[WestG] [AKT] Veranstaltungsreihe: Der 20. Juli 1944, Bochum,
06/2004
Rita Börste
rita.boerste at lwl.org
Don Mai 27 12:03:15 CEST 2004
Übernahme aus der "geschichtskultur-ruhr - Mailingliste"
Von: "gk-mail (Abeck)", <mailing at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 27.05.2004, 11:26
AKTUELL
Der 20. Juli 1944 und das Erbe des deutschen Widerstandes
Gemeinsame Veranstaltungsreihe der Evangelischen Stadtakademie Bochum mit
der Evangelischen Akademikerschaft Westfalen
Vor 60 Jahren, am 20. Juli 1944, versuchte eine Gruppe von Offizieren,
Hitler und sein Regime zu beseitigen. Das Attentat schlug fehl, die
Beteiligten - Initiatoren und Sympathisanten - wurden hingerichtet. Wer
waren die Menschen, die in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus
gingen? Von welchen Überzeugungen und Motiven wurden sie geleitet? Welche
Ziele haben sie verfolgt? Was bedeutet ihr Erbe heute?
Die Veranstaltungsreihe nimmt diese Fragen auf. In den Einzelvorträgen
entfalten führende Vertreter der Widerstandsforschung in biographischen und
politischen Skizzen die Bandbreite des deutschen Widerstands, der sich von
nationalkonservativen Positionen über die Arbeiterbewegung und den
Widerstand von Christen bis zum militärischen Widerstand erstreckt.
Eröffnet und abgeschlossen wird der Zyklus durch zwei Politiker aus
verschiedenen Generationen, Hans Koschnick und Norbert Lammert, die über
die Bedeutung des Widerstands für ihr politisches Handeln Auskunft geben.
Ein Gottesdienst und eine Literarische Matinee ergänzen das Projekt, das
mit einem Einführungsseminar beginnt und von einer Ausstellung begleitet
wird.
Freitag, 11. Juni 2004, 16.00 Uhr, bis Samstag, 12. Juni 2004, 13.00 Uhr
Einführungsseminar:
Widerstand in Deutschland 1933 bis 1945
Positionen und Personen
Den Auftakt der Bochumer Veranstaltungsreihe zum 60. Jahrestag des 20. Juli
1944 bildet ein Einführungsseminar, das einen Gesamtüberblick über die
Geschichte des deutschen Widerstandes geben wird. Der Leiter der
Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Johannes Tuchel, wird an Hand
von Dokumenten in die politisch und weltanschaulich verschiedenen Kreise
und Konzepte des Widerstands einführen. Günter Brakelmann und Traugott
Jähnichen werden einzelne Positionen und Personen charakterisieren. Nicht
nur die berühmten Persönlichkeiten des Widerstands - Stauffenberg, Moltke
oder die Geschwister Scholl - werden vorgestellt, sondern auch nahezu
unbekannt gebliebene Frauen und Männer, die in der Auflehnung gegen die
Diktatur ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.
Referenten: Prof. Dr. Günter Brakelmann und Prof. Dr. Traugott Jähnichen,
Bochum; Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand,
Berlin
Leitung: Dr. Manfred Keller u. Dr. Rudolf Tschirbs, Bochum
Teilnahmegebühr: 15,- EURO (incl. Abendimbiss am Freitag und Mittagessen am
Samstag)
Schriftliche Anmeldung erbeten bis zum 4. Juni 2004 an die Evangelische
Stadtakademie Bochum, Klinikstraße 20; Fax 02 34 / 59 57 37,
office at stadtakademie.de
Samstag, 19. Juni 2004 17.00 Uhr
Bürgermeister a. D. Hans Koschnick, Bremen:
Was hat mir in meinem Selbstverständnis als Politiker der Nachkriegszeit
derWiderstand gegen das NS-System bedeutet?
