[WestG] [AUS] Textilmuseum Bocholt: Mensch u. Maschine,
26.05.-29.08.2004
Rita Börste
rita.boerste at lwl.org
Mon Mai 24 13:43:07 CEST 2004
Von: "Christiane Spänhoff", <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 24.05.2004, 13:11
AUSSTELLUNG
Mensch und Maschine
Ausstellung im LWL-Textilmuseum Bocholt
Wertvolle Fotodokumente aus einer Krefelder und zwei Bocholter Maschinenbaufirmen
zeigt das Textilmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in seiner
neuen Sonderausstellung. Unter dem Motto "Mensch und Maschine" sind in Bocholt vom
26. Mai bis 29. August über 60 historische Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen.
Der fotografische Schatz verdankt seine Erhaltung einem glücklichen Zufall:
Norbert Prusko konnte nach dem Konkurs der Krefelder Maschinenbaufirma Zangs AG
die Glasplattennegative des Werksarchivs aus dem Abfall retten. Er sicherte über
1000 Objekte aus der Zeit von 1880-1960, auf denen Betriebsereignisse, Feste,
Umbaumaßnahmen und vor allem die Produkte festgehalten sind.
Zur Erstellung dieser klassischen Werbefotos versah man die Textilmaschinen oder
Maschinenteile mit einem weißen Hintergrund, der vielfach von Betriebsangehörigen
festgehalten wurde. Die nicht benötigten Randbereiche beschnitt man später auf den
Fotoabzügen und korrigierte Belichtungsfehler durch Retuschen. In aufwändiger
Handarbeit legte Norbert Prusko diese Abdeckungen erneut frei und schuf damit
fantastische Einblicke in das betriebliche Umfeld und den Arbeitsalltag vor 100 Jahren.
Die Menschen hinter den Maschinen werden erneut sichtbar: Stolze Ingenieure,
handwerkliche Maschinenbauer und sauber gekämmte Lehrlinge.
"Diese historischen Aufnahmen zeigen neben den fotografischen Qualitäten auch die
frühen Textilmaschinen, die noch zahlreiche Holzbauteile besitzen", erläutert Museumsleiter
Dr. Hermann Stenkamp.
Ergänzung findet die Ausstellung durch Produktfotos aus den Bocholter Maschinenbaufirmen
A. Friedr. Flender und Pieron. Obwohl diese bereits alle zu Ende des 19. Jahrhunderts
gegründet worden sind, existiersten bis dato keinerlei Fotodokumente aus der Zeit vor dem
Zweiten Weltkrieg. Stenkamp: "Auch diese Tatsache unterstreicht, welcher Schatz in
Krefeld für die Zukunft gesichert werden konnte."
Firmensteckbriefe:
Zangs, Krefeld
Der aus Xanten stammende Hermann Schroers gründete 1875 eine Schreinerei, in der
Webstühle, Schaft- und Windemaschinen hergestellt wurden. Nach Anlage einer eigenen
Eisengießerei baute Schroers nun statt der hölzernen Handwebstühle mechanische
Webstühle und Jacquardmaschinen. 1899 arbeiteten in dem Betrieb 350 Beschäftigte.
Der Textilingenieur Carl Zangs trat 1892 in die Firma ein und heiratete 1899 Anna
Maria Schroers, die älteste Tochter des Fabrikbesitzers. Bei dem Höchststand von
1200 Arbeitern wurde 1911 die 50.000. Jacquardmaschine montiert.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Firma zwischen Fritz und Heinrich Schroers und
Carl Zangs aufgeteilt. Zangs übernahm den Bereich Textilmaschinen, der vor allem
Seidenwebstühle und ab den 1950er Jahren auch Mehrkopfstickautomaten sowie
Schiffchenstickmaschinen herstellte. Nach dem Konkurs 1984 wurde nur die
Kleinstickmaschinenproduktion weitergeführt.
A. Friedr. Flender, Bocholt
Den ersten großen Maschinenbaubetrieb in Bocholt gründeten 1895 der Kaufmann
Heinrich Hesselbein und der Ingenieur Alois Reygers. An der Sachsenstraße legten
sie eine Gießerei, Modellschreinerei und Wellendreherei an. In Konkurrenz hierzu baute
1898 der Ingenieur Dieckmann mit dem Webereibesitzer Franz Tangerding eine
Maschinenfabrik für eiserne Riemenscheiben und Transmissionsanlagen am Westend
auf. Durch den Kontakt mit Flender entstand eine enge wirtschaftliche Kooperation,
die 1910 in der Fusion mündete.
Die 1899 in Düsseldorf-Reisholz gegründete Firma Flender fertigte hölzerne
Riemenscheiben für sämtliche Antriebsbereiche. Nach der Fusion mit den beiden Bocholter
Eisengießereien und Maschinenfabriken im Jahr 1910 und 1916 produ-zierte sie auch
gusseiserne Riemenscheiben und ganze Transmissionsanlagen. In den 1920er Jahren
kamen elastische Kupplungen, Keilriemenantriebe und vor allem Getriebe hinzu, die das
Produktionsfeld Flenders bis heute bestimmen. Seit 1931 befindet sich auch die
Zentralverwaltung in Bocholt.
Pieron, Bocholt
Als ehemaliger Meister und Teilhaber der Isselburger Maschinenfabrik und Eisengießerei
gründete Ernst Pieron mit seinem Sohn F. E. Pieron 1899 am Westend eine kleine
Maschinenwerkstatt. Mit dem Eintritt des Bruders Otto im Jahr 1912 wurde der Betrieb
zur Münsterstraße (hinter dem heutigen Arbeitsgericht) verlagert. 1919 übernahm er die
Textilmaschinenfabrik Rudolph & Kühne in Berlin, wohin der Betrieb schließlich 1927
komplett verlegt wurde. Dort stellte man Walzenpressen, Spannrahmen und
Schermaschinen her.
Daneben gründete Pieron in Bocholt-Biemenhorst eine Handelsgesellschaft zum
Verkauf der Erzeugnisse. Dort wurden später auch Maschinen- und Spiralfedern
produziert. Nach völliger Zerstörung des Berliner Betriebes führte Pieron ab 1945
das Biemenhorster Zweigwerk fort, in dem bis in die 1960er Jahre vor allem
Jacquardmaschinen gefertigt wurden.
INFO
Mensch und Maschine
Fotodokumente aus den Maschinenbaufirmen
Hermann Schroers und Carl Zangs, Krefeld,
A.Friedr.Flender und Pieron, Bocholt
26. Mai (Eröffnung 18 Uhr) bis 29. August 2004
Textilmuseum Bocholt, Uhlandstraße 50
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
Diese Meldung mit den Fotos zum Download finden Sie im Internet unter www.lwl.org