[WestG] [AKT] Nachlass der Familie Tell aus Hagen und Luedenscheid
geht an den LWL
Rita Börste
rita.boerste at lwl.org
Die Mar 9 12:25:21 CET 2004
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.03.2004, 09:42
AKTUELL
Über 100 Jahre Familienleben aus dem Sauerland
Nachlass der Familie Tell geht an den LWL
Münster/Lüdenscheid. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat einen
kleinen volkskundlichen Schatz gehoben: Die Familie Tell aus Hagen und Lüdenscheid
(Märkischer Kreis) hat der Volkskundlichen Kommission des LWL ihren Nachlass mit über 2800
Fotos und vielen Dokumenten aus den vergangenen 100 Jahren geschenkt. "Der Nachlass ist ein
einmaliger Glücksfall", so Christiane Cantauw, die das Archiv der Volkskundlichen
Kommission leitet. "Allein die Fotografien, die bis in die 1870er Jahre zurückgehen, sind
schon ein schier unerschöpflicher Fundus für die Wissenschaft. Was den Nachlass aber so
besonders macht, sind die zahlreichen weiteren familiengeschichtlichen Zeugnisse, aus
denen sich das Alltagsleben einer Familie über mehr als 100 Jahre hinweg rekonstruieren
lässt", so die LWL-Volkskundlerin weiter. Angefangen hatte alles mit den rund 60 Jahre alten
Briefen des Ehepaares Wilhelm und Lotte Tell, die jahrzehntelang in einem Schuhkarton
schlummerten, bis ihr Sohn Peter Tell, der seit 40 Jahren in Havixbeck (Kreis Coesfeld) lebt,
sie 2002 der Volkskundlichen Kommission übergab. Monika Ostermann, eine Mitarbeiterin der
LWL-Kommission, machte den Briefwechsel zwischen dem Kriegsgefangenen Wilhelm Tell und
seiner Frau Lotte zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit. Weil die Wissenschaftlerin so
begeistert von dem Material war, entschloss sich Peter Tell weitere Teile des
Familienarchivs in die Hände der LWL-Volkskundler zu legen: Tagebücher und Skizzenhefte
seiner Mutter, der Malerin Lotte Tell-Lang, Frontunterlagen von Alfred Lang junior, einem
Onkel Peter Tells, und Notizbücher von Wilhelm Tell ergänzen nun den Bestand an Fotografien,
die die Volkskundler bereits in ihre digitale Bilddatenbank eingearbeitet haben. "Auf
diese Weise kann man die Originalfotos besser erhalten, die Fotos per Computer
recherchieren und die Familie kann noch auf die Bilder zurückgreifen", so Ostermann, die die
Bilder erschlossen hat. Die bemerkenswerte Qualität vor allem der älteren Fotos lässt sich
damit erklären, dass der Großva-ter von Peter Tell Fotograf war und seine Aufnahmen selbst
entwickelt hat. Er sah sich nicht nur als Foto-Handwerker, sondern auch als Künstler. Das
zeigt sich vor allem in den Aufnahmen, die er von seinen Kindern Erna und Wilhelm in seinem
Hagener Atelier gemacht hat. "Nicht nur der Großvater, sondern auch der Onkel und die Eltern
von Peter Tell waren mit künstlerischem Talent gesegnet. Eine Besonderheit dieser Familie,
die sich in dem Material widerspiegelt", so Cantauw. "Für die weitere wissenschaftliche
Arbeit ist es wichtig, dass wir das Material umfassend dokumen-tiert haben. Dabei hat uns
nicht zuletzt der Spender geholfen, indem er bereit war, alle Fragen zu beantworten. Wenn wir
Materialien wie Fotos oder Tagebücher bekommen, versuchen wir immer, so viele
Informationen wie möglich dazu zusammenzutragen, denn so können wir die einzelnen Quellen
in einen Gesamtzusammenhang stellen und sie wachsen wie Teile eines Puzzles zu einem
größeren Bild zusammen", erklärt die Leiterin des LWL-Archives weiter. Das Bildarchiv der
Volkskundlichen Kommission des LWL ist über eine Datenbank erschlossen, die mittlerweile
fast 80.000 Datensätze umfasst. Es ist montags bis freitags in der Zeit von 8.30 Uhr bis 14.00
Uhr geöffnet und steht allen Interessierten zur Verfügung. Telefonische Anfragen unter:
0251/8324398 oder 0251/8324404.
INFO
Volkskundliche Kommission für Westfalen
Scharnhorststraße 100
48151 Münster
Telefon: 0251 83 24404
Telefax: 0251 83 28393
URL: http://www.lwl.org/voko/