Nach 1945 gab es nicht nur das bekannte gespaltene Gedenken an die
verschiedenen Widerstandsgruppen in West- und Ostdeutschland, sondern auch
in der Bundesrepublik erstreckte sich die beschworene Übereinstimmung nur
auf Teilgruppen des Widerstandes. Obgleich - Umfragen zufolge - Hitler
abgelehnt wurde, würdigte man deshalb keineswegs den Widerstand. So befand
sich der deutsche Widerstand - vielleicht mit Ausnahme der Weißen Rose um
die Geschwister Scholl - in einer Verteidigungsposition. Gleichwohl
verkörperten die Widerstandskämpfer, die ja mit ihrem Leben bezahlten, eine
wichtige Alternative zur "Nachfolgebereitschaft". Befehl und Gehorsam,
Terror und Furcht, aber auch die "Chance der unbestraften Unmenschlichkeit"
(G. Anders) hatten nicht alle Zeitgenossen gelähmt. Schon das allein schuf
ein Gegenbild, von dem her sich politische Alternativen denken ließen.
Hans Koschnick, Bürgermeister der Freien und Hansestadt Bremen von 1967 bis
1985; in den Jahren 1994 bis 1996 koordinierte er als EU-Administrator die
Neuordnung des zivilen und politischen Lebens in Mostar (Bosnien).
Dienstag, 22. Juni 2004 18.00 Uhr
Professor Dr. Hans Mommsen, Bochum:
Carl Goerdeler - Ludwig Beck
Carl Goerdeler war noch während der NS-Zeit Leipziger Oberbürgermeister und
bekleidete zweimal den Posten eines Reichssparkommissars. Es war zunächst
die ungedeckte Finanzpolitik des Regimes, die ihn in eine Oppositionsrolle
drängte, schließlich besonders der außenund militärpolitische Kurs Hitlers.
Zu seinem Kreis zählten mit Beck, Olbricht, von Witzleben und von Tresckow
führende Offiziere. Nach einem seit 1942 notwendig erscheinenden
Staatsstreich war Goerdeler als Regierungschef vorgesehen. Der Monarchist
Goerdeler gab gewiss wenig Impulse für eine künftige demokratische
Staatsordnung, während, auf der Basis eines christlichen Gemeinwesens, eine
ausgedehnte Selbstverwaltung im regionalen Bereich und ein Zusammenschluss
europäischer Völker vorgesehen waren. Nach dem gescheiterten Attentat vom
20. Juli 1944 fanden die Mitverschwörer den Tod; Goerdeler wurde erst am 2.
Februar 1945 hingerichtet.
Dr. Hans Mommsen ist em. Professor für Neuere Geschichte an der
Ruhr-Universität Bochum. Zahlreiche Gastprofessuren in USA und Israel.
Montag, 28. Juni 2004 18.00 Uhr
Professor Dr. Peter Steinbach, Karlsruhe:
Julius Leber - Wilhelm Leuschner
Die Sozialdemokraten Julius Leber, Journalist und Reichstagsabgeordneter
bis 1933, und Wilhelm Leuschner, sozialdemokratischer Innenminister in
Hessen (1928- 1933), gehörten zum engsten Verschwörerkreis. Leber arbeitete
mit der Militäropposition in der Bendlerstraße zusammen, während Leuschner,
aus den Freien Gewerkschaften kommend, engen Kontakt mit Goerdeler hielt
und damit ebenfalls zum Kreis der Staatsstreichbefürworter zählte.
Leuschner hielt auch enge Verbindungen zu dem christlichen Gewerkschafter
Jakob Kaiser, mit dem zusammen er hoffte, in einer Nachkriegsordnung die
Spaltung der Gewerkschaftsbewegung überwinden zu können. Von Goerdeler
hingegen ist bekannt, dass er an autoritären Modellen, etwa der
Beibehaltung der Deutschen Arbeitsfront, festhalten wollte. Leuschner und
Leber wurden noch im Juli 1944 verhaftet und im September bzw. Oktober 1944
zum Tode verurteilt.
Dr. Peter Steinbach ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der
Universität Karlsruhe.
Die Reihe wird im Juli fortgesetzt.
INFO
Veranstaltungsort:
Evangelische Stadtakademie Bochum, Klinikstr. 20
http://www.stadtakademie.de/homepage.htm