[WestG] [AUS] "Schaetze der Arbeit", Industriemuseum Zeche Zollern, Dortmund

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Jun 1 10:37:01 CEST 2004


Von: "LWL-Pressestelle", <pressestelle at lwl.org> 
Datum: 01.06.2004, 10:26


AUSSTELLUNG

Die Arbeit im Rhythmus der Maschinen
LWL zeigt zum Jubiläum seines Industriemuseums 'Schätze der Arbeit'

Dortmund (lwl). Mit einer großen Ausstellung feiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen des Westfälischen Industriemuseums (WIM). Mehr als 
250.000 Objekte hat das Museum in dieser Zeit zusammengetragen - ein Gedächtnis der Region: 
Die Objekte liefern einmalige Einblicke in die Arbeits- und Alltagsgeschichte der Industrialisierung. 
Das Spektrum reicht vom Abortkübel bis zur Dampflok, von der Glasmacherpfeife bis zum Henkelmann. 
Nur ein Bruchteil der Stücke ist normalerweise in den Dauerausstellungen an den acht Standorten des 
Museums für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Jubiläum packt das LWL-Museum sein Lager aus und 
zeigt ab dem 20. Juni in der Zentrale auf der Zeche Zollern II/IV in Dortmund rund 500 "Schätze der 
Arbeit". In einer Serie stellt der LWL die originellsten, ältesten und bedeutsamsten Exponate der Ausstellung vor.

Die Stempeluhr "Bundy" 
Aus heutiger Sicht wirkt die Stempeluhr "Bundy" aus dem Jahr 1910 nur noch nostalgisch. 
Uhrenliebhabern schlägt in der LWL-Ausstellung "Schätze der Arbeit" das Herz höher angesichts 
der feinen Mechanik und der dekorativen Gestaltung. Für die Menschen, die morgens an der Uhr 
ihre Nummer einstellten und den Hebel drückten, war "Bundy" dagegen bitterer Ernst. Die Stempeluhr 
bedeutete das Ende der Selbstbestimmung ihres Arbeitstages. 

In der Anfangszeit der Industrialisierung war noch der natürliche Rhythmus von Tag und Nacht 
maßgeblich für den Arbeitsalltag. Die Menschen lebten nach ihrer inneren Uhr. Das änderte sich 
um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als immer mehr Fabriken mit teuren Maschinen entstanden. 
Neue Produktionsformen kamen auf, die Anlagen mussten ausgelastet sein. "Jeder Stillstand, j
ede Unterbrechung der Produktion bedeutete für die Unternehmer einen finanziellen Verlust", 
erklärt Olge Dommer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Westfälischen Industriemuseums. 
So mussten die Beschäftigen die Lektion "Zeit ist Geld" lernen - mittels der Uhr. Nicht ohne 
Grund gilt die Uhr neben der Dampfmaschine als wichtigste "Maschine" des Industriezeitalters.

Bis zur automatischen Zeiterfassung war es ein langer Weg. Zuerst gab es die Pförtner, 
die zu einer festgelegten Zeit die Eingangstür verschlossen und jeden Arbeiter, der zu spät 
kam, in ein Buch eintrugen. Dann wurden Markensysteme eingeführt: Jeder Beschäftigte 
erhielt eine Marke, die er beim Kommen an ein Brett hing. War er nicht pünktlich, musste 
er die Marke beim Pförtner abgeben und damit sein Zuspätkommen melden. Diese 
Kontrollen über Pünktlichkeit und Anwesenheit reichten bald nicht mehr aus. "Die 
neuen Produktionsformen erforderten feste Zeiten für den Beginn und das Ende der 
Arbeit", so LWL-Mitarbeiterin Dommer. "Der Rhythmus der Maschinen gab den Takt 
vor und zwang ihn den Beschäftigten auf - ohne Rücksicht auf soziale Bedürfnisse."

"Getaktet" wurden die Arbeiter von den Stempeluhren. Sie erfassten die genauen 
Arbeitszeiten und dokumentierten das Arbeitszeitverhalten einer ganzen Belegschaft 
zuverlässig, auf die Minute genau und rund um die Uhr. Das bedruckte oder gestanzte 
Papierband wanderte in die Lohnbüros und wurde dort in Arbeitslohn umgerechnet. 
Eine perfekte Kontrolle, die dem neuen Tempo der Zeit entsprach. Dommer: "Kontrolluhren
waren ein Machtinstrument, denn mit der Macht über die Zeit von Individuen besitzt man 
auch Macht über diese selbst." Aus diesem Grund wurden die Werkuhren zum beliebten 
Angriffsziel bei Arbeitskämpfen. Heute sind die ersten Stempeluhren ein Symbol für Disziplin, 
Pünktlichkeit und starre Arbeitszeiten: Zeitnormen, die den Alltag der Arbeiter zwischen 
1850 und 1930 grundlegend veränderten.

Die Uhr in der Ausstellung konnte die Arbeitszeit von 100 Beschäftigten auf Papierband 
drucken. Mit dem Hebel wurde bei Arbeitsbeginn und -ende die entsprechende 
Personalnummer ausgewählt und dann auf das Papier gestempelt. In einem Werbeprospekt 
des Herstellers aus dieser Zeit heißt es: "Der Bürk-Bundy-Hebel-Kontroll-Apparat arbeitet 
ebenfalls vollständig automatisch. Er zeigt das pünktliche Kommen und Gehen und kennzeichnet 
besonders jedes verspätete Kommen oder verfrühte Gehen, jede Unregelmäßigkeit und jede 
Ueberstunde sämtlicher Arbeiter oder Angestellten auf einer nur dem Arbeitgeber 
zugänglichen, dem Arbeiter aber fortdauernd sichtbaren Liste an."



INFO

Schätze der Arbeit
25 Jahre Westfälisches Industriemuseum
20. Juni bis 12. September 2004 (Eröffnung 20. Juni, 11 Uhr)
Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5,
Dortmund-Bövinghausen
Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr