[WestG] [AUS] Jubilaeum des Westf. Industriemuseums, "Schaetze der
Arbeit", ab 27. Juni 2004
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jun 23 10:10:31 CEST 2004
Von "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 22.06.04 13:31
AUSSTELLUNG
Italienische Nudeln in der deutschen Fremde
LWL zeigt zum Jubiläum seines Industriemuseums "Schätze der Arbeit"
Mit einer großen Ausstellung feiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe
(LWL) in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen des Westfälischen
Industriemuseums. Mehr als 250.000 Objekte hat das Museum in dieser
Zeit zusammengetragen - ein Gedächtnis der Region: Die Objekte liefern
einmalige Einblicke in die Arbeits- und Alltagsgeschichte der Industrialisierung.
Das Spektrum reicht vom Abortkübel bis zur Dampflok, von der
Glasmacherpfeife bis zum Henkelmann. Nur ein Bruchteil der Stücke ist
normalerweise in den Dauerausstellungen an den acht Standorten des
Museums in Bocholt (Kreis Borken), Bochum, Dortmund, Hattingen
(Ennepe-Ruhr-Kreis), Lage (Kreis Lippe), Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke),
Waltrop (Kreis Recklinghausen) und Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) für die
Öffentlichkeit zugänglich.
Zum Jubiläum packt das WIM sein Lager aus und zeigt ab dem 20. Juni
in der Zentrale auf der Zeche Zollern II/IV in Dortmund rund 500
*Schätze der Arbeit". In einer Serie stellt der LWL die originellsten, ältesten
und bedeutsamsten Exponate der Ausstellung vor. Chitarra pergli Spaghetti:
Die Spaghettimaschine Die Spaghettimaschine war ein Gruß aus der Heimat.
Pater Don Cataldo brachte sie mit über die Alpen, als er nach Deutschland
kam, um sich um seine Landsleute zu kümmern. Weil im Nachkriegsdeutschland
zunächst vor allem im Bergbau Arbeitskräfte fehlten, im strukturschwachen
Süden Italiens dagegen junge Menschen kaum eine berufliche Perspektive
hatten, schlossen die beiden Regierungen 1955 das "Abkommen über
Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften".
Danach reisten rund zwei Millionen Italiener nach Deutschland. Was in
den Werbeprospekten so verheißungsvoll nach "vita nuova" - einem neuen
Leben - klang, war für die meisten Gastarbeiter zunächst ein Schock: Die
fremde Kultur, Sprachprobleme, eine neue Umgebung und die zum Teil
ungewohnte Arbeit auf dem Bau, bei der Bahn und in den Bergwerken war
die Wirklichkeit, die in Deutschland auf die Italiener wartete. Mit Lehrfilmen
versuchte man, den Gastarbeitern die deutschen Lebensgewohnheiten
nahe zu bringen - gut gemeinte, aber unbeholfene Versuche. Das Heimweh
blieb. Dank Don Cataldos Spaghettimaschine gab es in der deutschen Fremde
wenigstens italienische Nudeln.
Denn natürlich war auch die deutsche Esskultur für die italienischen Gastarbeiter
neu und ungewohnt, zumal sich die deutsche und die italienische Küche damals
sehr unterschieden. Nudeln waren zu dieser Zeit in Deutschland noch nicht
sehr verbreitet. Die langen Teigfäden waren den Deutschen eher suspekt.
Wie sollte man die Spaghetti auf die Gabel bekommen? Umso wichtiger war es
deshalb für die Italiener, sich mit bekannten Lebensmitteln zu versorgen. Mit
der Spaghettimaschine konnten sie nun in ihrem Gastland die Nudeln selbst
herstellen. Dazu wurde der frische Nudelteig ausgerollt, auf die Drähte
gelegt und mit einem Nudelholz durchgedrückt, so dass er in schmale Streifen
geschnitten wurde.
Die Nudelmaschine gehört zu einer Reihe von Museumsstücken, die an die
Zeit der italienischen Gastarbeiter im Revier erinnern. In der Ausstellung
"Schätze der Arbeit" ist auch der über 100 Jahre alte Koffer zu sehen, mit
dem Mauro Buonadonna in den 60er Jahren nach Hagen kam. "Der Alltag
sah oft anders aus als auf den Bildern der Werbebroschüren, die in Italien
verteilt wurden", erklärt Dietmar Osses, Leiter des Westfälischen
Industriemuseums Zeche Hannover in Bochum. Untergebracht waren die
Italiener meistens in Barackenlagern aus der Kriegs- und Nachkriegszeit.
In den Zimmern mit Etagenbetten, Spinden, Tisch und Stuhl lebten bis zu
zwölf Personen. Immer wieder prangerten Sozialbetreuer die schlechten
Zustände in den Wohnheimen an. Osses: "Mit dem anhaltenden wirtschaftlichen
Boom besserte sich die Lage, viele Italiener holten ihre Familien nach und
zogen in größere Mietwohnungen." Nach der Bergbaukrise und dem
Anwerbestopp 1973 sind viele Gastarbeiter in ihre Heimat zurückgekehrt.
Heute leben im Revier rund 8.000 Italiener.
INFO
Schätze der Arbeit. 25 Jahre Westfälisches Industriemuseum
20. Juni bis 12. September 2004
Zeche Zollern II/IV
Grubenweg 5
44388 Dortmund
Telefon: 0231 6961-111
Telefax: 0231 6961-114
geöffnet: Di-So 10-18 Uhr
E-Mail: Zeche-Zollern at lwl.org
Glashütte Gernheim
Gernheim 12
32469 Petershagen-Ovenstädt
Telefon: 05707 9311-0
Telefax: 05707 9311-11
geöffnet: Di-So 10 bis 18 Uhr
E-Mail: glashuette-gernheim at lwl.org
Textilmuseum Bocholt
Uhlandstraße 50
46397 Bocholt
Telefon: 02871 21611-0
Telefax: 02871 21611-33
geöffnet: Di-So 10 bis 18 Uhr
E-Mail: textilmuseum at lwl.org
Ziegelei Lage
Sprikernheide 77
32791 Lage
Telefon: 05232 9490-0
Telefax: 05232 9490-38
geöffnet: Di-So 10 bis 18 Uhr
E-Mail: ziegelei-lage at lwl.org
Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 25
45527 Hattingen
Telefon: 02324 9247-0
Telefax: 02324 9247-12
geöffnet: Di-So 10 bis 18 Uhr, Fr - 21.30 Uhr
E-Mail: birgit.schulz at lwl.org
Altes Schiffshebewerk Henrichenburg
Am Hebewerk 2
45731 Waltrop
Tel.: 02363 9707-0
Fax: 02363 9707-12
geöffnet: Di-So 10 bis 18 Uhr,
E-Mail: Schiffshebewerk at lwl.org
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Telefon: 02302 936640
Telefax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org
Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum
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samstags 14 bis 18 Uhr und
sonntags 11 bis 18 Uhr.
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