[WestG] [AKT] Der Erste Weltkrieg in Westfalen - Ansprache am
Volkstrauertag, Greven, 14.11.2004
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Nov 4 08:53:23 CET 2004
Von: "Stefan Schröder", <Stefan.Schroeder at stadt-greven.de>
Datum: 03.11.2004, 15:10
AKTUELL
Der Erste Weltkrieg in Westfalen: von den Schwierigkeiten des
Erinnerns
Gedenkstunde für den Frieden am Volkstrauertag, 14. November 2004 ab
11.15 Uhr im Rathaus der Stadt Greven
In diesem Jahr beschäftigt sich die Gedenkstunde am 14. November mit
der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Mit Dr. Volker Jakob, dem Leiter
des Bild-, Film- und Tonarchivs des Westfälischen Landesmedienzentrums
(Landschaftsverband Westfalen-Lippe) in Münster, konnte dafür ein
renommierter Historiker als Redner gewonnen werden.
Im August 2004 jährte sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 90.
Mal. Damals zogen auch die westfälischen Regimenter, von einer Welle
jubelnder Begeisterung getragen, aus ihren Garnisonen hinaus an die
Front und in den Tod. Noch heute verweisen hierzulande in den meisten
Städten und Dörfern mehr oder weniger martialische Kriegerdenkmäler
auf diese "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Aber merkwürdigerweise
erreicht uns die Bildsprache dieser allgegenwärtigen steinernen
Monumente nicht mehr. Ihr Pathos ist uns fremd geworden und führt ins
Leere. Sie sind da, aber sie haben uns nichts zu sagen. Sie, die die
Erinnerung bewahren sollen, stehen ebendieser Erinnerung sperrig im
Weg.
Woran liegt das? Was hat uns unserer Geschichte entfremdet? Warum
meinen wir der Gefühlskultur unserer Voreltern nicht trauen zu dürfen?
Oder anders herum: Warum gelang und gelingt es den Feindmächten von
damals * an erster Stelle Frankreich, Belgien, Großbritannien * die
Erinnerung an das massenhafte Leiden und Sterben von Generation zu
Generation weiter zu vermitteln? Ist das nur eine Frage von Sieg und
Niederlage? Die Antwort ist komplexer. Sie liegt tief in unserer
Geschichtstradition selbst begründet * oder, besser und genauer, in
der Art und Weise, wie sie politisch gebraucht, verbraucht und
missbraucht worden ist. Denn eines ist sicher: Ohne diesen ersten Krieg
hätte es jene zweite, noch totalere und noch verhängnisvollere
Katastrophe 1945 nicht gegeben. Dass damals, 1918, aus der Niederlage
kein Friede entstand, sondern dass alte, unverarbeitete Vorurteile
innerhalb nur weniger Jahre zum Treibsatz für neue Gewalt werden
konnten, darüber lohnt es sich am Volkstrauertag nachzudenken.
Umrahmt wird die Gedenkstunde für den Frieden (Beginn 11.15 Uhr,
Rathaus) durch klassische Musik, vorgetragen von einem Celloquartett
unter Leitung von Grazyna Bockelmann. Nach der Begrüßung durch
Bürgermeister Dr. Olaf Gericke wird Dr. Volker Jakob die Ansprache
halten. Im Anschluss an die Gedenkstunde finden die Kranzniederlegungen
am Ehrenmal "Drei Jünglinge im Feuerofen", Lindenstraße und auf dem
Friedhof Saerbecker Straße an den Gräbern von Zwangsarbeiterinnen,
Zwangsarbeitern und deren Kindern statt. Zur Kranzniederlegung am
Ehrenmal singt der MGV Concordia Greven.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Gedenkstunde für
den Frieden und den anschließenden Kranzniederlegungen teilzunehmen.
INFO
Stadt Greven
Fachdienst Allgemeiner Service, Stadtarchiv
Stefan Schröder
Rathausstr. 6
48268 Greven
Tel.: 02571/920-358
Fax: 02571/920-320
stefan.schroeder at stadt-greven.de
www.greven.net
Weitere Informationen im Internet:
www.greven.net/bilkul/kultur/vtt.shtml