[WestG] [AKT] LWL kuert Marsberger Kirche zum Denkmal des Monats

Rita Börste rita.boerste at lwl.org
Fre Jan 16 14:05:00 CET 2004


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org> 
Datum: 16.01.2004, 10:08


AKTUELL

Trotz fehlender Nutzung ist Gotteshaus mit fast 1000-jähriger Geschichte hervorragend
gepflegt - LWL kürt Marsberger Kirche zum Denkmal des Monats

Schon seit 90 Jahren steht die Alte Kirche St. Petrus in Marsberg-Padberg
(Hochsauerlandkreis) leer, obwohl die katholische Gemeinde ihr altes Gotteshaus kaum noch
nutzt, sorgen die Marsberger dafür, dass es nicht verfällt. Aufgrund dieses besonderen
Engagements hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Alte Kirche St. Petrus
jetzt zum Denkmal des Monats Januar gekürt. "Es ist erstaunlich, dass die kleine Padberger
Kirchengemeinde, die seit 1912 eine neuere größere Kirche nutzt, die alte Kirche pflegt und
sie jetzt sogar mit kommunaler, kirchlicher und staatlicher Unterstützung vorzüglich
restauriert hat. Auch der LWL hat die notwendigen Maßnahmen finanziell unterstützt. 
Damit besitzt die Gemeinde ein mittelalterliches Kleinod von unglaublicher Authentizität, das
die fast 1000-jährige Kirchengeschichte des kleinen Dorfes bezeugt", sagt
LWL-Denkmalpflegerin Dr. Roswitha Kaiser. Die kleine, trutzig im Steilhang liegende
Kirche, die man durch ein Rundbogenportal mit schwerer hölzerner Tür an der Hangseite
betritt, ist nahezu quadratisch. Sie ist in zwei Schiffe und zwei Joche mit tragendem
Mittelpfeiler untergliedert. Die vier Deckenfelder sind mit Kreuzgratgewölben
überdeckt. Die weißverputzte Kirche hat ein schiefergedecktes Satteldach, ein kleiner
aufsitzender Dachreiter beherbergt die Glocken und die Turmuhr aus der ersten Hälfte des 18.
Jahrhunderts, die schon lange keinen Dienst mehr tut. Unscheinbarer ist ein besonderer
Schatz der Kirche: Mit einem spätmittelalterlichen Holzfenster aus der Mitte des 13.
Jahrhunderts beherbergt sie das älteste eingebaute Holzfenster Westfalens. Die frisch
restaurierte Innenausmalung der Kirche stammt ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert. Es gibt
keine Urkunden, die verraten, wann genau die Kirche gebaut wurde. Hartnäckig hält sich die
Überlieferung, die Kirche sei 1057 gegründet worden. Gemeinsam mit den Archäologen des LWL
erhielten die LWL-Denkmalpfleger jetzt Gelegenheit, die Antwort dieser Frage zu ergraben:
Die Südwand der Kirche ist im Laufe der Jahrhunderte in den Hang eingesunken, sie wurde feucht
und musste deshalb ebenso wie der Boden und der Putz dringend restauriert werden. Um bei
diesen Arbeiten, die von 1997 bis 2003 dauerten, eine Ringdrainage legen zu können, mussten
die Außenwände freigelegt werden. Die LWL-Archäologen gruben noch ein wenig tiefer und
entdeckten dabei Teile eines Vorgängerbaus. "Die Chorwand der ursprünglichen Kirche
steckt noch in der heutigen Ostwand. Wir sind uns nun sicher, dass der Kern der Kirche entweder
die Kapelle des Padberger Königshofes ist, der urkundlich erstmals 1030 erwähnt wurde, oder
sie spätestens 1120 gegründet wurde, als Kurköln das Padberger Territorium übernommen
hat", grenzt Kaiser den Gründungszeitraum auf das 11. bis 12. Jahrhundert ein.