
Adolf-Reichwein-Str. 2, Gruener Hoersaal)
Am 1. Dezember 2004 veranstaltet das Fach Geschichte (PD
Dr. Barbara Stambolis) in Kooperation mit dem Fach Chemie
Herrn Prof. Dr. Wenclawiak) der Universitaet Siegen eine
Weihnachtsvorlesung „Feuerwerke. Geschichte der Pyrotechnik
und Auffassungen ueber Verschwendung im geschichtlichen Wandel".
Die Vorlesung findet in Zusammenarbeit mit dem Pyrotechniker
Thomas Fischer statt.
Weihnachtsvorlesungen haben in Grossbritannien seit dem 19.
Jahrhundert Tradition. Nach Heiligabend wird seit 1966 vom
BBC-Fernsehen an fuenf Tagen hintereinander jeweils eine volle
Stunde Wissenschaft ausgestrahlt, aufgenommen im Holz getaefelten
Hoersaal der Royal Institution in London. Jedes Jahr zelebriert
dort ein Professor die Kunst des staunenswerten Experiments –
und seiner anschaulichen Erklaerung. Auch in Deutschland proben
seit einigen Jahren Wissenschaftler die Popularisierung ihrer
Disziplinen. Im Januar 2004 sind der Fachbereich 8 und die Neuere
und Neueste Geschichte der Universitaet Siegen uebereingekommen,
so etwas zu planen (fuer Hoerer aller Fakultaeten und fuer Schueler).
Von Kooperation und Interdisziplinaritaet ist zur Zeit viel die
Rede. Dafuer steht diese Vorlesung auf eine leichte und etwas
spielerische Art – ebenso wie dafuer, dass Lehre Spass machen kann.
Wir sprechen ueber Feuerwerkerei als eine Kunst, die nicht
zuletzt eine Kunst der Verschwendung ist. Wir sind uns bewusst,
dass wir dies in Zeiten der Knappheit und Einsparungen tun.
Es wuerde uns freuen, wenn dieses Experiment eine Fortsetzung
findet. Ein Feuerwerk werden alle schon einmal gesehen haben, zu
Silvester etwa oder als Abschluss eines Volksfestes oder einer
Kirmes. Wir sehen Feuerwerke als etwas Selbstverstaendliches an.
Lediglich manchmal, wie etwa zur Jahrtausendwende erscheinen sie
als etwas Herausragendes; zur Jahres-, Jahrhundert- und
Jahrtausendwende in der Silvesternacht 2000 fanden Feuerwerke
ueberall auf der Welt statt.
Manche werden sich geaergert haben, dass viele Feuerwerksartikel
nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden. Sie sind
faszinierend und gefaehrlich, schoen und zerstoererisch … Beide
Elemente sind sehr gut in einer Sequenz aus dem Herrn der Ringe,
Teil 1 (Die Gefaehrten, ‚A long expected party') zu erkennen, mit
der wir auf das Thema einstimmen. Tolkien hat seine Geschichte
in einem Raum und einer Zeit angesiedelt, die nicht wirklich
sind. Wirkliche Raeume und Zeiten sind das, womit sich Historiker
beschaeftigen und so werden wir Fragen nachgehen, die sich Viele
vielleicht noch nicht gestellt haben: Seit wann gibt es Feuerwerke,
wie und wo sind sie entstanden? Wie haben sie sich veraendert?
Was unterscheidet beispielsweise ein Feuerwerk aus dem
18. Jahrhundert von unseren?
Diese Fragen koennen Historiker nicht allein beantworten, wichtige
Antworten koennen nur Chemiker geben, denn es geht um die Stoffe,
die Explosionen ausloesen, farbige Funken, ihre Erzeugung und
anderes mehr. Dies veranschaulicht der Part der Vorlesung, den
der Pyrotechniker Thomas Fischer uebernommen hat. Zusammen werden
wir ueber eine Vorlesung, die man hoeren, sehen und riechen kann,
der Erfindung von Feuerwerken nachgehen, der Entwicklung der
Pyrotechnik als einer hohen Kunst. Wir werden den hohen Symbolgehalt
barocker Feuerwerke veranschaulichen, auf Feuerwerkskoerper und
ihre chemische Zusammensetzung sowie deren Veraenderungen eingehen.
Es wird um Schlossfeuerwerke, Feuerwerke zur Repraesentation
fuerstlicher Herrschaft, staatlicher Selbstdarstellung, aus Anlass
von Friedensschluessen, als Ausdruck buergerlicher Feierlaune,
zu Silvester und zu anderen Gelegenheiten gehen. Wir kontrastieren
die Lust an Verschwendung und Verschleuderung, fuer die Feuerwerke
stehen, mit Forderungen nach Sparsamkeit.
Berichtet wird heute gern von einem arbeitslosen Neapolitaner,
der nach Silvester zu Sonderpreisen alle ihm verfuegbaren
Feuerwerkskoerper fuer 400.000 Lire aus einer Fabrik in San Pietro
a Patierno aufkaufte und an einem 12. Januar innerhalb von
20 Minuten alles „verpulverte." Damit – und mit einem
pyrotechnischen Ausklang – endet unsere Veranstaltung.
Was Verschwendung geschichtlich bedeutet, konnten wir nur
andeuten, was es fuer den Einzelnen bedeuten kann, diese und
viele andere Fragen bleiben nach einer solchen Veranstaltung
offen. Fuer Historiker ist es besonders faszinierend, sich
mit Augenblickserscheinungen wie Feuerwerken zu beschaeftigen,
wohl wissend, dass sie diesen Untersuchungsgegenstand mit
anderen Disziplinen – nicht zuletzt mit der Chemie – teilen.
INFO
Weihnachtsvorlesung der Faecher Geschichte und Chemie an
der Universitaet Siegen
1. Dezember 2004
17.00 Uhr
Adolf-Reichwein-Str. 2
Gruener Hoersaal
PD Dr. Barbara Stambolis
Universitaet Siegen, Fachbereich 1,
Fach Geschichte
Neuere und Neueste Geschichte
Adolf-Reichwein-Str. 2
57068 Siegen.
stambolis at geschichte.uni-siegen.de