[WestG] [AKT] 50. Todestag von Gertrud Baeumer
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Don Mar 25 13:47:33 CET 2004
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 24.03.2004, 14:02
AKTUELL
50. Todestag von Gertrud Baeumer -
Paedagogin, Politikerin und Schriftstellerin
Heute kennt Gertrud Baeumer in ihrem Geburtsort
Hagen-Hohenlimburg kaum noch jemand. In der Weimarer Republik gehörte die Paedagogin,
Politikerin und Schriftstellerin, deren Todestag sich am Donnerstag (25. März) zum 50. Mal
jährt, zu den führenden Frauenrechtlerinnen in Deutschland. Als Tochter einer
reformierten Pfarrersfamilie am 12. September 1873 in Hohenlimburg in Westfalen geboren,
setzte sie sich in ihrem Leben leidenschaftlich fuer die Gleichberechtigung der Frau ein.
Wenn Maedchen und Frauen heute selbstverstaendlich ihr Recht auf Bildung und
Erwerbstaetigkeit wahrnehmen, so ist dies sicherlich nicht zuletzt auch das Verdienst von
Gertrud Baeumer.
Sie ist eine der Ikonen der bürgerlichen Frauenbewegung, die ganz
wesentlich an einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen mitgewirkt hat', so Dr. Julia
Paulus vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Die Historikerin betreibt im
Westfälischen Institut für Regionalgeschichte des LWL historische Frauen- und
Geschlechterforschung. Gertrud Baeumer absolvierte eine Ausbildung zur
Volksschullehrerin und studierte nach dem Oberlehrerinnenexamen an der Berliner
Universität Philologie, Philosophie und Sozialwissenschaften. Die Westfälin wurde
als enge Mitarbeiterin von Helene Lange Mitherausgeberin der Zeitschrift 'Die Frau'.
Von 1910 bis 1919 war sie Vorsitzende des 'Bundes Deutscher Frauen' (BDF) und ab 1919 bis zur
erzwungenen Selbstauflösung 1933 dessen stellvertretende Vorsitzende. 1894 gegründet
setzte sich der BDF für eine Reform des Mädchenschulwesens und die Einführung des
Frauenstudiums mit akademischem Abschluss ein. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte er
sich zu einem wichtigen Faktor im politischen und kulturellen Leben des Kaiserreiches. In
Westfalen entstanden bis 1901 lokale Vereine in Minden, Bochum, Essen und Hagen. Der BDF
entfaltete sich zu einem komplexen Netz, das Frauenorganisationen auf Reichs-, Landes- und
lokaler Ebene miteinander verband und ein wichtiges Sprachrohr für ihre Interessen wurde.
Als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) war Gertrud Baumer Abgeordnete der
Weimarer Nationalversammlung und von 1919 bis 1932 Abgeordnete des Reichstags.
Anschliessend wurde sie Ministerialrätin im Reichsinnenministerium (1920 bis 1933).
Waehrend der NS-Zeit war sie vorwiegend schriftstellerisch aktiv. Nach ihrer Flucht aus
Schlesien lebte sie zunächst in Bamberg, dann in Bad Godesberg und schliesslich bis zu ihrem
Tod in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel bei Bielefeld, wo sie 1954 im Alter von 80
Jahren starb. Sie wurde auf dem Bielefelder Waldfriedhof beigesetzt.